Politiker wollen «Uni-Post» retten

ABBAU ⋅ Die CVP fordert den Erhalt der Poststelle Universität beim Bahnhof Luzern. Die Post will den Standort «prüfen», eine Garantie für den Erhalt bis nach 2020 gebe es aber nicht.
10. Juni 2017, 00:00

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Zurzeit werden pro Jahr im Schnitt rund 100 Poststellen gestrichen oder in Agenturen umgewandelt. Allein in der Stadt Luzern will die Post die fünf Standorte Würzenbach, Reussbühl, Schönbühl, Hirschengraben und Universität «überprüfen». In den Standort Zürichstrasse wird hingegen investiert, um sie als Lehrlingspoststelle führen zu können.

Bereits als die Überprüfung der ersten vier Poststellen bekannt wurde, wollte das die SP Stadt Luzern nicht hinnehmen und lancierte die Petition «Uns reichts! – Kein weiterer Poststellenabbau in Luzern». Die Petition wurde am 9. Februar gestartet und Anfang April mit 2634 Unterschriften der Luzerner Stadtverwaltung überreicht. Doch der «Kahlschlag», wie die Partei den Abbau nennt, geht weiter: Als bekannt wurde, dass die Poststelle 2 bei der Universität Luzern ebenfalls «überprüft» wird, rief das die Politik erneut auf den Plan. Dieses Mal die CVP Stadt Luzern. Die Partei kritisiert diese Schliessung in ihrer gestrigen Mitteilung und fordert, dass «die Post am jetzigen Standort in der heutigen Form erhalten bleibt». Dafür soll sich der Luzerner Stadtrat vehement einsetzen.

Suboptimales Angebot für Geschäftskunden

Die Post argumentiert jedoch damit, dass die Zufahrt zum Geschäftskundenschalter der «Uni-Post» nicht optimal sei. Deshalb prüfe sie «zur Erweiterung des bestehenden Angebotes die Einrichtung spezieller, gut erreichbarer Standorte für Geschäftskunden in der Stadt Luzern». Markus Flückiger, Sprecher Postnetz Mitte, sagt: «Die Post will in diesem Begegnungsraum Bahnhof–Universität auch in Zukunft für Privat- und Geschäftskunden eine zeitgemässe und gute postalische Versorgung sicherstellen können.» Dies brauche Zeit und eine enge Zusammenarbeit mit den städtischen Behörden, wie Flückiger betont: «Um dieses Vorhaben erfolgreich gestalten zu können, bedarf es einer weitaus längeren Planungszeit als üblich.» Konkreter konnte Flückiger nicht werden, da die Gespräche mit Stadt und Quartierverein erst noch stattfinden. Da dies aber wie erwähnt eine längere Planungszeit benötigt, ist zumindest «eine allfällige Veränderung der Poststelle Luzern 2 vor 2020 nicht realistisch», so Flückiger. Und was prüft die Post genau? Flückiger: «Sie prüft die Zugangspunkte für Geschäftskunden, Aufgabe- und Abholstellen wie auch die Platzierung von MyPost-24-Automaten entlang der Mobilitätsströme.»

Das reicht der CVP Stadt Luzern nicht, sie will am Standort Universität festhalten, wie CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach in der Mitteilung festhält. Demnach müsse die Post bleiben, wie sie ist. Denn auch die hohen Frequenzen basieren auf den aktuell langen Öffnungszeiten. Auch will die Partei bei den Postagenturen künftig mehr Dienstleistungen, besonders auch die Bareinzahlung und die Möglichkeit, Massensendungen aufzugeben, so Schwarzenbach in der Mitteilung. Damit bläst die CVP ins gleiche Horn wie eine ähnliche Motion auf Bundesebene. Die «schrittweise Weiterentwicklung», wie die Post ihre Anpassung des Postnetzes umschreibt, sorgt weiterhin für Unverständnis und Empörung. Im Kanton Luzern droht 16 Poststellen bis im Jahr 2020 die Schliessung, allein in der Stadt Luzern sollen fünf von neun Poststellen verschwinden (Artikel vom 3. Juni).

Für die Filiale im Würzenbach ist eine Partnerschaft mit dem Spar geplant. Dies wird noch in diesem Jahr realisiert. Und für die Poststelle Ruopigen in Reussbühl wird künftig die Bäckerei Bucher der Agenturpartner sein. «Für die Filiale im Schönbühl ist mit der Migros im Shoppingcenter ein geeigneter Agenturpartner gefunden worden», sagt Flückiger. Und alle drei genannten Agenturen werden eine Theke haben, an der die Kunden vom Personal des Partners bedient werden.

www. Liste der städtischen Poststellen: luzernerzeitung.ch/bonus

«Für die Filiale im Schönbühl ist mit der Migros im Shoppingcenter ein geeigneter Agenturpartner gefunden worden.»

Markus Flückiger

Sprecher Postnetz Mitte


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