Nachgefragt

«Die Partyszene gewinnt an Bedeutung»

12. Mai 2017, 00:00

Den Verein kirchliche Gassenarbeit gibt es in Luzern seit fast einem Vierteljahrhundert. Entsprechend klar ist sein Aufgabenheft abgesteckt. Jetzt aber rückt ein neues Tätigkeitsfeld ins Visier: junge Menschen, die in ihrer Freizeit – etwa an Partys – illegale Drogen konsumieren. Diese Woche informierte der Verein kirchliche Gassenarbeit im Rahmen seiner Generalversammlung über Stand und Aussichten seiner Arbeit. Wir fragten bei Geschäftsleiter Fridolin Wyss nach.

Fridolin Wyss, Ihr Verein hat im letzten Jahr mit rund 1,46 Millionen Franken einen Spendenrekord erzielt. Wie erklärt sich die boomende Spendenfreudigkeit?

Die Spenden machen rund ein Drittel unserer Einnahmen aus, sie sind für uns also sehr wichtig. Entsprechend aktiv haben wir mit Stiftungen das persönliche Gespräch gesucht. Und das hat sich ausbezahlt. Zudem haben wir von Seiten von Pfarreien und Kirchgemeinden deutlich mehr Zuwendungen erhalten. Und schliesslich haben wir vermehrt auch von Legaten profitiert.

Die Mehreinnahmen dürften im richtigen Augenblick geflossen sein. Denn in der Szene der Bedürftigen und Drogenabhängigen soll eine Zunahme zu registrieren sein.

Die Anzahl der Zuwendungsbedürftigen ist in unserer Einschätzung stabil. Dies, nachdem in den Jahren zuvor ein deutlicher Rückgang der Drogenabhängigen zu registrieren war. Demgegenüber nimmt aber die Zahl jener deutlich zu, welche ihre Einkommensverwaltung uns anvertrauen. Denn so kann in vielen Fällen schon im Ansatz Obdachlosigkeit verhindert werden: Wenn der Vermieter weiss, dass die Miete fliesst, ist die Gefahr von Kündigungen kleiner.

Offenbar gibt es eine wachsende Anzahl von Menschen, welche illegale Drogen konsumieren und sich gleichzeitig im ordentlichen Arbeitsmarkt halten.

In der Tat. Diese Entwicklung lässt sich auch in der Partyszene beobachten. Da gibt es junge Leute, die sozusagen als Freizeitkonsumenten illegale Drogen wie Kokain oder auch Heroin konsumieren. In Sachen Drogenkonsum gewinnt die Partyszene an Bedeutung. Deshalb legen wir jetzt einen Fokus auf diesen Bereich.

Was heisst das konkret?

Wir sind Teil einer Arbeitsgruppe, die aktuell die konkreten Bedürfnisse abklärt. In dieser Arbeitsgruppe sind auch der Kanton und die Stadt Luzern vertreten. Man hat ja bereits entsprechende Erfahrungen aus grösseren Schweizer Städten wie Basel, Bern oder Zürich. Dort wird in der Szene vor Ort Beratung und ein mobiles Drogen Check In angeboten. Das heisst: Es wird zum Schutz der Drogenkonsumenten auch die Qualität der Ware geprüft. Und hier in Luzern gibt es ja eine breite Partyszene. Ich hoffe, dass bis Ende dieses Jahres die Ergebnisse der Bedarfsabklärung verbindlich vorliegen.

Thomas Bornhauser

thomas.bornhauser@luzernerzeitung.ch


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