Nach 15 Jahren wird wieder gekocht

EMMEN ⋅ Die ehemalige Viscosuisse-Kantine ist wieder in Betrieb. Das Lokal soll zum Treffpunkt des neuen Stadtteils werden, in dem in den letzten Jahren bereits ein «einzigartiger Groove» entstanden ist.
14. September 2017, 00:00

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

«Nylon 7» heisst die neue Kan­tine, welche die IG Arbeit gestern in der Emmer Viscosistadt eröffnet hat. Sie befindet sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Viscosuisse-Kantine an der Spinnereistrasse 1, direkt am Ge­ländeeingang bei der Gerliswil­strasse. Das Lokal war die letzten 15 Jahre geschlossen. «Wir hoffen, auch dank der prominenten Lage, auf viele Gäste aus der ganzen Umgebung», sagt Marc Pfister, Geschäftsführer IG Arbeit.

Während des letzten Jahres führte die IG Arbeit bereits eine provisorische Kantine im Gebäude nebenan, die vor allem von Mitarbeitern der ansässigen Unternehmen sowie von der Hochschule Luzern – Design + Kunst genutzt wurde. Daneben betreibt sie die Cafeteria in ­­ der Kunsthochschule und wird ­künftig auch im Tramhüsli einen ­Gastronomiebetrieb führen.

Somit hat sie momentan fast ein gastronomisches Monopol in und um die Viscosistadt. Doch: «Wir rechnen damit, dass bald weitere Angebote kommen werden – das ist auch wünschenswert», sagt Pfister. Dass die IG Arbeit so prominent in diesem Gebiet vertreten ist, ist gewollt. «Wir wollten eine Rolle spielen bei der Entwicklung dieses Stadtteils.» In der Kantine schafft die IG Arbeit nun erstmals Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigung ausserhalb der Stadt Luzern.

Beim Umbau der Räumlichkeiten wollte man den Charme der Industriezeit erhalten – die Originaldecken, das Wandbild und die charakteristischen Kugellampen stammen noch aus der Viscosuisse-Zeit. Der Umbau des Lokals dauerte acht Monate und kostete 2,5 Millionen Franken, die aus Eigenmitteln und Krediten finanziert wurden.

Per Zufall im «Tatort» gelandet

Die neue Kantine ist auch ein Indiz dafür, dass sich das ehemalige Industrieareal zu einem lebendigen Stadtteil entwickelt – obwohl die geplanten Wohnbauten noch fehlen und bisher hauptsächlich die alten Fabrikgebäude umgenutzt werden. Ansässige Unternehmer sind voll des Lobes für den Arbeitsort. «Dass hauptsächlich Firmen mit einem kreativen Fokus angesiedelt werden, schafft Synergien und einen einzigartigen Groove», sagt Gerry Meier, Geschäftsleiter der AST beschriftet AG. Die Firma gestaltet und produziert Beschriftungen aller Art in der ehemaligen Schlosserei an der Fadenstrasse 22.

Die 2012 bezogenen Räumlichkeiten seien ideal für ihre Bedürfnisse, und der industrielle Charme gefalle den Mitarbeitern. Das Nebeneinander verschiedener Firmen im Kreativbereich soll deren Zusammenarbeit fördern, so die Vision der Viscosistadt. Laut Gerry Meier funktioniert das: «Wir konnten für das ‹Tatort›-Studio Requisiten herstellen, weil wir aus Versehen in Dreharbeiten hineingetrampt sind.»

Auch die Kunsthoch­schule passe in das Netzwerk – schon mehrmals habe es Projekte mit Hochschule und Studenten gegeben. Und in der provisorischen Kantine der IG Arbeit sei es «beim Anstehen» zu Begegnungen gekommen, die eine Zusammenarbeit zur Folge hatten.

Ähnlich sieht dies Martin Elmiger, Geschäftsführer Auviso. Der technische Dienstleister für Veranstaltungen und audiovisuelle Installationen ist Anfang Jahr mit 90 Mitarbeitern in die Viscosi­stadt gezogen. «Wir fühlen uns hier sehr wohl. 7000 Quadratmeter bezahlbare Lagerfläche findet man nur selten in einem so urbanen und gut erreichbaren Umfeld.» In Sachen Synergien hat Auviso vor allem die Nähe zur Kunsthochschule gesucht: «Dort werden Leute in unseren Tätigkeitsfeldern ausgebildet. Wir ­bieten regelmässig Praktika für HSLU-Studenten an.» Die Nähe anderer Firmen sei «gäbig», strategisch aber weniger wichtig, so Elmiger. Trotzdem bezeichnet er sich als Fan des «Technopark-Gedankens».

Name mit Bezug zur Industriegeschichte

Zurück zum «Nylon 7»: Auf dem Geländeteil, in dem sich die Kantine befindet, wurde einst Nylon hergestellt. Seinen Namen hat das «Nylon 7» konkret von einem Produkt, das zwar entwickelt, aber nie hergestellt worden ist. Laut Marc Pfister hätten die ­«Viscösler» seinerzeit das Restaurant Emmenbaum – ihren Treffpunkt für das Feierabendbier – scherzhaft so genannt. «Der Name soll auf die Geschichte unseres Lokals und des Quartiers hinweisen.»


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