Musikszene rügt Luzerner Kulturdirektor

SCHÜÜR ⋅ Radio 3fach hat gestern Abend den Rapper «The Youngest» für den besten Song 2017 ausgezeichnet. Ein anderer Preisträger glänzte durch Abwesenheit. Er wird nun Besuch von Stadträtin Manuela Jost erhalten.
11. Januar 2018, 00:00

Sirenengeheul auf dem Weg zur Schüür. Ist dort etwa schon das Chaos ausgebrochen? Auf dem Programm steht die Verleihung des Kick-Ass-Awards des Jugendradios 3fach – da kann es schon mal wild zu- und hergehen. Aber nein, vor Ort angekommen, ist von Chaos absolut keine Spur. Alles verläuft (noch?) recht gesittet, die Leute trudeln langsam ein, die ersten Bierchen werden getrunken, die (sogar zugewiesenen!) Plätze langsam eingenommen. Nebst Gästen aus der Musik- und Kunstszene sind auch ein paar Stühle für Vertreter der Stadt Luzern reserviert – in der hintersten Reihe.

Wie jedes Jahr kürt das «Drüfach» an diesem Anlass den besten Luzerner Song des Jahres. Zusätzlich werden das beste Album und dieses Jahr auch erstmals der sogenannte Playlist-Hero geadelt – sowie der unbeliebte Negativ-Award «Toro Embolado» vergeben. Letzteren erhält, wer im vergangenen Jahr mit Worten oder Taten negativ aufgefallen ist, so zum Beispiel einst die Juso Luzern für eine misslungene Hausbesetzung: Die Polizei hatte damals einen Hinweis erhalten und war schon vorher vor Ort.

Seitenhiebe und Geständnisse

Wer also wurde diesmal alles geehrt? Dazu später mehr. Denn bevor die teils dotierten Preise verliehen wurden, sorgten die beiden Moderatoren David Roth (SP-Kantonsrat) und Samuel Konrad (3fach-Programmleiter) für Unterhaltung – samt Seitenhieben und Geständnissen. Die Bekanntgabe der Gewinner schien nicht die Hauptsache des Abends gewesen zu sein (und erhält deshalb auch erst am Schluss des Textes Erwähnung).

Einstecken musste Stadträtin Manuela Jost, die als Vertreterin der Stadt anwesend war (sie durfte vorne sitzen). Die Schelte ahnend, bestellte sie bei David Roth, der ihr ein Getränk anbot, denn auch «öppis Starchs». Was ihr Roth reichte, der einen mit Banknoten gemusterten Anzug trug (das Motto lautete Casino), erfuhr das Publikum leider nicht. Jost wurde daraufhin in der Jugendsprache belehrt und für ihre Rolle als Baudirektorin im Zusammenhang mit leer stehenden Häusern gerügt. In Anspielung auf die verlotternde Bodum-Villa erhielt sie ein Bodum-Kännchen.

Zuvor hatte David Roth mit einem Augenzwinkern gestanden, dass er sich während der Kantonsratsitzungen ab und zu betrinke. Samuel Konrad gab zu, dass «wir beim Drüfach natürlich nicht so viele Hörer haben». Zu weiteren Highlights des Abends gehörte FCL-Spieler Marvin Schulz, der sich in einem Ratespiel wacker schlug: Gegen Rapper Marash Pulaj musste er möglichst rasch Rap-Songs erraten.

Der mit 3000 Franken dotierte Preis für den besten Song ging an den Newcomer-Rapper «The Youngest» für seinen Szenehit «TonTonshit». Den Preis für das Album des Jahres 2017 erhielt die Wavepop-Gruppe «a=f/m» für ihr Werk «Download», das laut Jury «makellos daherkommt».

Der «Toro Embolado» geht dieses Jahr an Kulturdirektor Reto Wyss für seine Aussage «Der Lohn eines Künstlers ist der Applaus». Dies hatte er im Kontext der Sparmassnahmen des Kantons in seiner Rede an der Saisoneröffnung des Luzerner Theaters gesagt. Wyss war gestern nicht anwesend. Stadträtin Jost wird ihm den Preis überbringen, wie sie sagte: «Wir treffen uns regelmässig, und so weiss ich endlich mal, was ich sagen soll.»

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch


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