SVP hat zwei Sitze in Aargauer Regierung

STICHWAHL ⋅ Im Kanton Aargau hat die SVP erstmals einen zweiten Sitz in der Regierung erobert. Gelungen ist ihr das mit Franziska Roth.

28. November 2016, 00:00

In der Stichwahl hat sich Bezirksrichterin Franziska Roth mit gut 10000 Stimmen Vorsprung gegen Yvonne Feri (SP) und Maya Bally (BDP) durchgesetzt. Die 52-jährige Roth schaffte den Sprung in den Regierungsrat mit 61160 Stimmen. Nationalrätin Feri unterlag mit 51344 Stimmen. Grossrätin Bally erzielte 39788 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 39,82 Prozent.

Mit der Wahl von Roth ist die SVP erstmals mit zwei Sitzen im fünf Mitglieder zählenden Regierungsrat vertreten. SP, FDP, CVP haben je einen Sitz. Die SVP ist mit einem Wähleranteil von knapp 32 Prozent bei den Grossratswahlen im Aargau mit Abstand die stärkste Partei. Roth ist seit 2008 Präsidentin am Bezirksgericht Brugg. Sie verfügt über keine Erfahrungen in einem politischen Exekutivamt und wird als Quereinsteigerin in der Regierung sitzen. Roth sagte vor den Medien im Regierungsgebäude, sie freue sich sehr über die Wahl. Sie sei authentisch und sage, was sie wirklich denke. Das werde so bleiben – «vielleicht künftig etwas diplomatischer».

In der Stichwahl eroberte die SVP den noch freien Sitz von Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne), die nach acht Jahren das Exekutivamt abgibt. Die Grünen zogen ihren Kandidaten nach dem schlechten Ergebnis im ersten Wahlgang zurück. Es gilt als wahrscheinlich, dass die neu gewählte Regierungsrätin Roth das Departement Gesundheit und Soziales übernehmen wird. Damit würde Roth auch verantwortlich für die Asylpolitik im Aargau. Die bürgerlichen Parteien kritisierten Hochulis Vorgehen bei der Suche nach Asylunterkünften immer wieder heftig.

SP-Nationalrat Wermuth enttäuscht auf Twitter

Die SP, die bei den Grossratswahlen im Oktober zulegte, wollte mit der 50-jährigen Yvonne Feri, Nationalrätin und Gemeinderätin in Wettingen, erstmals seit 31 Jahren wieder einen zweiten Sitz in der Regierung erobern. Im ersten Wahlgang hatte Feri knapp hinter Roth gelegen. Die BDP trat zur Stichwahl mit der 55-jährigen Grossrätin Bally an, obwohl die Kleinpartei und die anderen Mitteparteien bei den Grossratswahlen Verluste einfuhren. Bally zog Stimmen auf sich, die sonst wohl zur SP-Kandidatin gegangen wären. Nationalrat Cédric Wermuth, Co-Präsident der SP Aargau, bezeichnete Bally deshalb in einem Tweet am Sonntag als «chancenlose Steigbügelhalterin für die SVP». Bally habe «ihre Mission erfolgreich abgeschlossen». In der Stichwahl unterstützte die FDP offiziell die SVP-Kandidatin, die CVP gab keine Empfehlung ab. Vor dem ersten Wahlgang hatten die beiden bürgerlichen Parteien Roth als «unwählbar» bezeichnet. (sda)


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