Persönliche Hilfe soll’s richten

EMMEN ⋅ Die Sozialhilfequote der Gemeinde ist eine der höchsten im Kanton und belastet die Finanzen. Nun will man aktiver auf Betroffene zugehen – und hat dafür mehr Personal eingestellt.
30. November 2017, 00:00

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Sparen, kaum investieren, die Steuern erhöhen: Die finanziell darbende Gemeinde Emmen ­versucht mit allen Mitteln, das schnelle Bevölkerungswachstum abzufedern. Weil gewisse Investitionen in die Infrastruktur nicht mehr aufgeschoben werden können, will der Gemeinderat die Steuern von 2,05 auf 2,25 Einheiten erhöhen (Ausgabe vom 16. November). Um die Gemeindefinanzen langfristig ins Lot zu bringen, versucht er zudem, die Ausgaben zu optimieren, wie ein Blick in das neu erschienene Legislaturprogramm zeigt.

So soll beispielsweise die Sozialhilfequote gesenkt werden. Diese ist in den letzten Jahren stark angestiegen und befand sich Ende 2016 bei 4 Prozent. Das ist nach Kriens (4,2 Prozent) der zweithöchste Wert im Kanton Luzern (Ausgabe von gestern). Die Stadt Luzern liegt mit 3,8 Prozent darunter, der schweizweite Schnitt beträgt 3,3 Prozent.

2014 befand sich die Quote in Emmen noch auf einem Tiefpunkt von 3,4 Prozent, doch schon 2015 stieg sie wieder auf 3,5 Prozent an. Für 2017 erwar- tet man einen Anstieg auf über 4 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer eines Empfängers in der Sozialhilfe beträgt in Emmen derzeit 32 Monate – auch diese soll reduziert werden.

Mehr Personal, bessere Betreuung

Die Gründe für den Anstieg der Sozialhilfequote sind vielfältig. Ähnlich wie Luzern spürt Emmen eine gewisse Zentrumslast: günstiger Wohnraum, ein hoher Ausländeranteil, die Anonymität einer grossen Gemeinde. Dass sozial schwächere Personen nach Emmen ziehen, lasse sich kaum vermeiden, sagt Sozialdirektor Thomas Lehmann (FDP), wohl aber könne man diese besser unterstützen.

Hier will die Gemeinde ansetzen: Die Sozialhilfebezüger sollen vermehrt persönlich beraten werden. Dafür wurde die Sozialdirektion um 320 Stellenprozente aufgestockt. «Mit zu wenig Personal können wir nur verwalten. Dank den zusätzlichen Mitarbeitern haben wir mehr Zeit, um die Bezüger zu begleiten und individuelle Lösungswege im persönlichen Gespräch zu suchen.» Das könne bedeuten, dass mit den Betroffenen deren Wohnsituation oder Finanzverwaltung unter die Lupe genommen wird oder dass die Personen bei der Jobsuche unterstützt werden. «Wenn wir die Quote senken, sinken auch die Kosten», sagt Lehmann. Das Ziel sei, jährlich etwa 40 Dossiers zusätzlich aus der Sozialhilfe zu bringen. Derzeit führt die Gemeinde Emmen rund 640 Sozialhilfedossiers.

1 bis 2 Millionen Franken Steuerausstände

Dank der Betreuung soll auch vermieden werden, dass Menschen überhaupt zu Sozialfällen werden. Deshalb will die Gemeinde die Prävention verstärken und auf Personen, die ihr gemeldet werden, aktiv zugehen.

Auch die Finanzdirektion will insbesondere bei Schuldnern handeln, um etwa Inkassofälle zu vermeiden. «Jede Steuerrechnung, die nicht bezahlt wird, müssen wir als Verlust abschreiben. Das verursacht jedes Mal ein Loch in unserer Jahresrechnung», sagt Finanzdirektor Urs Dickerhof (SVP). So belastet beispielsweise eine Person, die keine Steuererklärung einreicht und deswegen eingeschätzt wird, die Gemeinderechnung stärker als jemand, der nur Kopfsteuern zahlt. Laut Dickerhof belaufen sich die uneinbringlichen Steuern auf jährlich 1 bis 2 Millionen Franken. Um diese Zahl zu reduzieren, will die Gemeinde proaktiv auf Betroffene zugehen und ihnen etwa die freiwillige Einkommensverwaltung schmackhaft machen. Ausserdem soll eine Zielgruppenanalyse gemacht werden. Sprich: Man überprüft die sozialen Hintergründe der Steuerausständigen, damit künftig gefährdete Personen frühzeitig entdeckt werden.

Um – abgesehen von den Steuern – Zahlungsausstände zu vermeiden, überlege man sich derzeit, bei gewissen Dienstleistungen der Gemeinde Vorauszahlungen einzuführen, sagt Urs Dickerhof. Ein solches System existiert beispielsweise bereits für den Parkkarten-Bezug. Denn oft werden Rechnungen einfach nicht bezahlt. So wurden dieses Jahr von rund 60000 Rechnungen über 6000 nicht bezahlt, also 10 Prozent. Dadurch entgingen der Gemeinde Einnahmen von rund 2,5 Millionen Franken. Dickerhof: «Dies gilt es, proaktiv anzugehen.»

Hinweis

Legislaturprogramm unter: www.emmen.ch/legislaturprogramm

Emmer Sozialdirektor


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