Stadtrat will keine Velos am Luzerner Quai

VORSTOSS ⋅ Die Linken wollen die Seepromenade für Velos öffnen – und beissen bei der Stadtregierung auf Granit. Nun suchen sie zusammen mit der CVP einen Kompromiss.

21. März 2017, 00:00

Es ist einer der grössten Zank­äpfel im Luzerner Stadtverkehr: Sollen Velofahrer den Quai benützen dürfen oder nicht? Der Stadtrat hat darauf nun eine klare Antwort: nein. Das schreibt er in seiner Stellungnahme auf ein Postulat von SP und Grünen. Der Stadtrat begründet seine ablehnende Haltung wie folgt: Erstens biete die Benutzung des Quais keinen signifikanten Sicherheitsgewinn für Velofahrer. Dies trotz der Tatsache, dass es in den letzten sechs Jahren zwischen Schwanenplatz und Verkehrshaus rund 50 Velounfälle gegeben hat. Im Jahr 2005 verunglückte ein junger Velofahrer auf der Haldenstrasse sogar tödlich. Ob diese Unfälle alle hätten vermieden werden können, wenn die Velofahrer den Quai benutzen dürften, ist gemäss Stadtrat aber nicht gesagt. Denn die Zu- und Wegfahrten vom Quai würden ein erhöhtes Unfallpotenzial bergen.

Das Hauptargument gegen Velos am Quai sind aber die Fussgänger: Die international bekannte Flaniermeile am See würde durch Velos zu stark beeinträchtigt. Das sei aus touristischer Sicht nicht zu verantworten. Auch wäre die Sicherheit etwa von herumtollenden Kleinkindern gefährdet. Diese Problematik habe sich durch den Boom der schnellen Elektrovelos noch verschärft.

Velofahren nur zu Randzeiten?

Enttäuscht von der ablehnenden Haltung des Stadtrats ist SP-Fraktionschef Nico van der Heiden, der das Postulat eingereicht hatte. Er räumt zwar ein, dass eine vollständige Öffnung des Quais möglicherweise Schwierigkeiten mit sich bringen würde. Deshalb plädiert er für eine Kompromisslösung. So könnte das Velofahren beispielsweise nur auf einem bestimmten Abschnitt oder nur zu bestimmten Zeiten erlaubt sein. «An einem schönen Sonntagnachmittag ist es wohl nicht realistisch, mit dem Velo dem Quai entlangzufahren. Am frühen Morgen unter der Woche hingegen ist dies kein Problem. Es würde niemanden stören, für die Pendler wäre es aber eine enorme Verbesserung», sagt van der Heiden. Erstunterzeichner Christian Hochstrasser (Grüne) glaubt zudem, dass selbst bei hohem Fussgängeraufkommen die Konflikte gering wären. Er verweist auf das Beispiel der Hertensteinstrasse – der einzigen Strasse in der Altstadt, wo Velofahren in einer Richtung immer erlaubt ist. «An einem Samstagvormittag fährt dort niemand, weil man gar nicht vorwärtskäme. Das Ganze reguliert sich also von allein.»

Ob und wie Velofahrer dereinst den Quai benutzen können, wird letztlich das Stadtparlament entscheiden. FDP und SVP haben bereits früher signalisiert, dass sie die Idee ablehnen. Die Linken wollen die Fühler daher Richtung CVP ausstrecken. Die Partei hatte schon 2003 eine Öffnung des Quais für Velos gefordert. CVP-Verkehrspolitiker Roger Sonderegger kann sich eine flexible Lösung – je nach Fussgängeraufkommen – durchaus vorstellen. Fragezeichen setzt er allerdings bei der Umsetzung eines solchen Verkehrsregimes. Zudem ist für ihn klar: «Fussgänger kommen zuerst, ohne Wenn und Aber.»

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch


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