Luzerner exportieren Schweizer Folklore nach China

AUSTAUSCH ⋅ Ein junges Ehepaar aus Malters reist durch China und stellt Schweizer Tradi­tionen vor. Die Reaktionen: Begeisterung – oder andächtiges Schweigen.
13. Mai 2017, 00:00

China lässt sie nicht mehr los. Bis im Juni reisen Sonja Rösli (42) und ihr Mann Tobias Schmidt (30) aus Malters noch durch das Land – es ist bereits ihre fünfte Chinareise. Ihr Ziel ist dabei stets, Schweizer Folklore den Einheimischen näherzubringen (Ausgabe vom 9. Mai 2016).

Diesmal machen die beiden unter anderem Halt in Hongkong, Quyuan, Yongzhou in der Provinz Hunan und Yangshiuo bei Guilin. Sie besuchen Schulen und Vereine, aber auch Privatpersonen und Geschäfte. Dabei lösen sie ganz unterschiedliche Reaktionen aus. «Die Hongkong-Chinesen sind an den Anblick von Ausländern gewöhnt und damit nicht ganz so offensichtlich neugierig und überrascht wie die Bewohner der Kleinstadt Quyuan», sagt Rösli. Dort leben rund 600000 Einwohner – für chinesische Verhältnisse ein Provinznest.

«Die Reaktionen sind aber ansonsten weitestgehend gleich und reichen von Verwunderung beim Gebrauch von Besen und Löffel als Begleitinstrumente über andächtiges Schweigen bei Talerbecken und ‹Juz› hin zu offenkundigem Staunen und Begeisterung für Fahnenschwingen, Geislechlöpfen und Jodel.»

Auch Graffiti oder Breakdance sind gefragt

Organisiert wurde die Reise vom Verein «East meets West – Brugge baue», den Rösli und Schmidt gegründet haben. Weiter erhielten sie Hilfe von Freunden und Konsulaten, Botschaften und Schweizer Clubs vor Ort. Mit einem grösseren Auftritt und Sponsorengeldern versuchen sie, die Hauptkosten zu decken.

Auf der Reise ebenfalls mit dabei sind die Künstler Caro Groove und Crazy Mave von der «MDS & Entertainment – Mavement Dance School» in Cham. Letztere stellen auch moderne westliche Kultur wie Graffiti, Beatboxen und Hip-Hop-Tänze vor. Weiter ist Röslis und Schmidts gemeinsamer Sohn Taio (1) sowie Grossmutter Dolores Rösli (72) nach China mitgekommen. Vor allem diese beiden seien schon unzählige Male mit der Handykamera aufgenommen und zum Selfie gebeten worden.

Welche Motivation steckt dahinter, immer wieder nach China zu reisen und Schweizer Folklore den Leuten vorzustellen? «Freude bei den Menschen und nicht zuletzt bei sich selbst hervorzurufen», sagt Rösli. Es gehe ausserdem auch darum, einen Blick «über den eigenen Tellerrand in eine fremde Kultur» zu werfen.

Röslis und Schmidts Wunsch ist, den Spiess auch mal umzudrehen und Chinesen in die Schweiz einzuladen. Bisher hat das jedoch nicht geklappt. Dies liege einerseits an den schwierigen Visabestimmungen für Chinesen und der «mangelnden Unterstützung von höchster Stelle in China und der Schweiz». Andererseits sind die Preise in der Schweiz für Chinesen sehr hoch. China jedenfalls hat es Sonja ­Rösli und Tobias Schmidt richtig angetan: Sie haben nämlich während ihrer Folkloretour durch China geheiratet.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch


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