Luzerner Weggen muss weichen

KRIENS ⋅ In der Brot-Debatte wird das Volk das letzte Wort haben. Es wird sich auch mit einem wilderen Bären befassen müssen – inklusive klar erkennbarer Männlichkeit.
15. November 2017, 00:00

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Allerweltsbrot oder Luzerner Weggen? Das ist hier die Frage. Gemeint ist das gelbe Brot, das der heilige Gallus auf dem Krienser Wappen dem holztragenden schwarzen Bären entgegenstreckt. Zu dieser Brot-Frage ist in Kriens eine lebhafte Debatte entbrannt – seit der Gemeinderat im Entwurf für eine neue Gemeindeordnung eine leicht abgeänderte Version vorschlug.

Wilder, gefährlicher als heute soll der Bär nun daherkommen. Das ist das eine. Doch da ist nun eben auch noch das Brot. Im heutigen Wappen ist es neutral und rundlich (im Volksmund deshalb oft leicht spöttisch als «goldenes Ei» bezeichnet). In der ersten Neuerungsversion des Gemeinderats kam es nun ganz unverschämt als währschafter Luzerner Weggen daher.

«Da passt ein Luzerner Brot weiss Gott nicht dazu»

Da meldeten sich alsbald Historiker und weitere Kenner der Materie. Der Tenor lautete: «Die Geschichte mit Gallus und dem Bären, auch wenn sie nur eine Legende ist, spielte sich in St. Gallen ab. Da passt ein Luzerner Brot weiss Gott nicht dazu.» Bei der ersten Lesung der neuen Gemeindeordnung im Krienser Einwohnerrat setzte sich diese Meinung durch. Der Gemeinderat erhielt den Auftrag, seinen Vorschlag zu modifizieren.

Jetzt liegt die neuste Wappen-Version vor. Der grimmige Bär wird beibehalten. Der Luzerner Weggen ist aber durch ein «normales» Brot ersetzt – regional nicht zuzuordnen. Ob diese Version beim Parlament Anklang findet, wird sich bei der zweiten Lesung der Gemeindeordnung am 14. Dezember zeigen.

Noch etwas fällt beim abgeänderten Krienser Wappen auf: Der Bär ist nicht nur grösser und böser als im zurzeit geltenden Wappen, sondern er hat jetzt auch ein klar erkennbares männliches Geschlechtsteil. In der allerneusten Version erscheint dieses sogar knallrot wie die Zunge des Bären und ebenfalls nach oben gereckt. «Das macht Sinn, denn in der heraldischen Tradition sind Tiere im Normalfall immer männlich», sagte der Experte Josef Galliker schon vor gut zwei Monaten in unserer Zeitung (Ausgabe vom 2. September).

«Heraldik ist eine Wissenschaft, wir haben uns ihr gebeugt», sagt dazu der Krienser Gemeindeschreiber Guido Solari. Auch die Bären im Berner und Appenzell-Innerrhoder Wappen hätten ein klar erkennbares und leuchtend rotes Geschlechtsteil. «Es passt auch deshalb, weil die Farben von Kriens Grün, Rot und Gelb sind», sagt Solari.

Wird Kriens zur Stadt?

Auch ein anderer Punkt in der neuen Gemeindeordnung löste im Einwohnerrat emotionale Diskussionen aus. Nämlich ob Kriens von einer Gemeinde zur Stadt werden soll. Der Gemeinderat schlug als neue Bezeichnung zuerst «Stadtgemeinde» vor. Das lehnte das Parlament ab. Statt zu einem Zwischending solle man Kriens gleich zur «Stadt» machen. So steht es denn nun auch in der abgeänderten Version der Gemeindeordnung.

Die Volksabstimmung über die neue Gemeindeordnung findet voraussichtlich am 4.März 2018 statt. Geplant ist eine Doppelabstimmung. Ob Kriens zur Stadt werden und ein modifiziertes Wappen erhalten soll, darüber werden die Stimmbürger also neben der Abstimmung über die neue Gemeindeordnung in einer Stichfrage separat abstimmen können, sofern das Parlament diesem Vorgehen in der zweiten Lesung zustimmt.


Leserkommentare

Anzeige: