FDP und Linke machen gemeinsame Sache

HORWER DORFKERN ⋅ Nachdem sie den Bebauungsplan für das Gebiet um die katholische Pfarrkirche zu Fall gebracht haben, machen L20 und FDP nun Vorschläge für die Überarbeitung der Vorlage. Die Stossrichtung: Das Neue soll das Alte «nicht erschlagen».
11. Oktober 2017, 00:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Rund vier Monate nach der Rückweisung im Horwer Einwohnerrat geht wieder etwas in Sachen Bebauungsplan Dorfkern Ost. FDP und L20 haben gemeinsame Ideen und Forderungen erarbeitet und diese kürzlich dem Gemeinderat vorgestellt, wie unsere Zeitung erfahren hat. Es handelt sich dabei um jene zwei Parteien, welche die erste Version des Bebauungsplans am 1. Juni versenkt haben.

Mit dem Bebauungsplan wollte der Gemeinderat ermöglichen, dass einige Gebäude abgerissen und grössere Neubauten realisiert werden können. Betroffen wäre das Gebiet rund um die katholische Pfarrkirche sowie die Kantonsstrasse, den Kirch- und Schönbühlweg. Der Einwohnerrat entschied jedoch, nicht auf die Vorlage einzutreten – mit nur einer Stimme Unterschied. Daraufhin bemängelte Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP), dass ein klarer Auftrag durch das Parlament fehle, da Vertreter von L20 und FDP während der Sitzung teils unterschiedliche Forderungen aufs Tapet gebracht hatten (wir berichteten).

«Die vorgesehenen Grundrisse sind zu gross»

Nun haben sie aber einen gemeinsamen Nenner gefunden. «Die im Bebauungsplan vorgesehenen Grundrisse sind uns zu gross, die Umgebung würde so erschlagen», sagt FDP-Fraktionschef Jürg Biese. «Die möglichen Gebäudevolumen sollen darum rund 20 Prozent reduziert werden. So wird das Ortsbild besser geschützt.» Die beiden Parteien fordern auch, dass keine Flachdächer im Dorfkern gebaut werden dürfen und dass sich die Fassaden materialmässig an den bestehenden Gebäuden orientieren sollen. Sie müssen also viel Holz enthalten. Ausserdem soll der vorgesehene Neubau beim Pfarrhaus ganz gestrichen oder das bestehende Gebäude bei gleicher Höhe mit lediglich doppelt so grossem Grundriss und ohne Wohnnutzung realisiert werden. Der Neubau würde die Sicht auf die Kirche zu stark einschränken, kritisieren die Parteien.

Weiter sollen bei der Einfahrt der Neumattstrasse, wo heute ein Holz-Spycher steht, zwei kleinere statt ein grosses Gebäude realisiert werden. «Zudem könnte man dort die Strasse verschmälern, wodurch mehr Grünflächen entstehen würden. Auch ein kleiner Park wäre denkbar», sagt ­Biese. Statt mehreren soll nur eine grössere Tiefgarage im Bereich Schönbühlweg entstehen, damit der Verkehr kanalisiert wird. Zudem lehnen die beiden Parteien die Umgestaltung des Platzes vor der Kirche hin zur Zumhofstrasse ab. «Die dortigen Parkplätze sind insbesondere für ältere Leute sehr nützlich.»

Der Gemeinderat rechnete ursprünglich damit, dass der Bebauungsplan im Dorfkern rund 15 zusätzliche Wohnungen ermöglicht. Wie stark diese Zahl durch die von L20 und FDP geforderten Massnahmen schrumpfen würde, ist nicht klar.

Raiffeisen-Gebäude wird nicht tangiert

Fallen gelassen wird die während der Parlamentsdebatte von L20-Vertretern geäusserte Forderung nach einer Ausweitung der Zone auf das Raiffeisen-Gebäude, um dort einen kleinen Park zu realisieren. «Dies würde den Rahmen sprengen, zudem verfügt die Raiffeisenbank über ein unbefristetes Nutzungsrecht», sagt Biese. Eine andere L20-Idee, die Lancierung eines Gestaltungswettbewerbs, könnte allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt nochmals aufs Tapet kommen.

Die FDP dagegen plädierte während der Ratsdebatte dafür, die Bebauungsplanpflicht für den Dorfkern Ost aufzuheben. An dieser Idee hält sie fest: «Wir haben dies dem Gemeinderat so vorgeschlagen», sagt Biese. «Die erwähnten Vorgaben sollen dann in der Definition des Gebiets als Kernzone festgehalten werden.» Damit würde man den Grundeigentümern entgegenkommen, da die Erarbeitung eines Bebauungsplans eine Hürde für Neubauten darstellt. «Dies zeigt etwa das Beispiel Winkel, wo der Bebauungsplan vom Volk abgelehnt worden ist.» Derzeit sind im Winkel wie auch im Dorfkern keine Neubauprojekte möglich.

Muss das Geschäft neu aufgegleist werden?

Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP) sagt zu den Forderungen von L20 und FDP: «Es sind substanzielle Änderungen, die im Raum stehen. Wir müssen nun prüfen, ob und wie wir diese umsetzen können.» Als Nächstes will er die Forderungen mit dem Planungsbüro Metron und Fachleuten des Baudepartements analysieren. Auch wird er nochmals das Gespräch mit den Grundeigentümern aufnehmen.

Wie lange es dauert, bis der Bebauungsplan wieder vors Parlament kommt, ist offen. «Das hängt auch davon ab, ob wir die Änderungswünsche in den bestehenden Bebauungsplan einflechten können, oder ob wir ­aufgrund der veränderten Zielsetzung eine neue Planung erarbeiten müssen», sagt Zemp.

Ohnehin ist die Ausgangslage für ihn schwierig. Weil der Nichteintretensentscheid im Einwohnerrat hauchdünn war, besteht das Risiko, dass eine neue Version bei den damaligen Befürwortern auf Ablehnung stösst.

Horwer Bauvorsteher (CVP)


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