Pol-Parteien holen auf

REGION ⋅ In Dierikon und Malters haben SVP und SP neue Sektionen gegründet. Ortsparteien seien auch heute noch unverzichtbar, sagt der Politologe.
06. Januar 2018, 00:00

Robert Knobel und Roman Hodel

region@luzernerzeitung.ch

Auch wenn in den Luzerner Gemeinden traditionell CVP und FDP den Ton angeben, gibt es auch auf der SVP-Landkarte des Kantons nur noch wenige weisse Flecke. In der Agglomeration existierte bisher nur in Dierikon keine Sektion. Doch auch diese Lücke ist jetzt gefüllt. Vor wenigen Wochen wurde die SVP Dierikon gegründet – es ist nach CVP und FDP die dritte Ortspartei in der Rontaler Gemeinde.

Präsidentin ist die 22-jährige Rebecca Zimmermann. Die junge Dierikerin studiert in Zürich Jus und arbeitet nebenbei in einem Treuhandbüro. Will sie mit ihrem politischen Engagement gezielt Junge ansprechen? «Nicht ausschliesslich», sagt sie, «wichtig ist einfach, dass alle in der Politik vertreten sind, die etwas bewirken wollen.» Und genau da haperte es in der Vergangenheit in Dierikon. CVP und FDP mussten oft froh sein, überhaupt genügend Kandidaten für den Gemeinderat zu finden.

SVP will das Dorfleben ankurbeln

Spekuliert die SVP also darauf, 2020 einen Sitz im Gemeinderat zu erobern? Das könnte möglicherweise ein Ziel sein, sagt Zimmermann. Doch erst müsse eine Mitgliederbasis aufgebaut werden. Themen, bei denen die SVP etwas bewirken könne, gebe es genügend. Insbesondere gehe es darum, das Dorfleben wieder in Schwung zu bringen. «Es fehlt der Zusammenhalt, es fehlen Begegnungsorte», sagt Zimmermann und fügt hinzu: «Dieses Problem wurde von CVP und FDP bisher vernachlässigt.»

Wie sich die SVP des Problems annehmen will, lässt sie ­offen. Es sei aber klar, dass das Dieriker «Dörfli» seine Zentrumsfunktion künftig besser wahrnehmen muss. Auch die Finanzpolitik gehört zu den Schwerpunkten der SVP. Zimmermann ärgert sich, dass die 2018 geplante Steuersenkung nicht zu Stande kam. «Die SVP wird sich vehement für eine ordentliche Steuersenkung einsetzen.»

Mit der neuen Ortspartei Dierikon kommt die SVP ihrem Ziel einen Schritt näher, in jeder Gemeinde eine Sektion zu stellen. Nun gibt es nur noch zehn Luzerner Gemeinden ohne SVP (siehe Kasten). «Wir werden weiterhin daran arbeiten, um dies noch zu vervollständigen», sagt Kantonalpräsidentin Angela Lüthold. Allerdings brauche es immer auch «Drahtzieher vor Ort», wie Lüthold sagt. In Dierikon sei dies nun gelungen. Das tiefe Alter der dortigen Präsidentin sei ein Vorteil: «Das bringt neuen Schwung in eine Ortspartei.»

SP Malters setzt auf städtische Themen

Auch in Malters gibt es eine neue Ortspartei – jedoch von der SP (wir berichteten). Sie zählt laut Co-Präsident Sandro Niederberger bereits 15 Mitglieder: «Und es werden immer mehr.» Durch die Nähe zur Stadt und die vielen Zuzüger habe sich die Haltung vieler Einwohner von Malters geändert – linke Themen wie bezahlbarer Wohnraum oder mehr ÖV kommen gemäss Niederberger an. Konkrete Forderungen dazu seitens SP würden folgen.

Mehr Ortsparteien – das ist ganz im Sinne der kantonalen SP, die mehr Präsenz in der Agglomeration Luzern anpeilt: «In Neuenkirch sind wir mittlerweile auch vertreten und bei zwei weiteren Gemeinden dran», sagt Präsident David Roth. Welche das sind, will er nicht sagen. «Wir gründen erst, wenn der Mix aus jungen und im Dorf verankerten Leuten stimmt. Es soll langfristig halten», so Roth. Dank Ortsparteien erhalte die SP ein Gesicht, könne Themen setzen und gewinne Vertrauen.

Macht es in einer Zeit, in der immer mehr Parteilose in Ämter gewählt werden, überhaupt noch Sinn, Ortsparteien zu gründen? «Ja», findet Parteienexperte Michael Hermann. «Zwar macht man sich als Mitglied gerade von Pol-Parteien wie SVP oder SP schon mal für einen gewissen Teil der Bevölkerung unwählbar, weshalb Parteilose im Trend sind.» Aber wer in Gemeinden politisch etwas bewegen wolle, brauche ein Netzwerk und Wissenstransfer, das könne eine Ortspartei bieten. Zudem gilt weiterhin die klassische Ochsentour: «Wer mit dem Kantons- oder Nationalrat liebäugelt, muss sich auch heute noch in vielen Fällen zuerst im eigenen Dorf behaupten.»


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