Luzern lässt sich Prävention etwas kosten

Treibhaus Um einen zweiten Fall «Boa» zu vermeiden, wird das Verhältnis mit den Nachbarn rund um das Jugendzentrum gepflegt. Als weitere Massnahme stockt die Stadt das Budget für den Lärmschutz auf.
13. November 2017, 00:00

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Die Beziehung zwischen Anwohnern und dem städtischen Jugendkulturhaus Treibhaus im Tribschenquartier soll weiterhin reibungslos verlaufen. Darum investiert die Stadt Luzern zusätzliche 25 000 Franken in Massnahmen für die Sicherheit und die Reduktion von Lärmemissionen, wie aus dem Voranschlag 2018 zu entnehmen ist.

Der Entscheid sei nicht etwa gefallen, weil es zu Reklamationen gekommen wäre, sondern aus präventiven Gründen. Ar­mida Raffeiner, Stabchefin der städtischen Sozialdirektion, erklärt: «Die Anlässe im Treibhaus werden immer mehr besucht. Das ist primär eine positive Entwicklung. Damit das punkto Lärmemissionen auch weiterhin ruhig verläuft, wird mit mehr Personal im Eingangsbereich und Aussenbereich für Ruhe und Ordnung gesorgt.»

Eine durchaus sinnvolle Massnahme, wie Raffeiner meint. Sollte es dennoch zu Eskalationen kommen, gebe es eine städtische Schlichtungsstelle. «Hier wird dann am runden Tisch verhandelt und gemeinsam eine Lösung gesucht.» Das sei aber höchst selten nötig. In den letzten zwei Jahren sei dies erst einmal der Fall gewesen. Zusätzlich zur Aufstockung des Sicherheitspersonals seien keine weiteren Massnahmen geplant, auch nicht bauliche.

Treibhaus lädt Nachbarn zum Essen ein

Mehr Sicherheitspersonal benötige das Treibhaus vor allem an speziellen Anlässen, sagt Corinne Imbach, Leiterin des Jugendzentrums: «Bei Ü16-Partys haben wir oft einen Grossandrang, deshalb stocken wir an solchen Abenden das Sicherheitspersonal bis auf sechs Personen auf.» Imbach ist zufrieden darüber, dass es bisher zu keinen nennenswerten Klagen gekommen ist. «Wir befinden uns inmitten der Nachbarschaft. Uns ist es deshalb wichtig, ein gutes Verhältnis untereinander zu haben.» Das Treibhaus soll auch «immer mehr zum Quartier-Treffpunkt werden». Damit das gegenseitige Verständnis gewahrt bleibt, werde alljährlich ein Nachtessen für die Nachbarschaft organisiert. Dies werde von beiden Seiten sehr geschätzt.

Rückblick: Im Herbst 2014 entstanden in nächster Umgebung des Treibhauses, des Spielleute-Pavillons und des Sportplatzes des FC Kickers vier Häuser mit 83 Eigentumswohnungen. Im Vorfeld machte sich Opposition breit. Denn das Desaster um das Kulturzentrum Boa wollte die Stadt auf keinen Fall wiederholen. Die «Boa» musste im Oktober 2007 schliessen. Dies auch deshalb, weil kein richtiger Dialog zwischen den Anwohnern und den Betreibern stattgefunden hatte. Mit dem Jugendkulturhaus Treibhaus sollte dies nicht geschehen.

Die Stadt plante darum flankierende Massnahmen. So wurden die Mieter bereits im Vorfeld auf mögliche Lärmemissionen hingewiesen. Dazu wurde eine Dienstbarkeitsvereinbarung zwischen Immobilienbesitzer, Stadt und den Kulturbetreibern ausgearbeitet und ein Konsens gesucht. In dieser Klausel steht, dass es zu Lärmemissionen durch die Kulturbetriebe kommen kann und diese geduldet werden müssen. Der damalige Baudirektor Kurt Bieder (FDP) sagte gegenüber unserer Zeitung: «Diese Duldungspflicht wird im Grundbuch eingetragen und ist unumstösslich.» Rückblickend war dies eine weise Vor­gabe – auch mit Blick auf die geplanten Überbauungen an der Industriestrasse, wo eine ähnliche Vereinbarung vorgesehen ist (Ausgabe vom 2. August).


Leserkommentare

Anzeige: