Kindergärtler sollen Jugendvereine retten

KRIENS ⋅ Um den Mitgliederschwund zu stoppen, führen Blauring und Jungwacht Kriens neu auch Anlässe für Kinder unter 7 Jahren durch. Für die Leiter steigt der Aufwand – doch dieser könnte sich lohnen, wie das Beispiel der Pfadi Luzern zeigt.
20. März 2017, 00:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Sport, Musik, Hausaufgaben, Nachhilfekurs – der Alltag vieler Kinder ist bereits stark verplant. Das bekommen auch die traditionellen Jugendvereine zu spüren. «Viele unserer Mitglieder gehen anderen Tätigkeiten nach», sagt Christian Büchler von der Jungwacht Kriens. «Wenn es ihnen zu viel wird, entscheiden sie sich oft gegen die Jungwacht.» So seien die Mitgliederzahlen in den letzten Jahren stark zurückgegangen. 2015 zählte die Jungwacht Kriens nur noch 20 Mitglieder.

Inzwischen zählt der Jugendverein wieder 35 Mitglieder. Dies, weil zahlreiche Schnupperan­lässe durchgeführt wurden, so Büchler. Doch um nachhaltig zu wachsen, will man die Kinder noch früher abholen und diese so noch früher an den Verein binden. Dafür hat die Jungwacht gemeinsam mit dem Blauring Kriens Ende 2016 die «Jublinos» ins Leben gerufen. In diesem Jahr führen die Jugendvereine acht bis zehn Anlässe für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren durch. «In diesem Alter haben die Kinder auch noch eher Zeit für solche Aktivitäten», sagt Büchler.

Der Start sei erfolgreich verlaufen. Jeweils rund 30 Kinder besuchen die Anlässe, die Rückmeldungen seien positiv. «Das Ziel ist, dass im Sommer die ersten ‹Jublinos› der Jungwacht oder dem Blauring beitreten.» Wie viele dies tatsächlich tun werden, kann Büchler noch nicht abschätzen. «Wir haben noch keine Erfahrungswerte. Nicht schlecht wäre, wenn etwa die Hälfte beitreten würde.»

«Müssen mit der Zeit gehen»

Angebote für jüngere Kinder sind in Jungwacht und Blauring noch nicht so stark verbreitet. In Emmenbrücke gibt es seit rund zwei Jahren «Jublinos». Als Vorbild für die Jungwacht und den Blauring Kriens diente jedoch die Pfadi, so Büchler. Diese hat bereits im Jahr 2010 die sogenannte Biberstufe für 5- bis 7-Jährige eingeführt. «Es gibt bereits zahlreiche andere Angebote für Kinder in diesem Alter. Da sind auch wir als alte Organisation gefragt, mit der Zeit zu gehen», sagt Thomas Stadelmann, Co-Präsident des kantonalen Verbands Pfadi Luzern.

Das Angebot sei ein Erfolg. Die Zahl der Pfadi-Mitglieder ist trotz wachsender Konkurrenz durch andere Angebote stabil geblieben. 2016 waren es im Kanton Luzern total 3262 Kinder und Jugendliche und somit 43 mehr als im Jahr zuvor. «Ein Grund ist sicher auch die Einführung der Biberstufe», sagt Stadelmann. Dass nun auch Jungwacht und Blauring sich um kleinere Kinder bemühen, ist für Stadelmann kein Problem. «Das ist naheliegend, da beide Vereinigungen ähnlich funktionieren. Das Verhältnis zwischen Pfadi und Jubla ist entspannt. Wir arbeiten auch oft zusammen.»

Acht Leiter pro Anlass

Welche Unterschiede bestehen zwischen «Jublinos» beziehungsweise «Bibern» und älteren Mitgliedern? «Man muss schauen, dass die Spiele nicht zu kompliziert sind», sagt Christian Büchler, der zur Vorbereitung auf das «Jublinos»-Angebot einen Kurs von Jugend+Sport mit Fokus auf Kinder von 5 bis 10 Jahren besucht hat. «Grundsätzlich machen die Kleinen aber fast alles mit. Sie sind weniger wählerisch, was das Programm angeht.» Allerdings sei auch der Aufwand höher, da die Kleinen sich in Pausen schnell langweilen würden. «Man muss sie immer beschäftigen und Ersatzspiele dabeihaben.» Für die Vorbereitung sind vier Personen zuständig, an den «Jublinos»-Anlässen selbst nehmen acht Leiter teil. Für die Teilnahme an Lagern seien die «Jublinos» noch zu jung. «Denkbar sind einzelne Übernachtungen in der Nähe», sagt Christian Büchler.

Zweitägige Ausflüge statt Lager

Thomas Stadelmann beobachtet ähnliche Unterschiede zwischen den jüngsten und älteren Mitgliedern: «Es ist ein höheres Betreuungsverhältnis nötig, da die Kinder noch mehr Hilfe benötigen, etwa beim Schuhebinden oder beim Basteln.» Die Leiter würden in den Kursen seit der Einführung der Biberstufe auch entsprechend für den Umgang mit kleineren Kindern geschult. In Lager gehen die «Biber» noch nicht, es gibt aber Wochenenden oder kleine Reisen, bei denen die Kinder gemeinsam ein oder zwei Tage unterwegs sind. In der Regel treffen sich die «Biber» sonst ein- bis zweimal pro Monat.


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