Käsereien kämpfen um Nachwuchs

MILCHTECHNOLOGE ⋅ Rund 30 Lehrstellen konnten in der Zentralschweiz nicht besetzt werden. Die Branche will darum Junge mit einem Infotag für den Beruf begeistern. Doch sie hat auch mit anderen Problemen zu kämpfen.
30. November 2017, 00:00

Seit mehr als 30 Jahren führt Fritz Schnyder mit seinem Team die Chäs-Hütte in Meierskappel. In dieser Zeit hat er «sicher schon zwanzig» Lehrlinge ausgebildet. Nichtsdestotrotz ist deren Zahl in der Zentralschweiz rückläufig. Um den Beruf des Milchtechnologen bei den Jungen beliebter und bekannter zu machen, führte der Schweizerische Milchwirtschaftliche Verein (SMV) gestern zum zweiten Mal einen Infotag durch. Dabei gab die Chäs-Hütte gemeinsam mit 15 weiteren Käsereien in der Zentralschweiz interessierten Schülern einen Einblick in den Alltag des Milchtechnologen.

In Meierskappel haben sich sieben Jugendliche für den Infotag angemeldet – tatsächlich gekommen sind dann lediglich zwei. «Das illustriert wohl in bester Art und Weise den Nachwuchsmangel», meint Schnyder. Gemeinsam mit zwei ausgebildeten Milchtechnologen produzierten die beiden Sekschülerinnen frischen Sauerrahm und halfen fleissig beim Abfüllen und Etikettieren mit. Marina Wicki aus dem Nachbardorf Udligenswil kann sich gut vorstellen, eine Lehre als Milchtechnologin zu machen: «Ich möchte etwas Handwerk­liches machen. Auch Bäckerin würde mir gefallen.»

«Jugendliche haben eine veraltete Vorstellung»

In der Zentralschweiz bieten knapp 60 Käsereien Lehrstellen an. Mehr als die Hälfte der Betriebe befindet sich im Kanton Luzern. Derzeit absolvieren 68 Lernende – davon 19 Frauen – eine Ausbildung zum Milchtechnologen oder zur Milchtechnologin. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine leichte Zunahme. «Dank unserem Infotag konnten wir in diesem Jahr wieder etwas mehr Lehrstellen besetzen. Dennoch sind auch diesen Sommer rund 30 Ausbildungsplätze un­besetzt geblieben», sagt Pius Oggier vom Zentralschweizer Käsermeisterverband.

Der Beruf des Milchtechnologen, ehemals Käser, sei vielerorts mit einem negativen Ruf behaftet – etwa, dass man nur schwere Milchkannen rumtragen müsse. Dies entspreche aber nicht der tatsächlichen Ausbildung, so Oggier: «Die Jugendlichen haben eine veraltete Vorstellung vom Beruf – oftmals wird diese von den Eltern weitergegeben. Entsprechend schwierig ist es, die Lehrstellen zu besetzen.» Fritz Schnyder stellt einen Rückgang an Bewerbungen fest: «Die Zahl der Interessenten hat abgenommen. Wenn wir eine Lehrstelle besetzen möchten, können wir nicht aus zehn Bewerbungen auswählen, wie dies in anderen Berufen der Fall ist.»

Seit 2004 hat er zudem seine Produktionsausrichtung geändert. Mit gutem Grund: «Emmi ist der grösste Abnehmer des Emmentaler Käse – den haben wir bis 2004 auch bei uns produziert. Doch mit der Auflösung der Käseunion sind auch die Subventionen weggefallen – daher entschieden wir uns für eine Neuausrichtung.» Mit der Käseunion unterstützte der Bund bis 1999 die drei heimischen Hartkäse­sorten Greyerzer, Emmentaler und Sbrinz. Seither sind die Produzenten dem freien Markt und somit auch dem Preisdruck ausgesetzt. Der Käsereirückgang ist landesweit zu beobachten. Gesamthaft gibt es in der Schweiz noch knapp 500 gewerbliche Käsereien und rund 90 Molkereien – 1999 waren es noch rund 1650.

Seit der Umstellung setzt das 14-köpfige Team in Meierskappel auf Frischprodukte: Joghurt, Molke, Butter, Quark, Rahm und Fondue. «Um als Käserei erfolgreich zu sein, muss man sich auf eine Nische konzentrieren», so Schnyder. Daher bietet der innovative Milchtechnologe seit längerem Produkte aus Büffelmilch an. Denn auch daraus lässt sich bekanntlich Mozzarella, Weichkäse oder schmackhaftes Joghurt herstellen. Dabei legt der erfahrene Unternehmer Wert auf Regionalität: «Unsere Milch beziehen wir von den Bauernhöfen aus der direkten Umgebung. Auch die Büffelmilch stammt vom Hof nebenan.»

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch


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