Horw will kleinen Firmen unter die Arme greifen

WIRTSCHAFT ⋅ Nach günstigem Wohnraum soll in der Gemeinde nun auch günstiger Gewerberaum geschaffen werden. Laut Gemeinderat ist der Spielraum jedoch beschränkt.

26. November 2016, 00:00

Die Mieten steigen nicht nur für Wohnungen, sondern auch für Firmen. Das ruft die Horwer Politiker auf den Plan. Nachdem die CVP die Initiative «für preisgünstigen Wohnraum» lanciert hatte, reichte die SVP eine Motion für «finanziell erschwinglichen Arbeits- und Gewerberaum» ein (wir berichteten).

An der Sitzung vom Donnerstag hat der Einwohnerrat die Motion nun mit 14 zu 10 Stimmen überwiesen. Konkret muss der Gemeinderat nun in einem Planungsbericht aufzeigen, wie er solche Gewerberäume schaffen kann. Der Gemeinderat hätte eine Überweisung als Postulat bevorzugt. Hintergrund der Motion war, dass kleinere Betriebe aus Horw verdrängt werden (Ausgabe vom 22. August). Betroffen seien vor allem lärmintensive Betriebe wie Schreinerei, Holzbau, Metallbau oder Spenglerei, «aber auch solche, die keinen grossen Lärm verursachen», sagt SVP-Einwohnerrat Roland Bühlmann, der selbst ein Velo-, Töff- und Carrosserie-Geschäft besitzt. In den letzten Jahren seien die Textilreinigungsfirma Muri AG oder die Betonbearbeitungsfirma Betontec AG weggezogen. Durch Projekte wie Horw Mitte und die Verteuerung des Bodens würden wohl bald weitere folgen, befürchtet Bühlmann. «Für das Kleingewerbe gibt es zu wenig Land in Horw. Das ist sehr bedauerlich.» Es seien deren Mitarbeiter, die sich in Vereinen und der Feuerwehr engagieren. Zudem gingen durch die Firmenabwanderung auch Lehrstellen verloren.

Wie soll man die Motion umsetzen? «Eine Möglichkeit wäre, in Bebauungsplänen bei Gebäuden mit zahlbarem Wohnraum in den untersten Stöcken Räume für Gewerbe zu reservieren», sagt Bühlmann. Mögliche Standorte seien die Wegmatt, das Areal neben der Feuerwehr, das bei der Waldegg oder die Wiese bei der Autobahnüberdachung beim Buhölzli. Drohen durch die Lärmemissionen der Betriebe nicht Konflikte mit den Bewohnern? «Man kann heute mit den neusten Entwicklungen der Schaldämmung sehr viel bewirken, ohne dass die direkten Anwohner gestört werden», so Bühlmann. Was «finanziell erschwinglich» in Zahlen bedeutet, lässt er offen.

Auf private Investoren angewiesen

«Die Tendenz, dass das Gewerbe verdrängt wird, ist unbestritten», sagt Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP). Die Vorschläge der SVP will er noch nicht kommentieren. «Diese werden Gegenstand des Planungsberichts sein.» Er bestätigt zumindest, dass Abklärungen für die Schaffung von Gewerberäumen bei der Autobahnüber­dachung laufen. Der Handlungsspielraum der Gemeinde sei aber beschränkt. «Wir sind auf private Grundeigentümer und deren Bereitschaft angewiesen.» Grundsätzlich lasse sich die Entwicklung des Markts kaum aufhalten. «Man kann ihr aber entgegen­treten», sagt Zemp. Eine Möglichkeit sei, dass sich eine Genossenschaft für zahlbare Gewerberäume einsetzt. Oder, dass die Gemeinde selbst solchen schafft. «Das wäre jedoch heikel. Denn dann würde sich die Frage stellen, wer Anspruch auf Gemeinde­räume hätte und wer nicht.»

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: