Von 32 auf 5 Car-Parkplätze

INSELI ⋅ Der Luzerner Stadtrat macht Vorschläge zur Umsetzung der Inseli-Initiative der Juso. Für die Initiative-Gegner sind die Massnahmen aber ungenügend.
13. Juli 2017, 00:00

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Alle 32 Carplätze auf dem Inseli hinter dem Luzerner Bahnhof sollen aufgehoben werden. Das verlangt die Juso-Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine», über die am 24. September abgestimmt wird. Stadtrat und Parlament unterstützen die Initiative. Wo die wegfallenden Parkplätze kompensiert werden sollen, ist weiterhin unklar. Immerhin präsentiert der Stadtrat jetzt eine Idee, wie man zumindest die bestehenden sechs Anhalteplätze teilweise erhalten könnte.

Drei von ihnen könnten um ein paar Meter an den Rand des Inseli­quais verschoben werden. Weitere zwei Anhalteplätze für Cars könnte es vor dem Café Luz bei der SGV-Landungsbrücke geben (siehe Grafik). Damit will der Stadtrat sicherstellen, dass Car-Touristen auch weiterhin in nächster Nähe zum KKL und zur Schiffsstation aussteigen können.

Schiffspassagiere reisen immer öfter per Car an

Dass sich der Stadtrat für die Schiffspassagiere einsetzt, findet SGV-Sprecher Werner Lüönd zwar erfreulich. Doch die vorgeschlagene Lösung genüge bei weitem nicht, da sie immer noch einen Abbau von 27 Carparkplätzen beinhaltet. Für Lüönd ist deshalb klar, dass die SGV die Inseli-Initiative «mit aller Kraft bekämpfen» wird. Es gebe keinen Grund, an den bestehenden Parkplätzen etwas zu ändern. Im Gegenteil: «Der Carparkplatz Inseli wird für uns zunehmend wichtig, da wir immer mehr Schiffspassagiere haben, die per Car anreisen», sagt Werner Lüönd. Die Parkplätze seien zudem nicht nur für die SGV wichtig, «sondern für den ganzen Tourismus relevant».

Im Nein-Komitee, das die ­Juso-Initiative bekämpft, ist denn auch nicht nur SGV-Verwal­tungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter vertreten, sondern auch der Präsident von Luzern Tourismus, Ferdinand Zehnder. Weiter sind die City-Vereinigung, der Wirtschaftsverband sowie Gastro Luzern und Luzern Hotels im Komitee vertreten.

Von politischer Seite wird die Ini­tiative durch CVP, FDP und SVP bekämpft. «Mit den paar zusätzlichen Anhalteplätzen präsentiert der Stadtrat keine wirklichen Lösungen», kritisiert FDP-Präsident Fabian Reinhard. Bedenklich sei vor allem, dass sich der Stadtrat für die Juso-Initiative ausgesprochen habe, ohne zu wissen, wie die Carplätze ersetzt werden können. Dass die Parkplätze auf dem Inseli sehr gefragt sind, bestreitet auch der Stadtrat nicht. Zählungen haben ergeben, dass das Inseli täglich von durchschnittlich 160 Cars angefahren wird. Bei 94 Prozent der Fahrten handelt es sich um Touristencars. Der Grossteil ihrer Passagiere habe allerdings nicht das Inseli oder das KKL als Ziel, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf eine FDP-Interpellation. Deshalb könnten die wegfallenden Parkplätze problemlos anderswo kompensiert werden. Bei der Suche nach Alternativstandorten musste der Stadtrat allerdings weit über die Grenzen der Innenstadt Ausschau halten. Nach dem Scheitern der Erweiterung Brüelmoos bleiben nur noch Standorte wie der Mattenhof Kriens, das Gewerbegebiet Ibach oder – wie vom Stadtrat neuerdings ins Spiel gebracht – das Ried im Friedental. Doch diese Standorte sind wenig realistisch. Etwa, weil sie zu abgelegen sind oder weil die Gemeinde Kriens gar keine Carparkplätze will.

André Bachmann, Präsident der City-Vereinigung, kritisiert, der Stadtrat habe es «komplett verpasst, mehrheitsfähige Konzepte zu erarbeiten». Dies auch deshalb, weil die direkt Betroffenen nur ungenügend einbezogen worden seien. Zwar gab es Gespräche zwischen der Stadt und den einzelnen Interessengruppen. Doch das Beispiel SGV zeigt, dass man von einem gemeinsamen Nenner weit entfernt ist.

Wieso unterstützt der Stadtrat also die Inseli-Initiative, wenn noch gar nicht klar ist, wie diese umgesetzt werden kann? Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) sagt dazu: «Der Stadtrat gewichtet das Aufwertungspotenzial des Inseli für sehr hoch und ist überzeugt, gute Lösungen für die Reisecars zu finden. Zum Teil dieselben Kreise, die die Initiative jetzt ablehnen, waren für die Salle Modulable – inklusive Aufhebung der Carparkplätze.» Borgula findet, man habe noch genügend Zeit, valable Alternativen fürs Inseli zu suchen. Denn die Neugestaltung des Inseli inklusive Aufhebung der Parkplätze sei erst ab 2023 vorgesehen – vorausgesetzt, das Volk sagt Ja zur Initiative.

Die Määs kann auf dem Inseli bleiben

Lob erhält der Stadtrat von den Initianten. Die Juso begrüssen die neuen Anhalteplätze am Inseliquai und bei der Landungsbrücke. Der Stadtrat hält auch fest, dass die Määs durch die Inseli-Initiative nicht gefährdet sei. Im Gegenteil: Die Umgestaltung biete die Chance, die Infrastruktur für Marktstände und Luna-Park zu verbessern. Borgula: «Wir haben uns von Anfang an immer klar zur Määs auf dem Inseli bekannt.»


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