Emmer befürchten mehr Fluglärm

LUFTFAHRT ⋅ Weil die Rega das Luzerner Kantonsspital neuerdings auch bei schlechter Sicht anfliegen kann, droht Anwohnern in Emmen mehr Fluglärm. Der Schutzverband ist gar nicht erfreut.
11. Januar 2018, 00:00

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Sie bezeichnete es als Durchbruch, um ihre Vision «Retten bei jedem Wetter» zu realisieren: Seit kurzem darf die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) den Militärflugplatz Emmen dank einer Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) rund um die Uhr anfliegen. Bis anhin war dies nur zu Betriebszeiten des Militärflugplatzes möglich, konkret werktags von 8 bis 17 Uhr (Ausgabe vom 23. Dezember).

Das bedeutet, dass die Piloten bei schlechten Sichtbedingungen – wie etwa bei Nebel – die Infrastruktur des Flugplatzes Emmen für einen Anflug im sogenannten Instrumentenflugverfahren (IFR) nutzen können – um den Patienten dann im Sichtflug weiter ins Luzerner Kantonsspital (Luks) fliegen zu können. Die Rettungshelikopter landen somit nicht in Emmen.

Trotzdem könnte dies möglicherweise für zusätzlichen Fluglärm sorgen – zum Leidwesen der Anwohner in Emmen und in der Umgebung des Luks. Der «Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen», der sich dort für weniger Lärmimmissionen einsetzt, will deshalb die neue Situation intern besprechen. Für Präsident Luzius Hafen ist schon jetzt eines klar: «Die ­Gesamtbelastung darf nicht grösser werden.»

Schon zuvor konnte die Rega zwar Tag und Nacht auf dem Dach des Luks landen, jetzt kann sie dies aber bei fast jedem Wetter. Muss zum Beispiel ein verletzter Wintersportler bei Hochnebel aus den Bergen ins Spital geflogen werden, kann der Helikopter dank IFR-Anflug die winterliche Nebeldecke durchstossen und ihn unterhalb der Nebeldecke im Sichtflug ins nahe gelegene Spital fliegen.

Frühgeburten aus dem Tessin

«Da sich unsere Rettungseinsätze an keine Tageszeit respektive Bürozeiten halten, ist diese ­Bewilligung für die Rega essenziell», sagt Ariane Lendenmann, Mediensprecherin der Rega. Nebst akut schwerverletzten Personen versorgt das Luks auch komplexe Fälle wie Frühgeburten, die zum Beispiel häufig vom Tessin ins Luks verlegt werden müssen, sagte Luks-Direktor Benno Fuchs gegenüber unserer Zeitung. Im Schnitt wird das Luks ­jedes Jahr rund 350- bis 450-mal von der Rega angeflogen. Anflüge von anderen Luftrettungs­organisationen sind da nicht mitgerechnet. Wie viele zusätzliche Rega-Flüge es dank der Ausnahmebewilligung des Bazl geben wird, lässt sich nicht voraus­sagen, da die Einsatzzahlen der Rettungshelikopter natürlichen Schwankungen unterliegen.

Laut Mediensprecherin Lendenmann widerspiegeln sie grundsätzlich die Wetterbedingungen und das Freizeitverhalten der Menschen in der Schweiz. Entsprechend schwanke auch die Anzahl Patienten, welche mit einem Rega-Helikopter ins Luzerner Kantonsspital geflogen werden müssen. Folgende Zahl gibt dennoch Aufschluss: Die Rega geht davon aus, dass dank der neuen Regelung schweizweit und pro Jahr rund 300 Patienten mehr die «dringend benötigte medizinische Hilfe aus der Luft erhalten können».

Inselspital ist dem Luks voraus

Das einzige Spital, das zurzeit ­direkt per Instrumentenflug angeflogen werden kann, ist das Berner Inselspital. Die Rega arbeitet daran, dass in naher ­Zukunft auch das Luks dazuzählen wird. Dies würde den Transport – ohne den Umweg über ­Emmen bei schlechter Sicht – nochmals vereinfachen.


Anzeige: