Die Tage des toten Hauses sind gezählt

LUZERN ⋅ Die Liegenschaft an der Sternmattstrasse 68 muss gemäss Erblasser unbewohnt bleiben. Dieser Letzte Wille ist nun gebrochen. Eine Änderung des Stiftungszweckes eröffnet die Möglichkeit, dass die Immobilie einer neuen Nutzung zugeführt werden kann.
14. Februar 2018, 00:00

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Das Areal an der Sternmattstrasse 68 hinterlässt beim Betrachter einen höchst zwiespältigen Eindruck. Das gesamte Terrain von knapp 3000 Quadratmetern wirkt vollkommen verlassen und ist von einem hohen Gitter­geflecht umzäunt. Inmitten von hochgewachsenen Nadelbäumen ist ein altes Haus zu erkennen. Wann und ob dieses Gebäude in den letzten Jahren jemals direkt von der Sonne beschienen wurde, ist an diesem bedeckten Wintertag nicht auszumachen. Die Immobilie wirkt, als ob ihr Besitzer sich von dieser Welt verabschiedet hat oder zumindest ein zurückgezogenes Leben führt.

In diesem Fall trifft Ersteres zu. Denn die ehemaligen Eigentümer des Grundstückes sind beide im Frühling 2012 innert weniger Wochen kurz nacheinander verschieden. Bei den Ex-Eignern handelt es sich um den Arzt Jost Limmacher und dessen Gattin Margot.

Und diese beiden Rentner verfassten vor ihrem Ableben ein Testament, das schweizweit seinesgleichen sucht. Denn die kinderlosen Limmachers kamen überein, dass ihr Grundstück an bester Stadtluzerner Lage nach ihrem Ableben nicht mehr bewohnt werden darf.

Auf der Liegenschaft befindet sich ein zweites Haus

Weshalb die Limmachers der Nachwelt ein solch eigenwilliges Testament hinterliessen, kann auch Thomas Ineichen nicht sagen. Dieser sitzt im Stiftungsrat der Margot-und-Jost-Limmacher-Leo-Stiftung, domiziliert an der Obmatt 41 in Adligenswil. Die Rechtsform der Stiftung musste gewählt werden, damit der schwer verständliche Letzte Wille des Ehepaars überhaupt umgesetzt werden konnte.

Stiftungsrat Ineichen war mit dem Ehepaar nicht persönlich bekannt. Wer sich hingegen bei alteingesessenen Bewohnerinnen und Bewohnern des Sternmatt-, Grünegg- und Hochrütiquartiers nach den Limmachers erkundigt, bekommt vielfach keine Antwort. Denn kaum jemand hat die beiden je gesehen oder mit ihnen geplaudert. Oder aber die Befragten äussern sich dahingehend, dass es sich bei den Verstorbenen um «seltsame Leute» handelte. Zur Stiftung gehört nicht nur das erwähnte Geisterhaus an der Sternmattstrasse 68, sondern eine zweite, ansehnliche Immobile, erstellt direkt nebenan. Baujahr: im Zeitraum der 1990er-Jahre. Ineichen sagt: «Das ­Ehepaar nutzte zeitweise beide Liegenschaften gleichzeitig.»

Auf der Stiftung lasten hohe Schulden

Das alte Gebäude wurde übrigens 2016 besetzt und erlangte unter dem Namen «Stella Matta» Bekanntheit. Die Margot-und-Jost-Limmacher-Leo-Stiftung, zu der auch ein drittes Gebäude gehört – ein bewohntes Dreifamilienhaus an der Sternmattstrasse 32 – ist ein Fass ohne Boden. Auf der Stiftung lasten hohe Schulde, und laufende Verbindlichkeiten beeinflussen das Betriebsergebnis. Ineichen und die anderen Mitglieder des Stiftungsrates mussten handeln. Mit dem Einverständnis der kantonalen Aufsichtsbehörde gelang es, den Stiftungszweck zu ändern. Folglich ist es nun möglich, Teile des Stiftungsvermögens zu veräussern.

Stiftungsrat der Margot-und- Jost-Limmacher-Leo-Stiftung


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