Wohnungen treffen auf Industrie

BAUBOOM ⋅ Im Rontal entstehen – ähnlich wie in Luzern Süd oder rund um den Seetalplatz – zahlreiche grosse Bauprojekte. Anders als in den beiden anderen Gebieten bauen auch ansässige Firmen kräftig aus.
19. Juni 2017, 00:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Das Wort «Bauboom» mag etwas überstrapaziert sein – doch was in der Luzerner Agglomeration abgeht, kann man getrost als solchen bezeichnen. In den Gebieten rund um den Seetalplatz – auch Luzern Nord genannt – und um die Allmend (Luzern Süd) wird bereits kräftig gebaut.

Im Rontal (Luzern Ost) entsteht derzeit die Mall of Switzerland, die am 8. November eröffnet wird. Doch das ist nur der Anfang. Die Einwohnerzahl der Gemeinden Ebikon, Buchrain, Dierikon, Gisikon, Honau, Root und Inwil soll bis 2030 von ­derzeit insgesamt rund 30000 auf 38500 steigen, die Zahl der Arbeitsplätze von 16000 auf 23000. Vor allem im Grenzgebiet zwischen Ebikon und Dierikon sind Grossprojekte geplant:

Auf dem Amag-Areal entstehen 230 Wohnungen. Dies, weil die Amag von Ebikon nach Buchrain zügelt. Derzeit wird das ­Vorprojekt erarbeitet, der Bebauungsplan kommt frühestens 2018. Klar ist, dass es weniger als einen Parkplatz pro Wohnung geben soll. Der Bezug wird ungefähr ab 2021 möglich sein. Die Baukosten sind noch nicht bekannt.

Der Bushub Ebikon soll im Dezember 2019 eröffnet werden. Dann wird auch die zur Mall verlängerte Linie 1 in Betrieb genommen. Die Baukosten betragen rund 10 Millionen Franken. An den Kosten beteiligen sich der Kanton und die Gemeinde.

Der MParc wird nach der Eröffnung der Mall of Switzerland geschlossen, weil die Migros im neuen Einkaufszentrum Ankermieterin wird. Daher plant sie auf dem MParc-Areal die Überbauung Qube mit 280 Wohnungen, teils auch im höheren Preissegment. Weiter sind Gewerberäume, ein 55-Meter-Hochhaus und ein kleiner Park vorgesehen. Für das sind 265 Parkplätze geplant, heute sind es rund 500. Der Bebauungsplan wird derzeit vom Kanton geprüft, im Herbst soll die Ebikoner Bevölkerung darüber abstimmen. Die Bauarbeiten sollen 2019 beginnen, der Bezug erfolgt in Etappen ab 2021/22. Über die Investitionskosten macht die Migros noch keine Angaben.

Schindler will seinen Hauptsitz bis 2019 für rund 100 Mil­lionen Franken neu gestalten. Neben dem bereits gebauten Parkhaus entsteht ein Neubau mit sieben Geschossen, das ein Besucherzentrum, das Personalrestaurant, eine Cafeteria und ein Auditorium enthalten soll. Weiter wird das Managementgebäude renoviert.

Die Mall of Switzerland in Ebikon wird am 8. November eröffnet. Vorgesehen sind 1100 Arbeitsplätze. Mit einer Gesamtmietfläche von rund 65 000 Quadratmetern wird es das zweit­grösste Einkaufszentrum der Schweiz sein. Es beinhaltet auch ein Kino und eine Indoor-Surfwelle. Pro Jahr werden 4,5 bis 5 Millionen Besucher erwartet. Geplant sind 1600 Parkplätze, was vergleichsweise wenig ist. Im Emmen-Center, das nur etwa halb so gross ist wie die Mall, sind es 2400. Hinter dem Projekt steht die Abu Dhabi Investment Authority, ein Staatsfonds des Emirats. Die Baukosten betragen rund eine halbe Milliarde Franken.

Auf dem Rockwell-Areal in Dierikon sind im geplanten Rontalzentrum 380 Wohnungen geplant. Damit legt die Gemeinde bevölkerungsmässig auf einen Schlag um 50 Prozent zu. Derzeit sind es knapp 1500 Einwohner. Weiter entstehen auf dem Areal 20000 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen sowie ein kleiner Park, der auf einem rund 15 Meter hohen Sockel realisiert wird. Zulässig sind maximal 462 Parkplätze. Der Baustart erfolgt nicht vor 2019, voraussichtlich am 13. Dezember entscheidet das Stimmvolk über die Umzonung in eine Mischzone. Grundeigentümerin ist Schindler, die Baukosten sind noch nicht bekannt.

Das Technologieunternehmen Komax plant einen zusätzlichen Neubau mit sechs Stockwerken für Produktion und Büros sowie einem unterirdischen Lager. Die Firma will ihre Standorte Rotkreuz und Küssnacht auf­geben und die Arbeitsplätze nach Dierikon verlagern. Die Baubewilligung liegt vor, die Arbeiten beginnen voraussichtlich im August. Der Bezug ist 2019 vorgesehen. Zu den Baukosten macht ­Komax keine Angaben.

Die Migros-Genossenschaft Luzern will ihre Betriebszentrale in Dierikon für 28 Millionen Franken ausbauen. Geplant ist eine neue Verlade- und Gebindehalle auf 5600 Quadratmetern Fläche. Weiter werden die bestehenden Gebäude modernisiert. Die Kosten betragen 28 Millionen Franken. Als Nächstes folgt die Baueingabe an die Gemeinde, die Arbeiten sollen im Herbst beginnen und voraussichtlich bis 2020 dauern.

Öffentliche Einrichtungen werden ausgebaut

Auffällig ist, dass viele ansässige Firmen ihre Räumlichkeiten im Rontal ausbauen. Dies ist ein Unterschied zu Luzern Süd oder Luzern Nord. Dort werden neben zahlreichen Wohnungen zwar auch Büros realisiert. Die Firmen, wie etwa die Swisscom im Mattenhof, treten aber nicht selbst als Bauherren auf. Daher wird das Rontal auch künftig noch stark industriell-gewerblich geprägt sein.

Dennoch sind neue öffentliche Einrichtungen für die wachsende Bevölkerung nötig. So ­planen die Rontaler Gemeinden, auch wegen der zusätzlichen Schwimmstunden im Lehrplan 21, ein gemeinsames Hallenbad. Drei Standorte sind im Gespräch: Root D4, Mall of Switzerland und Risch in Ebikon (Ausgabe vom 30. März). Auch ein neues Schulhaus ist ein Thema. Derzeit erarbeitet Ebikon eine neue Immobilienstrategie mit Schulraum­planung, erste Informationen sind im Herbst zu erwarten.

Ebenfalls in Arbeit ist das Gesamtverkehrskonzept Rontal. Details sind noch nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass besonders der ÖV gefördert werden soll, um einen Verkehrskollaps zu verhindern. Bei den bereits geplanten Bauprojekten ist in der Regel bereits weniger als ein Parkplatz pro Wohnung vorgesehen.


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