Endspurt im Ringen um Anschluss

BAHNAUSBAU ⋅ Fast 5,5 Milliarden Franken kosten der Durchgangsbahnhof Luzern und der Zimmerberg- Basistunnel II. Die Zentralschweizer Ständeräte lancieren nun gemeinsam die Debatte um günstigere Varianten.
16. Juni 2017, 00:00

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Hat die Zentralschweiz doch noch einen Trumpf im Ärmel? Die Planung für den nächsten Ausbauschritt 2030/35 im Bahnverkehr nimmt konkrete Formen an. Nun läuft die heisse Phase, denn im Herbst will der Bundesrat die Vernehmlassung starten. Wer berücksichtigt werden will, muss also jetzt dafür sorgen, dass sein Projekt in den Ausbauschritt aufgenommen wird. Für den Durchgangsbahnhof Luzern sieht es nicht gut aus. Das 3,35 Milliarden Franken teure Projekt ist in den Plänen des Bundes lediglich als Option aufgeführt. Wahrscheinlicher ist der Bau des 2,1 Milliarden teuren Zimmerberg-Basistunnels II (siehe Karte).

Für den Luzerner Ständerat Damian Müller (FDP) ist dies nicht tragbar. Er hat gestern in Bern eine Interpellation eingereicht, die von sämtlichen Zentralschweizer Ständeräten mitunterzeichnet wurde. Darin heisst es, dass Luzern und die Zentralschweiz in den Überlegungen des Bundesamts für Verkehr (BAV) «praktisch keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen». Aufgrund der hohen Kosten von total 5,45 Milliarden Franken sei klar, dass die Projekte Zimmerberg-Basistunnel II und Durchgangsbahnhof Luzern nicht gemeinsam im nächsten Ausbauschritt realisiert werden. «Damit aber wird die Zentralschweiz klar benachteiligt.»

Wie kann es der Durchgangsbahnhof doch noch in den Ausbauschritt schaffen? Möglicherweise könnten günstigere Varianten realisiert werden, finden die Ständeräte. Konkret fragen sie, ob das BAV ein Szenario mit einem unterirdischen Kopfbahnhof in Luzern und dem Ausbau der Stammstrecke zwischen Baar und Horgen auf Doppelspur (Zimmerberg light) geprüft habe. Falls nicht, ob es bereit sei, dies nachzuholen. Laut Müller ist bei dieser Variante mit Kosten von 2,7 Milliarden Franken zu rechnen. Die Antworten des Bundesrats werden bis September erwartet.

Ziel: Durchgangsbahnhof in einer Etappe bauen

Auf Anfrage sagt Damian Müller: «Mit der Interpellation wollen wir den Bund zu Transparenz zwingen.» Ziel sei es, die Weichen zu stellen, damit der Bahnhof Luzern im nächsten Ausbauschritt mit einem Durchgangsbahnhof ergänzt werden könne. Anders sieht es beim Ausbau zwischen Baar und Thalwil aus. Hier kann sich Müller durchaus vorstellen, eine günstigere Variante zu realisieren. Das Projekt Zimmerberg light kostet laut Schätzungen des gleichnamigen Komitees rund 1 Milliarde Franken. Inklusive Ausbau des Bahnhofs Thalwil. Müller sagt: «Es gibt Indizien, dass es sinnvoller ist, in einer ersten Etappe Zimmerberg light und erst in einer zweiten Etappe den Basistunnel zu realisieren.» Das vernehme er auch aus Bahnkreisen – und längerfristig brauche es sowieso beide Tunnelprojekte.

Vorteil bei Zimmerberg light sei neben den Kosten, dass der Bau schneller realisiert sei als beim Basistunnel, er sei auch etappierbar. Zudem können die Züge weiterhin in Thalwil halten. Nachteil ist, dass der Fahrzeitgewinn nur 1 bis 2 Minuten beträgt (mit dem Basistunnel bis 6 Minuten) und der Bahnhof Thalwil ausgebaut werden muss. Dieser Ausbau ist in der Kostenschätzung des Komitees enthalten.

Kantone unterstützen den Basistunnel

Dass die Ständeräte die Variante Zimmerberg light aufs Tapet bringen, ist interessant. Denn die Zentralschweizer Kantone und Zürich stellen sich geschlossen hinter den Bau des Basistunnels. Insbesondere die Zuger Regierung hat sich bisher dagegen gewehrt, in Bern für die günstigere Variante Zimmerberg light weibeln zu müssen. Der Luzerner Regierungsrat Robert Küng (FDP) sagt auf Anfrage: «Die Variante Zimmerberg light bringt nicht den gewünschten Nutzen. Das beste Angebot auf der Achse Luzern–Zürich lässt sich nur mit dem Paket Zimmerberg-Basistunnel II und Durchgangsbahnhof realisieren.»

Der Zuger Regierungsrat Matthias Michel (FDP) ergänzt, der Bund prüfe nochmals beide Ausbauvarianten am Zimmerberg. Der Basistunnel weise gemäss heutigem Wissensstand im Gesamtkonzept ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis auf. «Es wäre gefährlich, ein Gesamtkonzept mit schlechtem Kosten-Nutzen-Verhältnis zu unterstützen. Dieses hätte keine Chance zur Umsetzung.» Michel erwartet, dass die Resultate zu den Varianten Basistunnel II und Zimmerberg light im Herbst vorliegen.

Der frühere Zuger Kantonsrat der Alternative-die Grünen, Martin Stuber, setzt sich seit Jahren für den Zimmerberg light ein. Er ist Co-Präsident des gleichnamigen Komitees und Vizepräsident von Pro Bahn Zentralschweiz. «Die Zentralschweiz muss jetzt handeln, wenn sie wenigstens die erste Etappe des Durchgangsbahnhofs Luzern – den Tiefbahnhof – mit dem nächsten Ausbau realisieren will», sagt Stuber. Sei das Projekt im Vernehmlassungsentwurf des Bundesrats nicht als Variante aufgeführt, sei der Zug abgefahren. Für die Interessen der Zentralschweiz reiche der Zimmerberg light, ist Stuber überzeugt: «Der Basistunnel nützt vor allem den Zürchern, weil sie die Gleise in Thalwil für ihre S-Bahn freiräumen wollen.»


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