Mehr Biodiversität dank günstiger Bäume

HORW ⋅ Die Gemeinde gibt Obstbäume für 20 Franken an Bauern ab. Dadurch soll der Bestand an Hochstämmern erhalten werden. Bislang ist die Aktion erfolgreich.
19. April 2017, 00:00

Die Horwer Halbinsel ist eines der bedeutendsten Hochstammobst-Anbaugebiete in der Region, so die Gemeinde. Damit das auch so bleibt, besteht seit 2006 ein Projekt mit dem Ziel, ökologische Flächen in der Landwirtschaftszone zu fördern und zu vernetzen. Im Rahmen dieses Projekts fanden seither mehrere Aktionen für Hochstammbäume statt.

Laut Gwen Bessire, Natur- und Umweltschutzbeauftragte in Horw, hat die Gemeinde das Ziel, ökologisch und landschaftlich wertvolle Lebensräume und Naturelemente sowie deren Aufwertung zu fördern – dies sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Bäume hätten einen hohen landschaftsästhetischen, emotionalen, ökologischen und ökonomischen Wert. Für seltene Vögel wie Gartenbaumläufer oder Gartenrotschwanz sind Hochstammbäume ein wichtiger Lebensraum, so Bessire. Sie bilden auch die Basis lokaler sowie regionaler Produkte wie Obst, Most und Honig.

Da der Bestand der Hochstammbäume in Horw seit 1950 stark abgenommen hat, setzte die Gemeinde gezielte Fördermassnahmen wie die Pflanzung von neuen Bäumen ein. Dadurch blieb der Bestand seit 1990 mehr oder weniger erhalten. «Dies ist für uns Grundlage und Motivation, die Pflanzung von Hochstammobstbäumen auch weiterhin zu unterstützen», so Bessire. 2015 wurden in Horw 2383 Hochstammobstbäume gezählt. Mit dem Vernetzungsprojekt wird das Ziel gesetzt, den Bestand der Bäume bis 2023 zu erhalten.

Gemeinde beteiligt sich auch an Auslieferung

Bei den durchgeführten Hochstammaktionen konnten Bauernfamilien zu einem vergünstigten Preis junge Hochstammobstbäume bestellen. Die Landwirte bezahlten lediglich einen Selbstbehalt von 20 Franken pro Baum, die restlichen Kosten übernahm die Gemeinde. Sie beteiligte sich auch an der Auslieferung der bestellten Bäume.

Im Herbst 2016 wurden 160 Bäume von der Gemeinde an die Bauern abgegeben. Gemäss Bessire hätten alle Betriebe, die in Horw Flächen bearbeiten, die Möglichkeit gehabt, Hochstammobstbäume zu bestellen. 20 Bauernbetriebe haben sich an der Aktion beteiligt. «Zusätzlich haben wir den Landwirten auch Nisthilfen für Obstgarten bewohnende Vögel, die vom Natur- und Vogelschutzverein hergestellt werden, abgegeben», sagt die Natur- und Umweltschutzbeauftragte Bessire.

«Wir befinden uns auf einem guten Weg»

Laut Gwen Bessire ist das Ziel, Hochstammbäume abzugeben, die der Aufwertung eines Hochstammobstgartens dienen. Sie sind ein Ersatz für abgehende Bäume oder können an einem markanten Standort neu gepflanzt werden. «Die Beiträge bedeuten auch ein Dankeschön für die wertvolle Pflege, die Bauernfamilien leisten und die uns allen zugutekommt», sagt Bessire.

Der Hochstammbaumbestand wird bei den jährlichen Betriebserhebungen aufgenommen und bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald geführt. Mit dem Vernetzungsprojekt werden die Umsetzungsziele alle vier Jahre geprüft. Die nächste Kontrolle der Zielsetzung findet 2019 statt. Gwen Bessire zeigt sich in dieser Beziehung optimistisch. «Wir befinden uns auf einem guten Weg.» Wäre absehbar, dass ein Ziel des Vernetzungsprojektes nicht erreicht wird, würden in einer Arbeitsgruppe mögliche Ansätze diskutiert und anschliessend umgesetzt, um dieses möglichst zu erreichen, erklärt sie.

Astrid Longariello

astrid.longariello@luzernerzeitung.ch


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