Wohnen in der Fabrik

KRIENS ⋅ Das Siegerprojekt für die Entwicklung des Andritz-Areals ist erkoren worden. Es vermischt Produktion und Wohnen – und dürfte noch einige Diskussionen provozieren.
01. Dezember 2017, 00:00

Die Produktion ist bereits weg, das Land verkauft. Was bisher noch fehlte, ist eine Vision für die künftige Nutzung des Firmenareals von Andritz Hydro mitten in Kriens. Die Gemeinde beteiligte sich deshalb am Europan-Wettbewerb. Es handelt sich dabei um ein Wettbewerbsverfahren für neue Ideen in Architektur und Städtebau, das gleichzeitig in mehreren Ländern zu einem gemeinsamen Thema ausgeschrieben wird. Das diesjährige Thema lautete «Die produktive Stadt».

Nun ist das Verfahren abgeschlossen. Den Wettbewerb für das Andritz-Areal gewonnen hat das Office Oblique in Zürich der deutschen Architekten Konrad Scheffer und Sarah Haubner. Sie setzten sich gegen 16 weitere Teams durch. Mit ihrem Projekt «Die Fabrik» vermischen sie Wohnen und Produktion auf demselben Areal. Vorgesehen sind Shedhallen, in denen Gewerbe- und Produktionsbetriebe sowie Ateliers untergebracht werden. Umgeben sind sie von mehreren meist lang gezogenen Wohnbauten unterschiedlicher Höhe. Dadurch entsteht laut Jury-Bericht «eine lebendige Skyline, die sich in die Umgebung einpasst». Historische Industriebauten werden mit verdichteten Neubauten kombiniert. Die bebaute Fläche bleibt in etwa gleich gross wie heute.

Gemeinde will Flächen für Produktion

Die Gemeinde Kriens war in Berlin vertreten, als das Siegerprojekt ausgewählt wurde. Es passe zu den Entwicklungsplänen der Gemeinde, sagt Bauvorsteher Matthias Senn (FDP): «Es war von Anfang an unsere Absicht, im Gegensatz zum Mattenhof, Flächen für das produzierende Gewerbe zu haben.» Diesem werde im Projekt «Die Fabrik» viel Platz eingeräumt.

Gleichzeitig betont Senn: «Es handelt sich erst um eine Testplanung und liefert die Grundlage für die nächsten Schritte.» Wie das Projekt schliesslich genau umgesetzt wird, ist also noch offen. Das hängt auch vom Einwohnerrat ab. Die neue Grundeigentümerin, die Logis Suisse AG, welche das Land von Andritz Hydro gekauft hat, spricht von 450 Wohnungen auf dem Areal. Dafür wäre allerdings eine Umzonung nötig. Das Land befindet sich heute in einer Arbeitszone. Ob der Einwohnerrat einer Umzonung zustimmt, ist nicht sicher. Die Fraktionen äusserten sich bisher skeptisch, sie wollen die Gewerbeflächen im Zentrum erhalten. Senn sagt denn auch: «Das nun vorliegende Projekt provoziert die Diskussion darum, wie viel produktive Fläche wir im Zentrum brauchen.» Die Gemeinde will das Siegerprojekt Anfang des nächsten Jahres an einer Informationsveranstaltung der Öffentlichkeit vorstellen.

Derweil beginnt nun der weitere Planungsprozess. Die Gemeinde beauftragt das Office Oblique mit der Weiterbearbeitung. «Vorgesehen ist, das nächste Jahr für die Vorbereitung des Bebauungsplans zu nutzen», sagt Senn. Dies soll in einem kooperativen Prozess mit allen Beteiligten geschehen. Dabei hofft der Gemein­derat weiterhin, Andritz Hydro dazu zu bewegen, die verbleibenden Geschäftsbereiche inklusive dem Turbinenservice in Kriens zu belassen. Diesbezüglich hat die Firma noch keinen Entscheid gefällt. Nach Verkauf des Grundstücks hat sie mit Logis Suisse einen auf fünf Jahre befristeten Mietvertrag abgeschlossen.

Mit dem Projekt «Die Fabrik» trifft das Architektenduo von Office Oblique den Nerv der Zeit. Es ist das Ziel der Gemeinden, die Wege für Pendler zu verkürzen oder gar ganz zu vermeiden. Doch wie attraktiv ist es, direkt neben einer Fabrik zu wohnen? «Eine solche Kombination ist immer ein Experiment», sagt Konrad Scheffer. Doch die Produktionsbetriebe seien nicht mehr so laut wie früher und die Architektur so ausgelegt, dass der Lärmschutz gewährleistet ist. Scheffer: «Die Leute sollen Spass daran haben, im gleichen Quartier wohnen und arbeiten zu können.»

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch


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