Leuthard und Wirtschaft setzen auf Macri

OFFIZIELLER BESUCH ⋅ Zum ersten Mal überhaupt besucht mit Doris Leuthard eine Bundespräsidentin Argentinien und Peru. Begleitet wird sie von Wirtschaftsvertretern. Diese sehen gerade in Argentinien Potenzial – dank dem Ende der Kirchner-Ära.
08. April 2017, 00:00

Maja Briner

Doris Leuthard zieht es nach ­Lateinamerika: Nach Ostern reist sie nach Argentinien und Peru, trifft sich mit den Präsidenten beider Länder sowie zahlreichen Ministern. Es ist das erste Mal, dass ein Schweizer Bundespräsident diesen Ländern einen Besuch abstattet, wie Leuthards Departement gestern mitteilte. Gerade für Argentinien – immerhin das zweitgrösste Land Südamerikas – hat sich die Schweizer Politik lange Zeit kaum interessiert. Verschiedene Bundesräte reisten in den letzten Jahren nach Südamerika, besuchten Brasilien, Chile, Kolumbien und auch Peru – jedoch während über zehn Jahren nie Argentinien.

Doch seit der Unternehmer Mauricio Macri vor anderthalb Jahren zum Präsidenten gewählt wurde, ist Argentinien auf der Landkarte der Schweizer Politik wieder aufgetaucht. Macri weckt Hoffnungen: Nach zwölf Jahren linkspopulistischer Regierung des Ehepaars Kirchner leitete er liberale Wirtschaftsreformen ein. In ein für die Schweiz wichtiges Dossier kam Bewegung: Das südamerikanische Handelsbündnis Mercosur beschloss, mit der Europäischen Freihandelsassoziation Efta, zu der auch die Schweiz ­gehört, über ein Freihandels­abkommen zu verhandeln.

«Potenzial für alle Branchen»

Unter anderem über diese anstehenden Verhandlungen will Leuthard mit Macri sprechen. Begleitet wird sie bei ihrer Reise von Schweizer Unternehmern. Es handle sich um eine «relativ grosse» Wirtschaftsdelegation, sagt Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft beim Wirtschaftsdach­verband Economiesuisse.

Die Wirtschaft sieht dank Macri neue Chancen in dem Land. Laut Atteslander bietet ­Argentinien «für alle Branchen Potenzial». Fabio Speciale, Be­rater für Südamerika bei der Exportförderorganisation Switzerland Global Enterprise, sagt: «Schweizer Exporteure, die ein gewisses Risiko einzugehen bereit sind, können sich jetzt gute Startpositionen für einen mög­lichen wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Regierungswechsel im letzten Jahr sichern.» Heute exportieren Schweizer Firmen vor allem pharmazeutische und chemische Produkte sowie Maschinen nach Argentinien. 2015 stiegen die Exporte auf ­einen Rekordwert von rund 840 Millionen Franken, 2016 brachen sie indes um einen Fünftel ein.

Eines der grössten Probleme für Schweizer Exporteure ist laut Speciale die hohe Inflation in ­Argentinien. Diese lag 2016 bei über 40 Prozent. Das verteuert die Schweizer Produkte. Speciale sagt, es sei schwer vorherzusagen, wie sich die Rahmenbedingungen weiterentwickeln.

Leuthard als Türöffnerin

Wegen der hohen Inflation und Arbeitslosigkeit kommt Macri innenpolitisch zunehmend unter Druck. Ein Generalstreik gegen seine Wirtschaftspolitik legte Argentinien am Donnerstag weitgehend lahm. Das dürfte Schweizer Firmen jedoch nicht davon abhalten, ihr Glück zu versuchen. «Es gibt in jedem Markt Risiken – kommerzielle wie auch poli­tische», sagt Atteslander.

Eigentlich wäre ja Leuthards Kollege Johann Schneider-Ammann als Wirtschaftsminister dafür prädestiniert, Schweizer Firmen in anderen Ländern Türen zu öffnen. Dass Leuthard nun mit einer Wirtschaftsdelegation reist, begründet Sprecherin Annetta Bundi damit, dass bei Präsidialtreffen unter anderem auch Wirtschaftsfragen thematisiert werden. Diese Treffen bildeten einen «besonders guten Rahmen, um auch Kontakte und Zugang für ­interessierte Unternehmen zu schaffen», erklärt sie.

«Schweizer Exporteure können sich jetzt gute Start- positionen sichern.»

Fabio Speciale

Switzerland Global Enterprise


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