Katholische Glocke für reformierte Kirche

BUCHRAIN ⋅ Dem Glaubenszentrum der reformierten Gemeinde fehlt ein Glockenturm. Diese lanciert nun ein Bauprojekt – und erhält Hilfe von unerwarteter Stelle.

30. November 2016, 00:00

Sie schweigt schon seit 15 Jahren – die kleine Glocke in der alten katholischen Kirche in Buchrain. Doch dies soll sich bald ändern. Die reformierte Kirche Buchrain-Root plant neben ihrem Begegnungszentrum einen neuen Glockenturm – und kann dabei auf die Hilfe der katholischen Gemeinde zählen.

Diese plant nämlich für die alte Kirche einen Umbau und stellt den Reformierten die Glocke für deren Vorhaben zur Verfügung, sagt Peter Kaufmann, Präsident der katholischen Kirchgemeinde Buchrain-Perlen: «Wir haben ein gutes Einvernehmen mit der reformierten Kirche und arbeiten gut zusammen. Sie hilft uns mit ihrem Vorhaben, dass die Glocke zum einen in Buchrain weiterläutet und zum anderen bereits draussen ist, ohne dass wir die Kosten dafür tragen müssen.» Diese seien nämlich beachtlich. Rund 2000 bis 3000 Franken soll alleine das Entfernen der Glocke aus dem baufälligen Kirchenturm kosten. Dieser Betrag werde nun von der reformierten Gemeinde übernommen.

Turm soll bereits im nächsten Jahr stehen

Letztere plant neben dem Regionalen Begegnungszentrum unteres Rontal (RBZ) an der Ronmatte 10 in Buchrain einen neuen Glockenturm, der 13 Meter hoch werden soll. Das entsprechende Baugesuch wurde in diesem Monat eingereicht, die Einsprachefrist läuft noch bis am 5. Dezember. Wenn alles nach Plan läuft, soll der neue Turm bereits im nächsten Jahr im Rahmen der 500-Jahr-Jubiläumsfeier der Reformation eröffnet werden. Budgetiert für das Projekt sind rund 245 000 Franken. Wie die reformierte Kirche Buchrain-Root mitteilt, soll das RBZ durch den neuen Turm leichter erkenn- und auffindbar werden. Wilfried Willi, der bei der reformierten Gemeinde für die Infrastruktur verantwortlich ist, präzisiert: «Vor allem auswärtige Besucher von Gottesdiensten und kulturellen Anlässen finden uns oftmals nicht auf Anhieb. Zudem besteht in der Gemeinde das Bedürfnis, einen Glockenturm zu sehen.»

Dass Glockentürme auf reformierten Kirchengebäuden fehlen, ist kein seltenes Phänomen. Praktisch gesehen haben Kirchenglocken im heutigen digitalen Zeitalter kaum mehr eine Bedeutung. Trotzdem seien Glockentürme und Glockenklänge wichtige Wahrzeichen der europäischen Kultur und gehören zur Tradition, wie die reformierte Gemeinde in ihrer Mitteilung weiter schreibt: Sie würden gerade «in Zeiten allgemeiner Verunsicherung» die Sicherheit und «das Heimatgefühl» stärken. Deshalb möchte die reformierte Gemeinde diese Tradition pflegen.

Die Glocke wird zukünftig jeweils für 12 Minuten vor allen Gottesdiensten sowie vor Sonn- und Feiertagen läuten und werde klanglich auf die katholische Kirche abgestimmt, wie Willi erklärt: «Da auch die katholische Gemeinde zur selben Zeit wie wir ihre Gottesdienste abhält, soll das Einläuten gleichzeitig stattfinden. Zudem sind alle Glocken im Rontal klanglich aufeinander abgestimmt.» Auf Stundenschläge werde dagegen verzichtet, wie Willi weiter erklärt: «Wir wollen niemanden stören, denn das ist jeweils ein grosses Thema. Deshalb haben wir auch die kleinste Glocke ausgewählt. Der Turm soll von der Erscheinung her eine Bereicherung sein, und kein Störfaktor.» Falls das Projekt realisiert werden kann, wird es also aller Voraussicht nach nicht mehr lange dauern, bis die alte Glocke an ihrem neuen Ort endlich wieder Schwung aufnimmt.

Roger Amberg

roger.amberg@luzernerzeitung.ch


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