Beschäftigte leiden mehr unter Stress und Erschöpfung

STUDIE ⋅ Travailsuisse hat die Zufriedenheit der Schweizer Arbeitnehmer getestet. Besonders im Tessin ist die Angst um den Arbeitsplatz gross.

22. November 2016, 00:00

Arbeitnehmende in der Schweiz erleben ihre Arbeit mehrheitlich als Sinn stiftend und nützlich. Nur eine kleine Minderheit macht sich unmittelbar Sorgen um den Arbeitsplatz. Für die meisten sind aber immer mehr Stress und emotionale Erschöpfung Realität.

Verbesserungspotenzial gibt es zudem bei Weiterbildungsmassnahmen und Löhnen. Das sind einige der Ergebnisse des Barometers Gute Arbeit, das vom Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse und von der Berner Fachhochschule erarbeitet wurde. 1400 Arbeitnehmende wurden dazu im Mai in der ganzen Schweiz befragt.

Mehr Sorge am Genfersee und im Tessin

«Der Schweizer Arbeitsmarkt ist ein Wachstumsmarkt mit inzwischen über 5 Millionen Erwerbstätigen. Wir messen mit dem Barometer seinen Luftdruck, um Wettervorhersagen zur aktuellen Situation zu machen», erklärte Travailsuisse-Präsident Adrian Wüthrich gestern vor den Medien in Bern. Die Luft weg bleibt gemäss der Studie dabei vor allem Beschäftigten im Tessin und in der Genferseeregion. Während sich im Schweizer Durchschnitt gut 13 Prozent der Befragten in hohem oder sehr hohem Mass um ihren Arbeitsplatz sorgen, sind es im Tessin rund ein Fünftel und in der Genferseeregion gar über ein Viertel.

Während in der übrigen Schweiz fast die Hälfte der Beschäftigten befürchtet, bei einem Stellenverlust nicht oder kaum wieder eine vergleichbare Stelle zu finden, sind es im Tessin über 70 Prozent. Diese Ängste dürften sich auch in der psychischen Belastung niederschlagen.

Während in der Deutschschweiz rund ein Drittel der Arbeitnehmenden angibt, sich am Ende des Arbeitstages oft oder sehr häufig emotional erschöpft zu fühlen, sind es in der Genferseeregion knapp 40 Prozent und im Tessin fast 50 Prozent. Dafür verantwortlich ist laut Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travailsuisse, der exponierte Arbeitsmarkt in den beiden Regionen mit sehr vielen Grenzgängern.

Wunsch nach Weiterbildung

Als generelle Defizite des «liberalen» Schweizer Arbeitsmarktes ortet Travailsuisse aufgrund der Umfrage, dass fast die Hälfte der Arbeitnehmenden beklagt, dass Weiterbildung gar nicht oder zu wenig gefördert wird.

Der in vielen Branchen beklagte Fachkräftemangel stehe im Widerspruch zu der von den Arbeitgebern geförderten beruflichen Weiterbildung. Bei mehr als der Hälfte der Befragten wurde ausserdem entweder gar kein jährliches Mitarbeitergespräch (17 Prozent) geführt oder dieses als nicht konstruktiv wahrgenommen (fast 40 Prozent).

Diese Mitarbeitergespräche wären aber eine Gelegenheit für Mitarbeiter, Weiterbildungswünsche zu platzieren. (sda)


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