Im Museum lebt das alte Stadion wieder auf

KRIENS ⋅ Das Museum im Bellpark wirft mit der Ausstellung «Friedhof der Favoriten» einen Blick in die Geschichte des SC Kriens und seines Kleinfelds. Es bietet auch intime Einblicke in die heutige Fussballwelt.
20. Mai 2017, 00:00

Der SC Kriens gehört zu Kriens wie die Pilatus-Seilbahn oder der Sonnenberg. Dass der Fussballclub jetzt ein neues Stadion erhält – anstelle des 1969 erbauten, altehrwürdigen Kleinfelds, das abgerissen wurde –, nimmt das Bellpark-Museum zum Anlass, in einer Ausstellung wichtige Stationen und Highlights aus der Geschichte des Clubs Revue passieren zu lassen. Eines Clubs, der stets etwas im Schatten des grossen FCL stand, diesen zeitweise aber auch magistral überflügelte.

Die Ausstellung breitet sich im Foyer und in zwei Räumen im zweiten Stock aus. Zahlreiche Mannschaftsfotos früherer Jahre sind zu sehen, darunter ein vergrössertes Bild der Gründungsmannschaft von 1944. Manch ein Betrachter wird darauf schmunzelnd den Wandel der Frisuren und der Trikots (vor allem der Länge der Hosen) bestaunen. Für eingefleischte Fans gibt’s auch Kleinfeld-Memorabilien zu bestaunen: eine Sitzschale und ein Stück Mauer des alten Stadions.

SC Kriens weit vor dem FCL und dem FC Basel

Auch Dokumente sind zu sehen, etwa die Pläne für den Ausbau des Sportplatzes Kriens 1957, für den die Krienser Stimmbürger 22000 Franken bewilligten. Auf Bildschirmen werden Videos mit SCK-Koryphäen gezeigt. Allen voran natürlich Paul Wolfisberg, ehemaliger FCL-Meisterspieler, SCK-Coach von 1975 bis 1978 und späterer Schweizer Nationaltrainer. Aber auch Radio- und Fernsehmoderator Beni Thurnheer schwelgt in Erinnerungen ans alte, schmucke Kleinfeld.

Und dann sind da die Zeitungsausschnitte, die das Herz jedes SCK-Fans höherschlagen lassen. Etwa eine LNN-Sportseite mit der Rangliste der National liga A von 1997. Da steht der kleine SCK an dritter (!) Stelle, weit vor dem FCL und dem FC Basel. Ein weiterer Artikel feiert in Wort und Bild einen der legendären Siege über den FCL mit 3:2 im Jahr 1977 – das Siegestor fiel 180 Sekunden vor Schluss. Der SCK als Riesentöter, als Aussenseiter, der scheinbar übermächtige Gegner zu Fall bringt. Das Kleinfeld als «Friedhof der Favoriten», wie es der Autor eines Artikels im «Tagesanzeiger»-Magazin einst formulierte. Dies ist denn auch der Titel der jetzigen Ausstellung.

Zweimal stieg der SCK in die Super League auf: 1993 unter Trainer Fide Fässler und 1997 unter Jochen Dries. Beide Male folgte nach anfänglicher Höhenfahrt aber der sofortige Abstieg. Auch das ist ein Teil der SCK-Geschichte. Eine besondere Augenweide ist eine Fotoserie des Sportreporters und früheren SCK-Spielers Roger Keller. Sie zeigt, was Normalsterblichen sonst verwehrt ist, intime Einblicke in die Kabine der 1. Mannschaft: Spieler beim Binden der Schuhe, beim Montieren der Stollen, bei der verschwörerischen Einstimmung für den Match.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Museum im Bellpark: Stadion Kleinfeld, «Friedhof der Favoriten». Mi–Sa 14–17 Uhr, So 11–17 Uhr. Sa, 3. Juni, 17 Uhr: Podiumsgespräch Paul Wolfisberg und Kudi Müller.


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