«Ich bin der Angestellte»

LUZERN ⋅ Gestern war Armeechef André Blattmann für den Jahresrapport der militärischen Kaderausbildung in Luzern. Sein möglicher Rücktritt war kein Thema mehr. Blattmann scheint voller Tatendrang.

15. Januar 2016, 00:00

Interview Deborah Stoffel

André Blattmann, welches war in Ihren Augen das Hauptthema der letzten Wochen in Militärkreisen?

André Blattmann*: Ich glaube, das waren die Veränderung der sicherheitspolitischen Situation im Inland und die Verschlechterung der Lage im Ausland: Naher Osten, Ukraine, Zentralafrika, Südchinesisches Meer, sogar die Arktis – überall ist mehr Spannung drin, und man weiss nicht, was rauskommt.

Und die Spekulationen um Ihren Rücktritt?

Blattmann: Das war lediglich eine mediale Geschichte.

Vor einem Jahr haben Sie gesagt, Sie wollen noch bis zu Ihrer Pensionierung im Sommer 2018 Armeechef bleiben. Gilt das noch?

Blattmann: Ich würde Mitte 2018 ordentlich pensioniert. Jedoch muss man diese Frage sachlich, unabhängig von meiner Person beurteilen. Der Entscheid, wann die Zeit für einen Wechsel gekommen ist, liegt beim Bundesrat. Am Montag jedenfalls hat der neue VBS-Chef Guy Parmelin gesagt, dass er gerne so weitermachen möchte und dass er sich auf die Zusammenarbeit mit mir freut.

Es heisst, Sie und Parmelins Vorgänger Ueli Maurer hätten sich auseinandergelebt. Sind Sie erleichtert, dass es im Verteidigungsdepartement (VBS) einen Chefwechsel gegeben hat?

Blattmann: Als Chef der Armee habe ich mich nicht dazu zu äussern, ob ich meinen Chef gerne habe oder nicht. Tatsache ist, dass Bundesrat Ueli Maurer und ich bis zum Schluss ein gutes Verhältnis hatten. Das sagte er selbst an seiner letzten Medienkonferenz als VBS-Chef Ende Dezember. Abgesehen davon ist völlig klar: Der Bundesrat ist der Chef, und ich bin der Angestellte.

Im Frühling stimmt das Parlament definitiv über die Armeereform ab. Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die Reform angenommen wird?

Blattmann: Ich bin sehr optimistisch. Aber schlussendlich ist das eine politische Angelegenheit, ein Entscheid der Parlamentarier.

Haben Sie keine Angst, dass die Vorlage scheitert? Die Reform der Organisationsstruktur zum Beispiel, die längere Entscheidungswege vorsieht, ist sehr umstritten.

Blattmann: Das ist nicht mehr Thema, in der letzten Session waren sich beide Räte im Punkt Organisationsreform einig. Offen sind nur noch zwei Punkte: Wie viele WK soll man künftig machen müssen, und wie viel Geld soll die Armee erhalten, und wie soll man diese Summe festlegen.

Referendumsdrohungen stehen im Raum. Was wäre bei einer allfälligen Volksabstimmung Ihr Hauptargument für die Reform?

Blattmann: Meine Hauptargumente sind die grössere Bereitschaft, weil wir die Mobilmachung wieder einführen, eine bessere praktische Führungsausbildung, weil jeder zuerst die Rekrutenschule absolvieren muss, bevor er Chef wird, sowie die vollständige Ausrüstung der Armee. Das sind alles nachweisbar gute Gründe für die Weiterentwicklung der Armee.

Die Armee ist immer wieder stark gefordert, aktuell beim Weltwirtschaftsforum (WEF). Jetzt, wo der IS-Terror nach Westeuropa gekommen ist: Bräuchte die Armee mehr Geld oder Personal?

Blattmann: Weil die Lage weniger sicher geworden ist in den letzten Monaten, gab es tatsächlich zusätzliche materielle Bedürfnisse. Die konnten wir abdecken.

Sie waren gestern am Jahresrapport der Höheren Kaderausbildung (HKA) in Luzern. Welche Bedeutung hat die Kaderausbildung noch für die Wirtschaft?

Blattmann: Die Bedeutung der Ausbildung ist sogar noch grösser geworden. Viele Unternehmer haben erkannt, dass Personen, die bei uns die Führungsausbildung genossen haben, systematisch geschult sind. Sie wissen, wie sie an ein Problem herangehen müssen. Und sie haben Führungserfahrung, die sie bei uns schon in jungen Jahren sammeln konnten. Diese Ausbildung ist einzigartig. Ich bin sicher, dass wir der Schweizer Unternehmenswelt damit sehr sehr Gutes tun.

* Der Zürcher André Blattmann (59) ist seit dem 1. März 2009 Chef der Schweizer Armee (CdA). Er ist gelernter Kaufmann und Betriebsökonom.


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