Wie man mit 25 Franken durch die Määs fliegt

LUZERN ⋅ Wofür geben Kinder an der Luzerner Herbstmesse ihr Geld aus? Wir machten die Probe aufs Exempel – und staunten über den Spareifer der drei «Testpersonen».
06. Oktober 2017, 00:00

Salvina (11), Coraline (11) und Elias (12) sind bereit: Ausgestattet mit je 25 Franken, stürzen sie sich ins Määs-Getümmel. «Ich bin dafür, dass wir zuerst die Factory-Bahn machen. Da werden wir noch mit Wasser bespritzt», schlägt Salvina vor. Nach einigem Rütteln, Schwanken und einer nicht ganz unfreiwilligen Dusche ist die erste Bahn geschafft. Fazit von Coraline: «Cool, aber nicht so schlimm. Das war gut zum Aufwärmen.» Ihrer Aussage entsprechend geht es sofort zur nächsten Bahn, und Elias merkt: «Wenn wir drei Chips auf einmal lösen, ist das billiger. Dann können wir Geld sparen.» Gesagt, getan: Für das Schaukelkarussell müssen die drei Schulkinder nur noch 10 Franken bezahlen. Der Spargedanke beflügelt die Kinder auf der Fahrt im Karussell zusätzlich und trägt wohl auch zum positiven Fazit bei: «Das Karussell gefällt mir, man hat einen guten Überblick über die Stadt. Auch die Musik finde ich super», meint Elias.

Auf dem Weg zur nächsten Bahn kämpfen sich die drei durch Kinderwagen, Menschenmassen und Verpflegungsstände. Auch Musik, Gekreische und lautes Lachen tragen zur Chilbistimmung bei. Die Gewinnspiele lassen die Primarschüler einstimmig links liegen, dies mit einleuchtendem Grund: «Gewinnspiele sind teuer, und man muss gut zielen können. Und die Preise gehen viel zu schnell kaputt», so Salvina. Sie war dieses Jahr bereits an der Määs und kennt sich aus.

Zu dritt auf dem Zweiersessel

Mit ihren beiden Kameraden steuert sie auf das nächste Zielobjekt zu: die Calypso-Bahn. Die sich in alle Richtung drehenden Karussellgondeln sind jedoch nur für zwei Personen bestimmt. Salvina ergreift die Initiative und meldet ihr Anliegen dem Ticketverkäufer. Strahlend kehrt sie zurück: «Wir dürfen zu dritt auf die Bahn gehen. Und der freundliche Mann hat uns sogar die Chips zum halben Preis gegeben.» Stolz auf ihr zweites Spar-Erfolgserlebnis geniessen die drei Kinder – trotz engen Platzverhältnissen – die Fahrt auf der mehr als 50-jährigen Kultbahn.

Folgt man der Laufrichtung im Lunapark, so wäre nun die Maxximum, die dieses Jahr das erste Mal an der Määs ist, an der Reihe. Doch hier sind sich die Kinder rasch einig: «Diese Bahn ist teuer, und ich getraue mich nicht darauf. Vielleicht in ein paar Jahren dann», meint Coraline mit einem kritischen Blick auf die 52 Meter hohe Bahn.

Ohnehin bleibt man bei der diesjährigen Hauptattraktion der Määs schön am Boden: Im 4-D-Kino Phaenomenon taucht man in eine Welt voller Canyons, Goldminen und klappernden Eisenbahnen. Die rüttelnden Sitze, der Wind und die zahlreichen zusätzlichen Effekte machen das Kino zu einem Erlebnis, das alle Sinne weckt. Der Betreiber des Kinos erklärt: «Ich habe mehr als 100 Filme zur Auswahl. Je nach Publikum wähle ich einen anderen aus.» Elias ist besonders begeistert: «Ich hatte das Gefühl, ich fliege.»

Der Duft von Magenbrot, Zuckerwatte und Marroni erfüllt die Luft und weckt bereits erste Gelüste. Doch zuerst muss die finanzielle Lage überprüft werden. Das Geld wird zusammengelegt, und Elias zieht Bilanz: «Wir haben nun alle zusammen noch knapp 30 Franken. Ich denke, wir sollten jetzt etwas zu essen kaufen und dann schauen, wie viel noch übrig bleibt.» Doch das Vorhaben wird sogleich wieder in den Sand gesetzt. Der Grund: die Putschautobahn. Nach unzähligen Kollisionen, hektischen Fahrmanövern und rasanten Verfolgungsjagden ist der Hunger dann aber doch zu gross.

Bei gebrannten Mandeln, Magenbrot, Popcorn und Cola lassen die Kinder das bereits Erlebte Revue passieren und besprechen eifrig, wie sie das verbleibende Geld am besten investieren sollen. «Die Factory fand ich am coolsten. Ich würde gerne noch einmal diese Bahn machen», vermeldet Coraline. Bereits etwas müde lassen sich die beiden Sechstklässler leicht überreden.

Am Ende muss die Reporterin dran glauben

Gleichwohl hat Salvina noch einen anderen Wunsch: Die Reporterin soll diesmal auch mitfahren. Eigentlich hatte ich mich schon glücklich geschätzt, dass bis anhin noch keines der Kinder auf diese Idee gekommen war. Mit beschleunigtem Pulsschlag und feuchten Händen verlasse ich die Bahn nach einer turbulenten Fahrt mit einem etwas mulmigen Gefühl. Und bin froh, dass ich drei begeisterte, kühne und schwindelfreie Testpersonen engagieren konnte, die an meiner Stelle die Fahrgeschäfte der diesjährigen Määs testeten.

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

über die «Factory»-Bahn


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