Wieso Wildtiere im Haus nichts verloren haben

KRIENS ⋅ Eine Spaziergängerin entdeckt auf dem Sonnenberg drei vermeintlich verwaiste Fuchswelpen und nimmt sie kurzerhand nach Hause mit. Das ist gut gemeint, aber das falsche Vorgehen, mahnen Experten.
12. Juni 2017, 00:00

Von April bis Juli haben Wildtiere ihre Hauptsetz- und -brutzeit. Derzeit sind also besonders viele Jungtiere in den Wäldern unterwegs. Auf dem Sonnenberg hat unlängst ein Leser unserer Zeitung spielende Dachse entdeckt. Weil er nicht genau wusste, ob die Tiere verwaist waren, meldete er seine Entdeckung der Luzerner Polizei. Diese wiederum meldete dies dann an der zuständigen Stelle dem Jagdaufseher weiter.

«Das ist auch der richtige Weg», sagt Peter Ulmann, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Doch nicht alle Wanderer reagieren so. So komme es in vereinzelten Fällen vor, dass Wildtiere wie Füchse oder Rehe mitgenommen würden. «Sicher ist es in einem guten Sinn gemeint, doch es ist widerrechtlich», sagt Ulmann. «Leider denken viele, solche Tiere seien verwaist. Doch dem ist nicht so.»

«Falsches Naturverständnis»

Nach Angaben der Dienststelle Landwirtschaft und Wald sind zwei Fälle bekannt, in denen in den letzten Jahren wild lebende Säugetiere von Personen aufgegriffen und mitgenommen wurden. Ein Fall, der unserer Zeitung zugetragen wurde, lief wie folgt ab: Bei einem Spaziergang auf dem Sonnenberg Richtung Wolfsschlucht entdeckt eine Frau drei Fuchswelpen. Der Spaziergängerin kamen die drei jungen Tiere verwaist vor. Also packte sie die drei putzigen Kerlchen kurzerhand ein und nahm sie mit nach Hause. Sie begann, die wenige Wochen alten Jungtiere mit Katzenmilch zu füttern.

Doch bald schon wurde der Frau das zu viel. Sie meldete sich bei der Jagdverwaltung. Dort hatte sie per Mail Kontakt mit Daniel Schmid, dem kantonalen Wildhüter: «Ich habe der Frau geschrieben, dass sie die Tiere sofort wieder zurückbringen muss.» Das habe sie offenbar auch getan. Auch Schmid ist überzeugt, dass dahinter gute Absichten stecken, doch es sei ein «falsches Naturverständnis».

Die Dienststelle hat zum Umgang mit Wildtieren im Wald ein Merkblatt verfasst (siehe Bonus-Hinweis am Ende des Artikels). Als weitere Massnahme, um den jungen Wildtieren ihre Ruhe zu ermöglichen, gilt bis 31. Juli die Leinenpflicht für Hunde in Luzerns Wälder. Es halten sich aber nicht alle Hundehalter daran. Deshalb sind die Wildhüter derzeit mit einem Beutel Hundeguetzli in den Wäldern unterwegs.

«Wir verteilen die abgepackten Hundeguetzli und bedanken uns bei den Hundehaltern für das Einhalten der Vorschrift oder machen solche, die sich nicht daran halten, auf die Leinenpflicht aufmerksam», sagt ein Vertreter der Luzerner Jägerschaft. Diese hat die Aktion lanciert und betont, dass das Vorgehen durchs Band gut ankomme.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

www. Mehr Infos zu Wildtieren auf: luzernerzeitung.ch/bonus

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