Premiere in Buenos Aires

PRÄSIDIALREISE ⋅ Erstmals hat mit Doris Leuthard eine Schweizer Bundespräsidentin Argentinien besucht. Sie lobte die Reformen von Präsident Macri. Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen sollen rasch beginnen.
19. April 2017, 00:00

Maja Briner, Buenos Aires

Es ist eine Premiere: Bundespräsidentin Doris Leuthard ist gestern in der «Casa Rosada», dem argentinischen Präsidentenpalast, empfangen worden – als erste Schweizer Bundespräsidentin überhaupt. «Es ist eine sehr grosse Ehre», sagte Leuthard bei der gemeinsamen Medienkonferenz mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri. Für ihn fand Leuthard lobende Worte: Macris Regierung habe mutig ­Reformen angepackt. «Wir sind überzeugt, dass das die richtige Richtung für Argentinien ist», sagte Leuthard. Es sei ein schwieriger Weg, die Resultate würden nicht von einem Tag auf den anderen kommen, sagte sie – und versicherte Macri: «Die Schweiz steht an Ihrer Seite und bedankt sich für die Reformen.»

Der liberale Unternehmer Macri ist seit anderthalb Jahren Präsident von Argentinien. Nach zwölf Jahren linkspopulistischer Regierung des Ehepaars Kirchner leitete Macri liberale Wirtschaftsreformen ein. Diese wecken ­indes Widerstand in Teilen der Bevölkerung; kürzlich legte ein Generalstreik Buenos Aires lahm. Macri aber liess sich davon bisher nicht beeindrucken.

Verhandlungen starten vor Mitte Jahr

Vorwärts machen wollen Leuthard und Macri beim geplanten Freihandelsabkommen zwischen der südamerikanischen Wirtschaftsunion Mercosur und der Europäischen Freihandelsassoziation (Efta), zu der auch die Schweiz gehört. Die Verhandlungen sollen noch vor Mitte Jahr starten, wie Leuthards Departement nach dem Treffen mitteilte. Macri zeigte sich sehr erfreut: «Wir sind enthusiastisch über die Kooperation zwischen Mercosur und Efta», sagte er. Das biete ­viele Chancen.

Allerdings: Mit der EU verhandelt Mercosur schon seit Jahren über ein Freihandelsabkommen. Leuthard zeigte sich im ­Gespräch mit unserer Zeitung dennoch optimistisch für die anstehenden Verhandlungen. Man kenne sich relativ gut, viele Vorarbeiten seien schon geleistet, und Macri unterstütze das Freihandelsabkommen persönlich, sagte sie. «Für die Efta könnte es einfacher sein, das Abkommen auszuhandeln, als für die EU, da die Efta kleiner ist», sagte sie. Einen Zeitplan für das Abkommen konnte sie nicht nennen.

Nicht nur via Efta und Mercosur sollen die Schweiz und Argentinien enger zusammenarbeiten, sondern auch bilateral. Leuthard und Macri vereinbarten gestern in einer gemeinsamen Präsidialerklärung, die Beziehungen zu ­intensivieren. Neben Wirtschaft und Handel streben die beiden Länder auch in anderen Bereichen eine engere Kooperation an, etwa in der Wissenschaft, der Infrastruktur und im Umwelt- und Klimaschutz an.

Begleitet wird Leuthard bei ihrem Besuch in Buenos Aires von einer über 20-köpfigen Delegation aus der Wirtschaft. Diese sieht auch dank Macris Reformen neue Chancen. Die Schweiz ist in Argentinien die Nummer sechs, was Investitionen angeht, wie Leuthard vor den Medien betonte. Nach Gesprächen mit argentinischen Ministern sei sie zuversichtlich, «dass Schweizer Firmen weiterhin in Argentinien Arbeitsplätze schaffen und gute Bedingungen vorfinden können», sagte sie.

Interessant für die Schweiz ist Argentinien auch deshalb, weil das Land nächstes Jahr die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, die G20, präsidiert. Da die Schweiz nicht Mitglied ist, kann sie bei den G20-Treffen jeweils nur teilnehmen, wenn sie vom vorsitzenden Land – diesmal eben Argentinien – eingeladen wird.

Arme Schweiz, reiches Argentinien

Macri und Leuthard betonten beide, die Schweiz und Argentinien hätten dank der Schweizer Auswanderer eine langjährige Verbindung. Im 19. Jahrhundert wanderten etliche Schweizer, insbesondere ärmere, ins damals reichere Argentinien aus. Das Land habe vielen Schweizern eine neue Heimat und eine Zukunft geboten, sagte Leuthard. «Und sie fühlten sich hier offenbar so wohl, dass sie nicht zurückkehren wollten.» In Argentinien leben heute rund 16000 Schweizer – es ist die grösste Auslandschweizergemeinschaft Lateinamerikas. «Das ist eine gute Basis für eine Zusammenarbeit», sagte Präsident Macri.

Während ihres Aufenthalts in Buenos Aires will sich Leuthard auch mit Auslandschweizern treffen. Auf dem Programm steht zudem unter anderem die Besich­tigung der Untertunnelung der Sarmiento-Eisenbahnlinie, bevor es nach Peru weitergeht. Auch dort wird Leuthard die erste Bundespräsidentin sein, die das Land besucht.


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