Hier sollen Türme zum Himmel wachsen

HOCHHÄUSER ⋅ Der Verband Luzern Plus definiert, welche Standorte in der Region Luzern für Hochhäuser geeignet sind. Dabei zeigt sich: Richtig hoch hinaus geht es in Luzern auch in Zukunft nicht.
08. November 2017, 00:00

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Wussten Sie, wie viele Hochhäuser es in der Region Luzern gibt? Es sind rund 60. Das ist im «Regionalen Hochhaus-Konzept» des Gemeindeverbands Luzern Plus ersichtlich. Als Hochhäuser gelten sämtliche Gebäude ab 30 Meter Höhe. Das Hochhaus-Konzept stammt ursprünglich aus dem Jahr 2008, wurde aber in den letzten Monaten gründlich überarbeitet. Es zeigt nicht nur, wo heute bereits Hochhäuser stehen, sondern vor allem, wo neue gebaut werden könnten. Das Konzept listet sämtliche Areale in der Region Luzern auf, die zurzeit als Hochhaus-Standorte im Gespräch sind (siehe Grafik). Je nach Stand der Planung handelt es sich dabei um erste Ideen in raumplanerischen Entwicklungskonzepten (etwa das Zentrum Ebikon), oder bereits um baureife Projekte (etwa das Nidfeld in Kriens).

Das Hochhaus-Konzept von Luzern Plus soll den Gemeinden als Richtschnur für die Ausarbeitung von konkreten Bauprojekten dienen. Das Konzept ist daher nicht bloss eine Zusammen­fassung aller potenziellen Standorte, sondern befasst sich intensiv mit den Kriterien für den Hochhaus-Bau. Dabei geht es auch um die zentrale Frage, welche Höhe wo am meisten Sinn macht.

Ab 60 Meter wird es richtig lukrativ

Interessant sind insbesondere die Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit eines Hochhauses. «Kleinere» Hochhäuser zwischen 30 und 45 Metern sind für den Bauherren nicht sonderlich interessant, da die Baukosten mit jedem Meter stärker ansteigen als der Ertrag. Ab 45 Meter kehrt dieses Verhältnis, und ab 60 Meter wird es dann richtig lukrativ. Diese Erkenntnis ist insofern bemerkenswert, weil die meisten Raumplanungskonzepte in der Region Luzern mit Hochhäusern von weniger als 45 Metern Höhe planen. Deutlich über 60 Meter hohe Gebäude gibt es – mit Ausnahme von einigen Kirchen – bisher einzig beim Kantonsspital (67 Meter) und auf der Luzerner Allmend (77 und 88 Meter). Daran wird sich in Zukunft wenig ändern. Gemäss aktuellem Stand der Planung gibt es lediglich einen weiteren Standort in dieser Liga: Neben der geplanten Saalsporthalle im Krienser Mattenhof soll ein 80-Meter-Hochhaus gebaut werden. In der Kategorie «bis 60 Meter» hingegen könnten in den nächsten Jahren zahlreiche Türme gen Himmel wachsen. So etwa in der Stadt Luzern am Pilatus- und Bundesplatz sowie am Steghof. Bereits im Bau befindet sich das 60-Meter-Haus im Krienser Nidfeld, auf dem ehemaligen Areal des Pilatusmarkts. Auch am Seetalplatz in Emmen könnten gemäss Bebauungsplan etwa 40 Meter hohe Gebäude erstellt werden. Höher hinauf wird es dort kaum gehen – wegen der Einflugschneise zum Flugplatz sind höhere Hochhäuser nicht möglich. «Die Wirtschaftlichkeit ist nur ein Kriterium bei der Definition der Hochhaus-Höhe», sagt Pius Zängerle, Präsident von Luzern Plus. Die Höhe sei letztlich immer ein Kompromiss zwischen unterschiedlichen Interessen von Investoren, Planern, Gemeinden und Anwohnern. «Wichtig ist, dass Gesellschaft und Politik die Diskussion darüber auch führen», sagt Zängerle.

Zahl der Hochhaus- Gegner nimmt ab

Das Hochhaus-Konzept von Luzern Plus geht nun in die öffent­liche Mitwirkung und soll im nächsten Frühling von den Luzern-Plus-Delegierten definitiv verabschiedet werden. Im Rahmen des Konzepts hat Luzern Plus übrigens auch die Akzeptanz von Hochhäusern unter die Lupe genommen. Umfragen hätten ergeben, dass es heute kaum noch hartgesottene Hochhausgegner gebe. Die grosse Mehrheit sehe in den Hochhäusern ein sinnvolles Mittel, den Bodenverbrauch zu begrenzen. Als Pluspunkt hervorgehoben wird die privilegierte Aussicht auf See und Berge, die man in einem Hochhaus geniesst. Als problematisch wird hingegen der Schattenwurf beurteilt.

Hinweis

Detaillierte Informationen gibt es auf www.luzernplus.ch. Nächsten Montag findet um 18.30 Uhr in der Universität Luzern ein öffentlicher Informationsanlass statt.


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