Sunrise gibt Mega-Antenne auf

HORW ⋅ Der im Gebiet Stutz/St. Niklausen geplante Ausbau der bestehenden Handy-Antenne wird nicht aufgestellt. Die Firma Sunrise hat ihr Gesuch zurückgezogen – zur Freude zahlreicher Einsprecher.

18. Oktober 2016, 00:00

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Er sorgt seit Jahren für Gesprächsstoff und Widerstand vieler Anwohner: der geplante Ausbau der bestehenden Mobilfunkantenne im Gebiet Stutz/St. Niklausen in Horw, an der Grenze zur Stadt Luzern. Die Anwohner können nun aufatmen: Das Baubewilligungsverfahren wurde vom Baudepartement der Gemeinde Horw eingestellt.

Damit ist klar: Die rund 40 Meter hohe zusätzliche Hochleistungsantenne im Gebiet Stutz kann nicht gebaut werden. Grund dafür ist, dass die Bauherrschaft selber ihr Baugesuch zurückgezogen hat. Es handelt sich um die Firma Huawei Technologies Switzerland, die den Mobilfunkausbau im Auftrag der Sunrise hätte realisieren sollen.

Eidgenössisches Gutachten gibt Gegnern Recht

Der Rückzug des Baugesuches und die Einstellung des Baubewilligungsverfahrens erfolgten aufgrund eines Gutachtens, das der Horwer Gemeinderat bei der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) in Auftrag gab. Diese nahm im April dieses Jahres den Standort in Augenschein und kam zum Schluss, dass die geplante Antennenanlage zu einer «zusätzlichen schweren Beeinträchtigung» des dortigen Gebiets führen würde.

Das Gebiet Stutz/St. Niklausen ist im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführt – als Teil des Objekts «Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock, Rigi». Dies ist dem ENHK-Gutachten zu entnehmen, das unserer Zeitung vorliegt. Die Kommission beantragt, auf den Neubau des Masts Stutzstrasse zu verzichten und Alternativstandorte ausserhalb des Schutzgebietes ins Auge zu fassen. Die Kommission empfiehlt zusätzlich, den bestehenden Mast-Standort Stutz wenn möglich ganz aufzugeben.

Gemeinderat lehnte 610 Einsprachen ab

Im August 2014 lehnte der Horwer Gemeinderat insgesamt 610 Einsprachen ab, die Anwohner gegen das Ausbauprojekt der Mobilfunkanlage Stutz eingereicht hatten. Auch der Ortsverein Kastanienbaum-St. Niklausen und und der Verein Pro Halbinsel Horw reichten Einsprachen ein. Daraufhin wies das Kantonsgericht das Geschäft an den Gemeinderat zurück – mit der Auflage, das jetzt vorliegende Gutachten der eidgenössischen ENHK-Kommission einzuholen.

«Leider hatte der Gemeinderat Horw all die Jahre nur wenig Verständnis für die Anliegen unseres Wohnquartiers», teilte Philipp Gloggner, einer der Einsprecher, gestern unserer Zeitung mit. Der jetzige Entscheid, das Bewilligungsverfahren einzustellen, werde von der ganzen Nachbarschaft Stutz, dem Ortsverein Kastanienbaum-St. Niklausen und dem Verein Pro Halbinsel Horw «mit grosser Freude zur Kenntnis genommen».

Mit Interesse nehme man auch die Empfehlung der Kommission zur Kenntnis, wenn möglich den bestehenden, 1997 bewilligten Mast-Standort Stutz ganz aufzugeben. «Als Alternativstandort käme allenfalls die Parzelle 235 in der Gemeinde Horw in Frage, die sich etwas ausserhalb der Schutzzone auf einer bewaldeten Parzelle befindet», schreibt Gloggner.

Gemäss dem Entscheid zur Einstellung des Baubewilligungsverfahrens muss die Bauherrschaft die bisher angefallenen Gebühren von mehreren zehntausend Franken tragen. Die Firma Huawei, die das Baugesuch einreichte, ist einer der weltweit grössten Technologie-Anbieter. Ihr Hauptsitz ist in China.


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