Rote Boxen sorgen für rote Köpfe

REUSS ⋅ Seit einem Monat gibt es entlang der Reuss neue Rettungsgeräte. Sie verschandelten das Stadtbild. Zudem sei die Gebrauchsanweisung zu kompliziert, finden manche Luzerner. Ein Rettungsexperte kontert.
08. August 2017, 00:00

«Grauenhaft» sei diese «Monster-Tupperware», schreibt ein Luzerner Bürger im Sorgenbriefkasten der Stadt Luzern auf Facebook. Er meint damit die neuen Rettungsboxen, die seit Anfang Juli entlang der Reuss montiert sind. Nicht nur das Stadtbild werde verschandelt, schreibt er weiter, die neuen Geräte seien auch unpraktikabel. So brauche ein schneller Leser mehrere Minuten, um die Gebrauchsanweisung zu studieren – «bis dahin sind alle ersoffen». Der Beitrag hat einigen Beifall geerntet.

Auch ein Leserbriefschreiber unserer Zeitung bezeichnet die Boxen als «ästhetisch unbefriedigend». Für das geschützte Ortsbild der Altstadt sei dies ­ ein Affront. Der Leser vermisst ­­die alten Rettungsstangen, mit denen Gegenstände wie Taschen oder Mützen aus der Reuss gefischt werden konnten.

«Signalwirkung ist entscheidend im Notfall»

Es sei verständlich, dass die knallig roten Boxen irritieren, sagt ­Patrick Bieri, stellvertretender Stabschef der städtischen Direktion Umwelt, Verkehr und Sicherheit. Der Ortsbildschutz sei bei der Auswahl der Geräte denn auch ein Thema gewesen. «Aber in Sachen Sicherheit ist es nun mal schwierig, Kompromisse zu machen.» So müssten die Boxen an sinnvollen Orten aufgestellt werden, und «die Signalwirkung der Farbe ist entscheidend im Notfall», so Bieri. Die Ästhetik sei letzten Endes zweitrangig bei einem Rettungsgerät, das von allen Seiten empfohlen werde.

Die 24 Rettungsboxen wurden auf Empfehlung der Schweize­rischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG installiert. Ausschlag gab die neue Erholungsanlage Reusszopf und das dadurch immer beliebter werdende Flussschwimmen (Ausgabe vom 18. Juli). «Die Stadt Luzern hat sehr schnell auf den neuen Trend reagiert und die empfohlenen Massnahmen gleich umgesetzt», lobt Ueli Bärtschi, Präsident der SLRG-Sektion Luzern.

Laut Bärtschi entsprechen die Geräte den neuesten internationalen Standards und werden vom Europäischen Rettungsschwimmverband ILSE empfohlen. Allein in der Schweiz existierten bereits über 2000 derartige Boxen, und auch im europäischen Ausland seien sie Standard.

Metallstangen sind lebensgefährlich

«Ihre Auffälligkeit ist Teil des Sicherheitskonzepts. Würden sich die Geräte ins Stadtbild einfügen, würde man sie in einer ­Notfallsituation nicht wahrnehmen», so Bärtschi weiter. Auch darüber hinaus habe die Rettungsbox diverse Vorteile: Da beim Öffnen des Kastens ein Siegel gebrochen wird, lassen sich die Geräte einfach kontrollieren und warten. «So kann vermieden werden, dass in einem Notfall ein Rettungsgerät fehlt.» Darüber hinaus seien Geräte wie Rettungsringe oder Wurfsäcke durch die Box optimal vor der Witterung geschützt. «Die Geräte haben zudem eine Reichweite von 30 Metern – rund sechs Mal mehr als die alten Rettungsstangen.» Die Metallstangen seien ausserdem im stark fliessenden Gewässer lebensgefährlich, da diese sogar brechen könnten.

Betreffend die komplizierte Gebrauchsanweisung räumt Ueli Bärtschi ein, dass diese tatsächlich noch zu ausführlich sei. Jetzt stehen darauf etwa noch Massnahmen gegen Unterkühlung. «Die Beschriftungen werden in den nächsten Wochen angepasst.» Dann erhält jede Box einen Standortnamen, welcher dem Rettungsdienst angegeben werden kann, die Notfallnummer sowie eine einfache Gebrauchsanleitung mit Piktogrammen. «Prinzipiell sind die Geräte aber selbsterklärend», so Bärtschi. Auch sonst wird weiter aufgerüstet: Demnächst werden entlang der Reuss Infotafeln aufgestellt mit Warnhinweisen und Empfehlungen zum Ein- und Ausstieg.

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch


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