Horwer Dorfbach erhält Luft zum Atmen

RENATURIERUNG ⋅ Bald starten die letzten Arbeiten zur Aufwertung der Allmend. Diese dienen auch dem Hochwasserschutz. Da der Bach freigelegt wird, muss eine Parkfläche weichen.
21. April 2017, 00:00

Das Gebiet zwischen Schiesssporthalle, Sportplätzen und Bir­eggwald hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ziel des vom Stadtluzerner Parlament 2009 verabschiedeten Projekts «Natur- und Erholungsraum Allmend» ist, das Areal für Mensch und Natur aufzuwerten. So soll in diesem Grenzgebiet zwischen Luzern und Horw ein durchgehend offenes Gewässernetz geschaffen werden. Das Gebiet steht unter Naturschutz.

Seit dem Parlamentsbeschluss ist bereits Folgendes geschehen: Beim Bau der Schiesssporthalle und des Hochwasserrückhaltebeckens sowie im Zuge der Altlastensanierungen wurden Abschnitte des Horwer Dorfbachs und weiterer Bäche, die zuvor unterirdisch geführt waren, geöffnet und revitalisiert. Nun stehen die letzten Bauarbeiten in diesem Bereich an: die durchgehende Freilegung des Horwer Dorfbachs im Bereich Zihlmatt. Das Baugesuch liegt derzeit in Luzern und Horw öffentlich auf. «Ziel ist es, noch in diesem Sommer die Bauarbeiten durchzuführen», sagt Gregor Schmid, Leiter Umweltschutz bei der Stadt Luzern. Die Kosten für diese Arbeiten belaufen sich auf rund 100000 Franken. Die Stadt hat die Ausarbeitung des Projekts an die Schubiger AG Bauingenieure aus Horw vergeben.

Parkfläche wird ein letztes Mal für Luga verwendet

Der noch geschlossene Teil des Horwerbachs verläuft unter der Zufahrt zur Parkfläche P4. Diese wird jeweils nur temporär während Grossveranstaltungen genutzt. Auch dieses Jahr wird sie noch für die Luga zu Verfügung stehen. Allerdings ist die Aufhebung des Parkplatzes bereits beschlossen. «Dadurch kann der Durchlass, der unter der Strasse durchführt, abgebrochen und der entsprechende Bachabschnitt geöffnet werden», so Schmid. Gleichzeitig wird der rund 6300 Quadratmeter grosse und heute als Kiesfläche ausgestaltete Parkplatz renaturiert und mit Fusswegen in Form von Trampelpfaden versehen. Dort wird es auch Aufenthaltsbereiche am Rande eines Naturerlebnisrundwegs geben. Dieser ist insbesondere für Schulklassen gedacht, die Naturbeobachtungen durchführen – beispielsweise zu den Lebensräumen Pioniergewässer und Bach.

Amphibien und Eidechsen fühlen sich hier wohl

Der Bach wird in der Breite genügend Platz erhalten. Dadurch ist die Hochwassergefahr auch bei grösseren Wassermengen sehr gering. In der Regel schwankt der Pegel des Baches stark, insbesondere im Hochsommer führt er meist wenig Wasser. Aus diesem Grund gibt es kaum Fische darin.

Hingegen ist das Gebiet für andere am Wasser lebende Tiere ideal – beispielsweise für Amphibien wie etwa die gefährdete Gelbbauchunke sowie für Libellen und Falter. Im Bereich der Kiesfläche des Parkplatzes gibt es zudem viele Zauneidechsen. Auch deren Lebensraum soll optimiert werden, weshalb es dort weiterhin trockene, kiesige Flächen geben wird. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, besteht übrigens Leinenpflicht für Hunde.

Der Horwer Dorfbach wird von verschiedenen kleinen Bächen gespiesen, die aus dem Bir­eggwald herunterfliessen. Mit der Renaturierung soll eine Annäherung an das ursprüngliche Landschaftsbild erzielt werden, heisst es im Planungsbericht. Gemäss diesem war das Gebiet ursprünglich massgeblich durch die aus dem Bireggwald fliessenden Bäche geprägt. Doch seit dem Mittelalter gab es diverse Rodungs- und Entwässerungsmassnahmen zu Gunsten einer landwirtschaftlichen Nutzung. Ab dem 19. Jahrhundert folgten weitere Entwässerungen. Der Bach wurde zu grossen Teilen zugedeckt. Durch die Öffnung dieser Bacheindeckungen erhält der Horwer Dorfbach wieder Luft zum Atmen.

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

«Ziel ist es, noch in diesem Sommer die Bauarbeiten durchzuführen.»


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