Unterführung mit Hindernissen

KRIENS/HORW ⋅ Die Gemeinde Horw unternimmt einen zweiten Anlauf, um eine Bahnunterführung für Velos und Fussgänger zu bauen. Dafür will sie zwei bestehende Bahnübergänge aufheben. Der Konflikt mit der Nachbargemeinde ist vorprogrammiert.
13. Mai 2017, 00:00

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Alle paar Minuten schliessen sich die Bahnschranken auf Horwer und Krienser Boden. Dann braust ein Zug der Zentralbahn vorbei. Velofahrer und Fussgänger müssen warten. Ab 2021 werden auf der Strecke noch mehr Züge verkehren (siehe Kasten). Die Gemeinde Horw will allerdings eine neue Unterführung bauen, damit die Querung der Bahnlinie ohne Wartezeiten möglich ist. Die Unterführung für Velos und Fussgänger soll in der Nähe des Bahnhofs entstehen (siehe Karte).

In einem ersten Anlauf ist das Vorhaben im Einwohnerrat gescheitert. Denn für die Unterführung braucht die Gemeinde Land von der Schappe AG. Diese verlangt, dass ihr Grundstück in eine Wohn- und Arbeitszone umgewandelt wird, was jedoch vom Einwohnerrat abgelehnt wurde (Ausgabe vom 17. März). Das Horwer Parlament verlangte Neuverhandlungen und nähere Angaben zur Finanzierung der Unterführung.

Parlament soll vor den Sommerferien entscheiden

Der Horwer Gemeinderat hat inzwischen wieder das Gespräch mit der Schappe AG aufgenommen, wie Bauvorsteher Thomas Zemp bestätigt. «Die Verhandlungen verlaufen positiv. Noch vor den Sommerferien wollen wir dem Einwohnerrat das Geschäft wieder vorlegen und zeitgleich einen Planungskredit für die Unterführung beantragen.» Am ursprünglichen Vorhaben, die Unterführung im Gebiet Wegmatt zu bauen, hat sich nichts geändert. Dieser Standort eignet sich laut Gemeinde am besten. Der Ausbau der bestehenden Unterführung beim Bahnhof Horw wurde aus Kostengründen und aufgrund der engen Platzverhältnisse verworfen. Allerdings will die Gemeinde das benötigte Land nun kaufen, ursprünglich war von einem Landtausch die Rede. Im Rahmen der Verhandlungen konnte einerseits der In­frastrukturbeitrag der Schappe AG erhöht werden, und anderseits erhält die Gemeinde durch ein Kaufrecht mehr Flexibilität, sagt Zemp. Näher ins Detail gehen will er mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht.

Um die Unterführung bauen zu können, muss der Gemeinderat allerdings politische Hürden überwinden. Die neue Unter­führung kostet gemäss bisherigen Berechnungen wegen des schlechten Baugrundes knapp 6Millionen Franken. Daran beteiligt sich neben den Beiträgen aus dem Agglomerationsprogramm die Zentralbahn – aber nur, wenn die Unterführung betriebliche Vorteile bringt. Sprich: Mindestens einer der bestehenden Niveauübergänge an der Krienser- und Wegmattstrasse müsste aufgehoben werden. Wie hoch die Beteiligung der Zentralbahn ist, steht noch nicht fest. Es könnte sich aber um mehrere hunderttausend Franken handeln.

Doch die Schliessung der Bahn­übergänge ist nicht im ­Interesse der Gemeinde Kriens. Eine attraktive Verbindung nach Horw – insbesondere für die Einwohner im Gebiet Kuonimatt – ginge verloren. Der Krienser Einwohnerrat hat deshalb an seiner letzten Sitzung im April ein Postulat überwiesen. Der Gemeinderat soll sich für den Erhalt der bestehenden Bahnübergänge einsetzen – im speziellen für jenen an der Krienserstrasse.

Laut dem Krienser Bauvorsteher Matthias Senn hat bereits ein erstes Gespräch mit der Gemeinde Horw stattgefunden. Auch hat Kriens ein internes Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses soll klären, wie viel Mitspracherecht die Gemeinde hat. Beim Bahnübergang an der Krienser-/Horwerstrasse ist der Fall klar: Dieser befindet sich genau auf der Grenze, wodurch Horw nicht selber über die Aufhebung entscheiden kann. «Auch beim Übergang an der Wegmattstrasse haben wir wohl ein Wort mitzureden», sagt Senn.

Vergangenheit könnte Horw einholen

Das überwiesene Postulat versteht er als klaren Auftrag. Eine Aufhebung beider Bahnübergänge kommt für ihn nicht in Frage. Ob man allenfalls auf einen Bahnübergang verzichten könne, werde geprüft, so Senn. Der Horwer Gemeinderat Thomas Zemp ist sich der verzwickten Situation bewusst: «Es dürfte anspruchsvoll werden, mit Kriens eine Einigung zu erzielen.» Nicht gerade förderlich in dieser Sache ist, dass sich Horw weigerte, sich am Bau des Velo-/Fusswegs auf dem früheren Zentralbahn-Trassee zu beteiligen. Diese Geschichte hat man in Kriens noch nicht vergessen. Entsprechend schwierig dürfte es werden, falls Horw von Kriens eine finanzielle Beteiligung an der neuen Unterführung fordern sollte.

Trotz der politisch schwierigen Situation tritt der Horwer Gemeinderat bei der Planung der neuen Unterführung kräftig in die Pedalen. Mit gutem Grund, wie Bauvorsteher Thomas Zemp ausführt: «2019 ist die Zentralbahnstrecke bei Horw aufgrund von Bauarbeiten gesperrt.» Dies erleichtere den Bau der Unterführung, was zu tieferen Kosten führe. «Müssen wir die Unterführung unter Betrieb bauen, führt dies zu Mehrkosten von rund 900000 Franken.»


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