Kleinfeld-Antenne gibt erneut zu reden

KRIENS ⋅ Mit dem Einzug der Sportschule wird das Stadion Kleinfeld zum «Ort mit sensibler Nutzung». Muss nun die Sendeleistung der Mobilfunkantenne angepasst werden?

01. Dezember 2016, 00:00

Demnächst fahren im Krienser Kleinfeld die Bagger auf. Bis 2018 wird dort ein neues Fussballstadion entstehen. Dazu werden die bestehenden Gebäude abgerissen – Kriens erhält also auch ein ganz neues Stadiongebäude. Ein Teil der Räumlichkeiten soll an die Sportschule Kriens vermietet werden. Bei der Sportschule handelt es sich um eine Sekundarschule für angehende Spitzensportler. Die drei Sek-Klassen, die heute im Krauer-Schulhaus untergebracht sind, dürfen sich auf neue und moderne Räumlichkeiten freuen. Von ihrer neuen Unterrichtsstätte werden sie allerdings direkten Blick auf eine grosse Mobilfunkantenne haben, die wenige Meter vom künftigen Stadiongebäude entfernt zwischen den Spielfeldern steht. Genau dies hat den Krienser Einwohnerrat Michael Portmann (SP) zu einer Anfrage an den Gemeinderat veranlasst. Er will wissen, ob der Schutz vor Mobilfunkstrahlung für die Sportschüler auch künftig gewährleistet ist.

Die Frage ist berechtigt, da Schulen als Orte von «empfindlicher Nutzung» gelten. Gemäss der nationalen Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) müssen an empfindlichen Orten besonders strenge Strahlengrenzwerte eingehalten werden, die deutlich tiefer liegen als an anderen Orten. Als «empfindlich» gelten neben Schulen auch Wohnungen und Spitäler – also Orte, an denen sich Menschen regelmässig während längerer Zeit aufhalten. Das Stadion Kleinfeld gehörte bisher nicht zu dieser Kategorie, und die nächsten Wohnhäuser liegen über 100 Meter von der Antenne entfernt. Durch den Einzug der Sportschule, deren Zimmer in nächster Nähe der Antenne zu stehen kommen, könnte sich also die Ausgangslage ändern. Ob sich Massnahmen aufdrängen – etwa eine Reduktion der Sendeleistung –, muss nun der Gemeinderat entscheiden.

Einen Hinweis, wie gross die Strahlenbelastung in den künftigen Schulzimmern sein wird, gibt die Webseite www.e-smogmessung.ch. Diese wird von den Zentralschweizer Kantonen betrieben und berechnet für jeden beliebigen Ort in der Zentralschweiz die Strahlenbelastung durch die Mobilfunkantennen. Für den Bereich des Stadiongebäudes wird eine Belastung von maximal 1 Volt pro Meter angegeben. Das ist gleich viel wie im benachbarten Parkbad – aber weniger als bei gewissen Wohnhäusern an der Horwerstrasse. Diese sind aufgrund der Ausrichtung der Kleinfeld-Antenne stärker belastet als Bereiche unmittelbar neben dem Sendemast. Zumindest die Computersimulation lässt also nicht darauf schliessen, dass die Schüler einer zu hohen Strahlenbelastung ausgesetzt sein werden.

Sendeleistung ist «gross»

Es ist nicht das erste Mal, dass die von mehreren Anbietern ­genutzte Antenne beim Kleinfeld-Stadion die Gemüter erhitzt. Schon beim Bau 2012 gab es massiven Widerstand, insbesondere vom Komitee für ein antennenfreies Kleinfeld. Dieses sorgte sich um die Gäste der benachbarten Badi. Der Widerstand nützte nichts, die Antenne, deren Sendeleistung vom Bundesamt für Kommunikation als «gross» eingestuft wird, wurde gebaut. Wenige Monate zuvor mussten Krienser Antennengegner eine weitere Niederlage einstecken: Das Bundesgericht erklärte eine vom Volk angenommene Initiative für ungültig, welche grosse Antennen in Wohngebieten verbieten wollte.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch


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