Ebikoner Läden trotzen der «Mall»

SHOPPING ⋅ Von der neuen, grossen Konkurrenz spüren die Geschäfte im Dorf Ebikon bislang wenig. Was aber auffällt, sind die vielen leeren Ladenflächen.
05. Januar 2018, 00:00

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

Über 100 neue Läden auf mehreren 10000 Quadratmetern: Die Eröffnung der Mall of Switzerland vor zwei Monaten war für die Kunden ein Freudentag – für die Ebikoner Detaillisten weniger. Insbesondere in der Ladengasse zitterte manches Geschäft vor der neuen Konkurrenz.

«Es ist schon ruhiger geworden», sagt etwa Theres Bucher, Geschäftsführerin des Brillenparadies Renggli. Kein Wunder: Die Zahl der Optiker ist in Ebikon durch die Mall von drei auf fünf gestiegen. «Aber wir werden uns mit Fachkompetenz und Service behaupten», sagt Theres Bucher. Auch langjährige Ladengasse-Kunden sagen, es seien weniger Leute im Center unterwegs als früher.

Kleider für jede Altersklasse

Doch von Umsatzrückgang will offiziell niemand etwas wissen: «Bis jetzt spüren wir wenig – dank vieler Stammkundinnen», sagt Theres Purtschert, Filialleiterin des Damenmodegeschäfts Express yourself. Und nicht nur das: «Ich war selber in der Mall – es wimmelt zwar von Kleideranbietern, aber fast alle nur für junge Leute.» Ihr Geschäft hingegen richte sich an alle Altersklassen.

Auf ihre Stammkundinnen zählt auch Gordana Jankovic, Inhaberin von Milano Fashion: «Ich pflege regelmässigen Kontakt mit ihnen – das macht ein ­Filialbetrieb nicht.» Deshalb merke sie bislang wenig von der Mall. Erst im Oktober 2016 ist Jankovic in die Ladengasse gezogen. Zuvor hatte sich dort bereits ein Modegeschäft befunden, allerdings nur für rund ein Jahr.

Es ist nicht das einzige Lokal in der Ladengasse, in dem es in letzter Zeit zu Mieterwechseln gekommen ist. Dazu passt, dass seit Ende Dezember gleich zwei der 17 Ladenlokale im Erdgeschoss leerstehen. «Dies hat aber nichts mit der Mall zu tun. Der Zeitpunkt ist zufällig», betont ­Janine Bosshardt, Sprecherin der Centervereinigung. Im einem der ­Lokale befand sich seit der Eröffnung der Ladengasse 1978 das Herrenmodegeschäft Gerber. Dessen Betreiber hat altershalber aufgehört.

Noch keine Interessenten für Ladenlokal

Im anderen Lokal war ein Jeansgeschäft einquartiert. «Für dieses zeichnet sich bereits eine ­Lösung ab, beim anderen hingegen gibt es noch keine Interessenten», so Bosshardt. Das überrascht Barbara Zahnd von der Texpress Reinigung, die sich gegenüber dem verwaisten Lokal von Gerber befindet, nicht: «Es dürfte schwierig sein, für diese grosse Fläche einen Nachfolger zu finden.» Nicht zuletzt deshalb, weil in Ebikon aktuell zig Gewerbeflächen zur Vermietung ausgeschrieben sind: allen voran in der Hofmatt, dem anderen Einkaufszentrum im Dorf. Die gesamte obere Etage steht dort leer – Flächen von 78 bis 1400 Quadratmetern. Und auch im Erdgeschoss neben Coop warten nach dem Umzug von Denner in die Mall fast 600 Quadratmeter auf einen neuen Mieter.

«Die Ebikoner sind mit der Hofmatt nie warm geworden», sagt eine Passantin. Warum, wisse sie auch nicht. «Vermutlich hat den meisten die Ladengasse gereicht.» In dieser befindet sich mit der Dropa Drogerie ein Fachgeschäft, das auch in der Mall mit einer Apotheke präsent ist. «Die Filiale Ladengasse präsentiert sich umsatzmässig stabil, und jene in der Mall entwickelt sich erfreulich», sagt Dropa-Sprecher Johnny Schuler. Sie hätten keine Befürchtungen, dass sich die beiden Standorte gegenseitig Kunden wegnehmen, nicht zuletzt auch durch die unterschiedlichen Sortimente. «Die Ladengasse ist eher ein Center für den täglichen Einkauf der Ebikoner, während die Mall ein Ort für den Wocheneinkauf ist und zusätzliche Kunden in einem weiteren Einzugsgebiet anspricht», so Schuler.

Gehen MParc-Kunden nun in die Ladengasse?

Ebenfalls an beiden Orten präsent ist die Migros. Gemäss Insidern soll die Migros Ladengasse seit der Eröffnung der Mall of Switzerland gar mehr Umsatz verzeichnen. Denn: Viele, die früher im MParc Lebensmittel einkauften, sind dem orangen Riesen möglicherweise nicht in die Mall gefolgt und gehen stattdessen in die Ladengasse. Marisa Michlig, Sprecherin der Migros Luzern, sagt dazu: «Wir sind sehr zufrieden, wie es in der Migros Ladengasse läuft.» Auch die neue MMM-Filiale in der Mall of Switzerland habe wie erwartet das Geschäft belebt.

Walti Grüter ist seit 40 Jahren treuer Kunde der Ladengasse, hat einen Stammplatz im Restaurant mit bester Sicht auf die Passage und wird wohl nie zur neuen Konkurrenz wechseln. «Die Ladengasse ist übersichtlich und kompakt», sagt er. Von seinem Bekanntenkreis gehe niemand in die Mall, «die ist uns allen zu gross». Grüters Kollege Hans ­Mathis nickt ihm zu und behauptet mit einem Schmunzeln: «Und in der Ladengasse sind die Frauen schöner.»


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