Gratis-Handy für Gäste: Die Konkurrenz ist skeptisch

HOTEL SCHWEIZERHOF ⋅ Das Luzerner Fünfsternehaus leiht seinen Gästen neuerdings Smartphones aus. Andere Hotels sehen dafür keinen Grund. Dafür wollen sie etwa die Privat-Handys der Hotelbesucher mit Werbung beliefern.
11. April 2018, 00:00

Die Roaminggebühren entfallen, der Stadtplan ist online abrufbar, und für Ausflugstipps müssen die Gäste kein Tourismusbüro mehr besuchen. Denn sie erhalten die Empfehlungen direkt auf ihr Smartphone. Davon profitieren seit vergangenem Freitag alle Gäste des Hotels Schweizerhof in Luzern, wie «20 Minuten» am Dienstag berichtete.

«Wir stellen unseren Gästen die Smartphones während des Aufenthalts in unserem Hotel zur Verfügung, um ihnen einen Mehrwert zu bieten. Wir reagieren somit darauf, dass sich viele ausländische Gäste vor hohen Roaminggebühren fürchten», erklärt Roman Omlin, Leiter Verkauf und Marketing im Hotel Schweizerhof.

Dank Werbung sollen die Kosten tief bleiben

Seit vergangenen Freitag sind alle 101 Zimmer mit einem Smartphone ausgestattet. Für die Nutzung durch die Kunden bezahlt das 5-Sterne-Hotel eine jährliche Gebühr. Die Kosten seien jedoch gut kalkulierbar, wie Omlin sagt: «Die Anschaffung der Geräte ist in der Jahresgebühr inbegriffen. Und auch die Ausgaben für die jährlichen Nutzungsgebühren sollen in Zukunft dank Werbeschaltungen tiefgehalten werden.» So erhalten die «Schweizerhof»-Gäste beispielsweise Ausflugs- oder Shoppingtipps von umliegenden Geschäften, womit das Hotel wiederum zusätzliche Einnahmen generieren kann.

Sollte ein Smartphone-Gerät bei der Nutzung durch einen Gast kaputtgehen, wird laut Omlin situativ entschieden, ob ein Betrag verrechnet wird oder nicht. Klar ist hingegen, dass der Gast bei einem Verlust des Smartphones den Geldbeutel selbst in die Hand nehmen und den Schaden ersetzen muss.

Markus Conzelmann , Leiter des Hotels Radisson Blu, wird seinen Gästen auch in Zukunft kein Smartphone anbieten: «Es ist eine sehr innovative Idee, hinter der ein guter Marketinggedanke steht. Doch es gibt viele Gründe, die aus unserer Sicht gegen eine Einführung sprechen.» Besonders die Europäer und immer mehr Chinesen und Inder hätten auf ihren Smartphones eine Flatrate, welche ihnen auch im Ausland kostenloses Telefonieren ermögliche. «Zudem können die Touristen dank der elektronischen Gästekarte in der ganzen Stadt das flächendeckende Internet nutzen. Das machen sie am liebsten mit dem eigenen Smartphone, auf dem man seine persönlichen Kontakte, Fotos und Apps nach wie vor zur Verfügung hat», so Markus Conzelmann.

Auch die Konkurrenz macht sich Gedanken

Im Hotel des Balances in der Luzerner Altstadt hat man sich den Einsatz von Smartphones ebenfalls bereits überlegt: «Mit der Digitalisierung sind viele neue Möglichkeiten auf den Markt gekommen. Wir möchten jedoch nicht voreilig etwas einführen, sondern uns weiter intensiv Gedanken dazu machen, damit wir ein System finden, das sowohl für unsere Gäste als auch für uns stimmt», erklärt Peter E. Büsser, Geschäftsführer des Hotels des Balances. Ziel sei es, dass die Gäste ihr eigenes Smartphone nutzen können und dennoch von den gleichen Vorteilen profitieren können, wie es derzeit mit einem Smartphone im Hotel Schweizerhof möglich ist.

Gemäss Roman Omlin vom Hotel Schweizerhof ist es im asiatischen Raum bereits weit verbreitet, den Gästen Smartphones für die Dauer ihres Aufenthaltes zur Verfügung zu stellen. Mit der Einführung in der Zentralschweiz betritt das Hotel jedoch Neuland.

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch


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