Hof-Aufteilung soll Gewinn bringen

HORW ⋅ Viele Horwer kritisieren die Absicht des Gemeinderats, das Land des Grämlishofs zu zerstückeln. Nun ist klar: Hinter dem Vorhaben stecken auch finanzielle Überlegungen.
20. April 2017, 00:00

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Die Zukunft des gemeindeeigenen Bauernhofs Grämlis bewegt die Horwer Bevölkerung. Dass der Gemeinderat das Land auf verschiedene Landwirte aufteilen will, statt es als Ganzes weiterzuverpachten, stösst bei vielen auf Unverständnis. Nun wurde deshalb eine Petition, unterzeichnet von Mitgliedern der Strassengenossenschaft Stegenstrasse, beim Gemeinderat eingereicht.

Die Petition fordert, dass der Grämlishof als eigenständiger Landwirtschaftsbetrieb erhalten wird. Dasselbe Anliegen hat der Quartierverein Felmis in einem Brief an den Gemeinderat zum Ausdruck gebracht. Für Petitionär Martin Eberli ist es wichtig, dass das Erscheinungsbild des Quartiers und des Hofs wie auch die Stallbesichtigungen und Führungen für Schulklassen erhalten bleiben. «Wir befürchten auch, dass das Land durch die Aufteilung einfacher stückweise umgenutzt werden kann», so Eberli.

«Der Plan verfehlt das Ziel»

Auch der Verein Pro Halbinsel Horw hat sich in einem Brief an den Gemeinderat gewandt mit der Bitte, den Grämlishof nicht zu unterteilen. Der Verein stört sich an der Argumentation des Gemeinderats, zur kostendeckenden Bewirtschaftung des 17 Hektaren grossen Hofs brauche es einen Nebenverdienst. «Die meisten anderen Betriebe auf der Halbinsel sind einiges kleiner und bleiben klein, auch wenn sie zusätzliches Land erhalten. Der Plan verfehlt somit das Ziel», sagt Vereinspräsident René Gächter. Der Grämlishof sei emotional wichtig für Horw: Dort erfahre jedes Kind, wie ein Kuhstall von innen aussieht. «Der Gemeinderat sollte nicht am Volkswillen vorbeipolitisieren, sonst droht ihm ein Vertrauensverlust», sagt Gächter.

Vorerst ist die Landverteilung jedoch gestoppt. Dies wegen einer Motion der L20, die vom Einwohnerrat überwiesen wurde (Ausgabe vom 7. April). Der Gemeinderat muss nun den Erhalt des Hofes als Ganzes prüfen. Einwohnerrat Hannes Koch (L20) ist allerdings skeptisch, ob der Gemeinderat eine umfassende Variantenprüfung machen wird: «Es gibt wohl Beweggründe, die bisher nicht kommuniziert wurden.» Der Gemeinderat habe sich für die Aufteilung entschieden, damit er die Wohnhäuser getrennt vom Land vermieten könne. «Man muss aber Land und Häuser als Einheit betrachten», so Koch.

40000 Franken Verlust oder Gewinn

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt Gemeinderat Robert Odermatt (SVP), dass nicht nur agrarpolitische, sondern auch bisher unveröffentlichte finanzielle Argumente zum Entscheid beigetragen haben. Ausschlaggebend sind die sanierungsbedürftigen Wohnhäuser. Wie viel die Sanierung kostet, ist noch unklar, Detailabklärungen laufen. Im Finanz- und Aufgabenplan sind vorerst 1,3 Millionen Franken dafür vorgesehen. «Wenn die Gemeinde die Wohngebäude auf eigene Kosten saniert, bedeutet das einen zukünftigen, jährlich wiederkehrenden Verlust von rund 40000 Franken für Unterhalt, Verzinsung und Abschreibung», sagt Odermatt. Würden die beiden Gebäude jedoch im Baurecht abgegeben, könnten sogar Einnahmen in derselben Höhe resultieren.

«Aus diesem Grund und weil wir auch viele Interessenten für das Land haben, hält der Gemeinderat dies nach wie vor für die beste Variante», sagt er. Zudem habe sich gezeigt, dass die meisten interessierten Bauern jeweils nur ein bis drei Hektaren zusätzliches Land pachten möchten. Insofern sehe es so aus, dass fünf bis sechs Landwirte berücksichtigt werden können.


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