«Ich sehe mich als Pragmatikerin»

ROLLENWECHSEL ⋅ Als CVP-Fraktionschefin vertrat Franziska Bitzi (43) die Positionen ihrer Partei. Als Stadträtin will sie künftig auch zwischen den verschiedenen Lagern vermitteln.

28. November 2016, 00:00

Robert Knobel/Stefan Dähler

stadt@luzernerzeitung.ch

Für heute Vormittag hat sie frei genommen, um die Ereignisse des Wahltags zu verdauen. Doch am Nachmittag beginnt wieder der Arbeitsalltag für die neu gewählte Luzerner Stadträtin Franziska Bitzi (CVP). Denn noch arbeitet die 43-Jährige als Generalsekretärin in der Zuger Kantonsverwaltung. «Ich werde nun die Kündigung einreichen», sagt Bitzi. Als Kaderangestellte gelten für sie eigentlich sechs Monate Kündigungsfrist. «Meine Chefin wird aber nicht auf diese bestehen.» Irgendwann im Frühling wird Bitzi die Stelle im Luzerner Stadtrat antreten können.

Dennoch ändert sich bereits jetzt einiges für sie. Denn als gewählte Stadträtin darf Bitzi das Amt als Grossstadträtin nicht mehr ausüben. Neben ihrer bisherigen Arbeit in Zug wird sie sich in den nächsten Monaten intensiv auf ihre neue Aufgabe vorbereiten. Dabei kommt ihr gelegen, dass sie in Zug in einem 80-Prozent-Pensum angestellt ist. «Der Donnerstag war bisher schon für die Politik reserviert», sagt Bitzi. Statt Parlamentsgeschäfte steht nun die Einarbeitung in den Stadtrat auf dem Programm. Offiziell vereidigt wird sie vermutlich noch in diesem Jahr. Dabei wird die gebürtige Entlebucherin auch ihr bisheriges Verwaltungsratsmandat bei der Entlebucher Bank abgeben.

Von der CVP-Fraktionschefin zur Stadträtin: Die Rollen könnten unterschiedlicher nicht sein. Dass sie nun nicht mehr bloss die Interessen der CVP vertreten kann, sondern die Entscheide des Gesamtstadtrats mittragen muss, ist ihr bewusst – und dieser Rollenwechsel sei auch kein Problem, sagt Bitzi. Verleugnen müsse sie ihre Herkunft deswegen aber nicht. «Man wird ja als Vertreterin einer bestimmten Gesinnung in den Stadtrat gewählt. Diese darf man dort ruhig auch einbringen.» Grundsätzlich rechnet sie damit, dass sie im Gremium eine vermittelnde Rolle einnehmen wird. «Dies wegen der Positionen meiner Partei, aber auch, weil ich mich selbst als Pragmatikerin sehe und keine Extrempositionen einnehme.»

Mit Bitzis Wahl sind wieder zwei der fünf Stadtratssitze von Frauen besetzt. Nach dem Rücktritt von Ursula Stämmer (SP) war Manuela Jost (GLP) vorübergehend die einzige Frau. Ja, sie freue sich, dass sie nicht die einzige Frau im Gremium sei, sagt Bitzi. «Mit Manuela Jost verstehe ich mich gut.» Ein ausgewogener Geschlechtermix sei grundsätzlich positiv. Bitzi weiss, wovon sie spricht: Ihre bisherige Chefin, die Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt, ist die einzige Frau in der siebenköpfigen Zuger Regierung. Das habe auch Folgen für die Zuteilung der Dossiers.

Arbeitsbelastung liegt über 100 Prozent

Als Stadträtin wird Bitzi im 100-Prozent-Pensum angestellt sein. Wobei die effektive Arbeitsbelastung meist weit darüber liegt. Bitzi nimmt diese Perspektive gelassen: «Ich bin heute schon oft bis 20.30 Uhr im Büro.» Zum Ausgleich treibt sie Sport – Aquafitness, Ski und Golf – und geniesst «ein feines Nachtessen mit meinem Mann oder mit Freunden». Und die Wochenenden versucht sie so gut als möglich arbeitsfrei zu lassen. «Darauf werde ich auch künftig achten.»


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