Pflegeplätze: Ebikon stemmt sich gegen den Trend

HEIME ⋅ Ebikon baut als erste Gemeinde stationäre Betten ab. Damit steht sie im Kanton aber ziemlich allein da. In vielen Gemeinden werden Pflegeplätze weiter ausgebaut – zum Missfallen der Luzerner Regierung.
13. Juli 2017, 00:00

Um den neusten Entwicklungen im Pflegewesen Rechnung zu tragen, hat der Kanton vor einem Jahr seine Pflegeheimplanung revidiert. Seither gilt der Grundsatz: ambulant vor stationär. Weil Heimeintritte immer später erfolgen und auch kürzer ausfallen, hat vor allem die ambulante Pflege gegenüber der Langzeitpflege an Bedeutung gewonnen. Bis 2020 bewilligt der Kanton deshalb gesamthaft nur noch 4614 Pflegebetten. Das sind über 1100 weniger, als die alte Versorgungsplanung vorsah.

Ebikon geht jetzt quasi mit gutem Beispiel voran und reduziert als erste Gemeinde ihre Pflegeplatz-Kapazitäten. Aus «wirtschaftlichen Gründen» sei man gezwungen, im Pflegebereich eine «betriebliche Redimensionierung» vorzunehmen, schrieb gestern die Gemeinde in einer Medienmitteilung. Konkret heisst das: Die Demenzeinrichtung Sonnengarten wird Ende November aufgelöst und ins Haus Känzli integriert, das Pflegezentrum Höchweid baut auf diese Weise bis zum nächsten Jahr 13 Pflegebetten ab. Die gemeindeeigenen Heime werden dann neu noch 125 Langzeitpflegestellen anbieten. Hinzu kommen 23 weitere Plätze im privaten Heim Senevita.

Drei Gründe seien ausschlaggebend gewesen für diesen Schritt, erklärt die Ebikoner Gemeinderätin Susanne Troesch-Portmann (CVP). Erstens: «Un­sere Nachbargemeinden haben ihr Angebot ausgebaut – oder tun dies noch.» Bis 2012 hatte das Zentrum Höchweid noch eine regionale Funktion. Nun würden aber immer weniger Auswärtige sein Pflegeangebot beanspruchen, sagt Troesch-Portmann. Zudem würden Betagte tendenziell seltener und auch erst später in Pflegeheime gehen. «Dieser Trend führt einerseits zu einer geringeren Heimauslastung und andererseits zu steigenden Kosten für die ambulante Pflege.» Und drittens spüre man auch die Konkurrenz von privaten Pflegeinstitutionen. Trotz Restrukturierung halte man aber weiterhin am Versorgungsangebot mit Wohngruppen für Demenzkranke, einer Kurzzeit-Pflegeabteilung im Känzeli und den Langzeit-Pflegeabteilungen fest.

Roger Wicki, Präsident des Luzerner Kantonalverbandes der Pflegeheime, ist erstaunt über den Abbau in Ebikon. Denn bisher ging der Trend in die andere Richtung. Tatsächlich wird trotz des regierungsrätlichen Pflegebetten-Stopps in vielen Gemeinden noch weiter ausgebaut. Im ganzen Kanton laufen bereits bewilligte Aus- und Neubauprojekte für mehr als 300 zusätzliche Pflegeplätze, davon allein in der Region Luzern über 200. Diese dürfen gemäss Kanton noch realisiert werden. Und dies, obschon bereits seit zwei Jahren ein leichtes Überangebot an Pflegeplätzen herrsche, wie Roger Wicki sagt. «Momentan sind rund 50 Betten unbesetzt, über die Hälfte davon im Raum Luzern.» Ob all die geplanten und bewilligten Pflegeplätze tatsächlich auch realisiert werden, liege letztlich im Interesse der investierenden Gemeinden.

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch


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