Krankenkassen wollen weniger zahlen

22. April 2017, 00:00

Medizinische Hilfsmittel Krankenkassen wollen für Inkontinenzprodukte, Produkte für die Blutzuckermessung und Beatmungsgeräte weniger vergüten müssen. Der Dachverband Santésuisse fordert vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Preise für diese Produkte per 1. Juli zu senken. Santésuisse ortet ein Sparpotenzial von rund 34 Millionen Franken im Jahr, wie der Verband gestern schrieb. Patienten müssten keine Qualitätseinbussen hinnehmen. Senke das BAG die zu vergütenden Höchstpreise, würden sie aber nicht mehr mit überhöhten Preisen unnötig belastet. Der Verband stützt seine Forderung auf einen Ausland-Preisvergleich mit Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Italien und Österreich. Verglichen wurden Produkte in identischer Ausführung.

Die Kassen sind laut Santésuisse dazu gezwungen, nur in der Schweiz gekaufte Mittel und Gegenstände zu vergüten. Für die Produkte sind Höchstvergütungspreise festgelegt. Insgesamt vergüten die Kassen pro Jahr rund 550 Millionen für von Ärzten verschriebene medizinische Mittel und Gegenstände.

Bund sieht weniger Sparpotenzial

Das BAG verwies auf Anfrage auf die im Dezember 2015 begonnene umfassende Revision der Mittel- und Gegenständeliste. Zwischen 2016 und 2019 würden Änderungen laufend in Kraft gesetzt. Das Bundesamt sieht aber weit weniger Sparpotenzial als die Kassen, nämlich insgesamt etwa 10 Millionen Franken. Bis Ende 2017 will das BAG jene Produkte unter die Lupe nehmen, die insgesamt zwei Drittel der Kosten für Mittel und Gegenstände verursachen. Zu dieser Kategorie gehören Produkte für Diabetiker, Verbandmaterial und Inkontinenzeinlagen.

Erste Analysen zur Vorbereitung der Revision der Liste haben laut dem Bundesamt für Gesundheit gezeigt, dass die Höchstvergütungsbeträge in der Schweiz nicht systematisch höher sind als die Preise im Ausland. (sda)


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