Vom Basler Virus infiziert

08. Februar 2018, 00:00

In Basel aufgewachsen, war es Norbert Schmassmann (61) unmöglich, sich der Fasnacht zu entziehen. Der seit 1996 in Luzern wohnhafte Direktor der Verkehrsbetriebe Luzern gewährte uns einen Einblick in seine Fasnachtstruhe. Mit Ehefrau Rahel (59) präsentiert er Masken und Kostüme, die keine Zweifel an der Herkunft der Träger aufkommen lassen. Etwa ein Harlekin, ein klassisches Basler Kostüm –jedoch in Blau-Weiss!

Jedoch hat er kein Stück je selber getragen. Bei aller Liebe zur Fasnacht, wurde er nie aktiv. «Mich faszinierten als Knabe die lauten Trommeln. Ich wollte unbedingt spielen. Mein Vater, ein ausgesprochener Nichtfasnächtler, lenkte ein. Er begleitete mich zu einer Clique, die Nachwuchs suchte. Weil der Obmann in jedem Satz fluchte, wurde daraus nichts. Es hat nicht sollen sein.» Da er kein Fasnächtler ist, fiel ihm der Wegzug von Basel nach Luzern leichter. Warum aber die Fasnachtstruhe? «Als wir einzogen, war meine Frau unglücklich und litt unter Heimweh. Ein Tag später war dieses aber weg. Es begann damit, dass ich den Klang von Drummle und Pfyffe vernahm. Ich glaubte an eine akustische Fata Morgana.» Aber in der Nachbarschaft wurden tatsächlich Piccolo und Trommeln gespielt. Denn der Tambourenverein Luzern hat in der Nähe sein Übungslokal. «Diesem gehören einige Heimwehbasler an», sagt Rahel Schmassmann, die bis dahin ebenfalls keine Fasnächtlerin war.

Sie trat der Gruppe bei und spielt seither Piccolo. Die Baslerin wurde erst in Luzern mit dem Fasnachtsvirus infiziert. Aber dafür richtig. Sie nimmt sowohl in Luzern wie auch in Basel, wo sie als Piccolo-Spielerin eine Clique unterstützt, an Umzügen teil. Norbert Schmassmann indes blieb passiv: «Freude am Zuschauen habe ich trotzdem. Ich war auch immer ein kritischer Beobachter und ich finde, dass die Fasnacht ein toller Brauch ist. Ich vergleiche meine Haltung mit jemandem, der gerne klassische Konzerte besucht, selber aber kein Instrument spielt.»


Anzeige: