Fluris umstrittenes Engagement

ENERGIESTRATEGIE ⋅ Die Stiftung für Landschaftsschutz setzt sich für ein Ja zum Energiegesetz ein. Nicht so deren Präsident Kurt Fluri. Der FDP-Nationalrat kämpft in einem gegnerischen Umweltkomitee für ein Nein.
13. April 2017, 00:00

Roger Braun

Es sind Leute aus der zweiten Reihe, die sich im Umweltkomitee gegen die Energiestrategie 2050 versammelt haben. Einzige prominente Stimme ist Kurt ­Fluri, FDP-Nationalrat und Präsident der Stiftung für Landschaftsschutz. Es gibt allerdings einen Schönheitsfehler. Denn Fluris Organisation engagiert sich im Abstimmungskampf nicht gegen, sondern für die Energiestrategie.

Fluri sieht auf Anfrage kein Problem. «Die Stiftung für Landschaftsschutz verteilt keine Maulkörbe», sagt er. Es gebe im Stiftungsrat sowohl Gegner als auch Befürworter. «Jeder kann frei sagen und denken, was er will.» Fluri zieht Parallelen zur FDP. Auch dort gebe es mehrere Parlamentarier, die für ein Nein am 21. Mai kämpften – obwohl die Partei die Ja-Parole gefasst habe. Allerdings: Im Unterschied zu Fluri hält sich FDP-Präsidentin Petra Gössi im Abstimmungskampf zurück, obschon sie das Gesetz ablehnt. Fluri sagt, er habe sich bewusst für ein Engagement entschieden – «im Einklang mit dem Stiftungszweck».

Landschaftsschützer tun sich schwer mit Vorlage

Wenig Freude daran hat der grünliberale Nationalrat Beat Flach (Aargau), der ebenfalls im Führungsgremium der Stiftung für Landschaftsschutz sitzt. Er sagt, der Stiftungsrat habe nach langer Debatte mit grosser Mehrheit die Ja-Parole beschlossen. «Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr bedauerlich, dass sich der Präsident von einem gegnerischen Umweltkomitee einspannen lässt.» Flach hat ein gewisses Verständnis, dass sich Fluri als Person und Nationalrat dagegen engagiert, «doch dass er auf der Webseite mit seiner Funktion als Präsident der Stiftung für Landschaftsschutz auftritt, ärgert mich». Flach sagt, er werde Fluri kontaktieren und ihn bitten, das zu korrigieren. «Sonst entsteht der Eindruck, dass die Stiftung für Landschaftsschutz gegen die Energiestrategie ist.»

Auch wenn Fluris Positionsbezug als Präsident gewagt ist: Seine Haltung ist bezeichnend für die Zerrissenheit der Landschaftsschützer. Die Stiftung für Landschaftsschutz hatte den parlamentarischen Prozess kritisch begleitet und schliesslich nur zähneknirschend zugestimmt. Der kleinere und radikalere Verband «Freie Landschaft» lehnt das Gesamtpaket sogar ab. Die Naturfreunde tun sich schwer mit der Bestimmung, wonach der Bau von Produktionsanlagen für erneuerbare Energien künftig ­genauso im nationalen Interesse ist wie der Natur- und Heimatschutz. Windpärke, grosse Solaranlagen oder Wasserkraftwerke können so einfacher in geschützten Landschaften gebaut werden. «Damit kommt der Landschaftsschutz noch mehr unter Druck», sagt Fluri. Er hatte sich dafür eingesetzt, dass wenigstens die 162 Landschaften von nationaler Bedeutung weiterhin besonderen Schutz genossen hätten, unterlag jedoch im Parlament.

Für die Mehrheit der Stiftung für Landschaftsschutz überwiegen trotzdem die positiven Punkte der Energiestrategie. «Der Klimawandel ist eine viel grössere Bedrohung für die Landschaft als einige Windräder», sagt Flach. Deshalb müssten die erneuer­baren Energien gestärkt werden. Wichtig sei auch der Ausstieg aus der Atomenergie. «Denn im Falle eines atomaren Unfalls ist die Landschaft unwiderruflich verseucht.» Für Flach lässt sich der Schutz der Landschaft mit dem Zubau erneuerbarer Energien vereinbaren. «Deshalb stimmen auch alle grossen Umweltverbände, die Grünliberalen und die Grünen dem Gesetz zu.»

«Es ist sehr bedauerlich, dass sich der Präsident von einem gegnerischen Umweltkomitee einspannen lässt.»

Beat Flach

Nationalrat (GLP/AG)


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