Schutzbauten wie im Hochgebirge

KRIENS ⋅ Die Arbeiten am instabilen Hang bei der Hergiswald-Kirche sind abgeschlossen – drei Jahre nach dem grossen Unwetter im Sommer 2014. Dabei galt es, Gefahrenherde aller Art zu bändigen.
14. Juli 2017, 00:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Für eine Agglomerationsgemeinde war es ein ungewöhnliches Bauprojekt: Unter anderem mit Lawinenverbauungen hat die Gemeinde Kriens den Hang über der Hergiswaldstrasse kurz vor der Hergiswald-Kapelle gesichert. Die Arbeiten sind seit Juni beendet. Die Kosten betragen rund 2,9 Millionen Franken. Die Gemeinde übernimmt davon 28 Prozent, der Kanton Luzern 29 und der Bund 43 Prozent.

Rückblick: Im Juli 2014 richtete ein Unwetter im Gebiet grosse Schäden an. Der betroffene Hang sog sich mit Wasser voll, 10 000 Kubikmeter Masse ge­rieten in Bewegung. Es kam während Wochen zu mehreren Erdrutschen. Durch Sofortmass­nahmen wie einen Pneudamm konnte die Hergiswaldstrasse im darauffolgenden Oktober wieder freigegeben werden.

Steinschlag als Gefahr für Arbeiter

Die Arbeiten am Hang waren aber noch lange nicht abgeschlossen. Sie wurden jedoch erst letztes Jahr wieder aufgenommen. Zuerst haben Experten den Hang begutachtet, zudem musste der Gemeinderat im Einwohnerrat noch einen Baukredit beantragen. Dieser wurde einstimmig bewilligt. Im Herbst 2016 fuhren wieder die Bagger auf. Der Pneudamm wurde mit Betonriegeln verstärkt und die Entwässerung verbessert. Im Hang selbst verhindern nun Lawinenschutzverbauungen aus Holz und Drahtseilen, dass der Schnee auf dem glatten Fels ins Rutschen gerät. Weiter wird der Hang aufgeforstet, um ihn zusätzlich zu stabilisieren. Bis die frisch gepflanzten Bäume gross genug sind, verhindern dreibeinige Holzkonstruktionen, dass sich zu viel Schnee an kritischen Stellen ansammelt.

«Es lagen praktisch alle möglichen Gefährdungen vor: Rutschung, Steinschlag, Felssturz und Lawine», sagt der zuständige Geologe Beat Keller. Besonders hoch sei das Steinschlagrisiko gewesen. «Im oberen Hang gibt es viele lose Findlingsblöcke. Diese stellten auch eine Gefahr für die Arbeiter dar.» So mussten die Blöcke mit Baggern entfernt werden, das Gebiet wurde zudem jeweils vor Arbeitsbeginn auf Gefahren untersucht. Bei stärkeren Regenfällen mussten die Arbeiten aus Sicherheitsgründen eingestellt werden.

Doch nun gilt der Rutschhang als sicher. Die Schutzmassnahmen würden auch einem Unwetter wie 2014, als 85 Liter Regen pro Quadratmeter fielen, standhalten, sagt Keller. Absolute Sicherheit gibt es jedoch nicht. So befindet sich gleich neben dem nun gesicherten Hang, ebenfalls oberhalb der Hergiswaldstrasse, eine weitere kritische Stelle. «Diese ebenfalls bereits zu sanieren, war aber nicht möglich», sagt Keller. Wegen ungenügender Kostenwirksamkeit hätte es dafür keine Subventionen gegeben. Momentan verhalte sich dieser zweite Rutschhang aber ruhig.

Weil ein gewisses Restrisiko besteht, wurden drei Messgeräte im Gebiet montiert. So kann die Gemeinde Kriens im Rahmen ihres Überwachungskonzepts erkennen, wenn ein Hang instabil wird. Im Extremfall muss die Hergiswaldstrasse bei einem Unwetter erneut gesperrt werden.

Ob und wann dies der Fall sein wird, ist aber völlig offen. «Das kann noch dieses Jahr oder erst in 100 Jahren der Fall sein. Dies bestimmt die Natur», sagt Beat Keller.


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