Vorbehalte gegen 33-Milliarden-Projekt

GÜTERVERKEHR ⋅ Der Bundesrat will die Idee einer Güter-Metro mit einem Spezialgesetz unterstützen. In den betroffenen Kantonen und in Bundesbern stösst das Projekt aber auf Skepsis.

25. November 2016, 00:00

Wer ein utopisch anmutendes Projekt plant, der muss ein guter Verkäufer sein. Die Initianten des unterirdischen Gütertransportsystems «Cargo sous terrain» sind dies zweifellos. «Wir sind von der wirtschaftlichen und der technischen Machbarkeit absolut überzeugt», sagte der Präsident des Fördervereins, Peter Sutterlüti, gestern.

Die Grundzüge haben Sutterlüti und seine Mitstreiter bereits Anfang Jahr präsentiert: Ab 2030 wird ein Teil des Güterverkehrs im Mittelland in den Untergrund verschoben. Die Güter werden in einem 6 Meter breiten Tunnel 50 Meter unter der Erdoberfläche von elektrisch betriebenen Fahrzeugen transportiert. Per Lift werden sie in neue oberirdische Umschlagzentren, sogenannte Hubs, befördert. Von dort erfolgt die Feinverteilung mit umweltschonenden Fahrzeugen. Bis 2045 reicht das Metro-Netz für Waren von Genf bis St. Gallen, Basel und Luzern. Auf den Strassen verkehren weniger Lastwagen. Das führt zu weniger Stau und weniger CO2-Emissionen, die Lärmbelastung nimmt ab.

Soweit die Vision des Fördervereins, in dem unter anderem SBB Cargo, Post, Swisscom und seit neustem auch die Zürcher Kantonalbank sitzen. Ob die Idee je realisiert wird, ist fraglich.

100 Millionen Franken bis im nächsten Sommer

Gestern informierte der Bundesrat darüber, wie er mit dem Projekt umgehen will. Zwar spricht er diesem nur einen «leicht positiven Nutzen» für die Allgemeinheit zu. Trotzdem ist der Bundesrat bereit, ein Spezialgesetz auszuarbeiten, damit die Promotoren nicht in jeder Gemeinde eine Baubewilligung einholen müssen. «Das ist ein Meilenstein», sagte Sutterlüti.

Allerdings stellt der Bundesrat eine Reihe von Bedingungen. Das Gesetz wird erst erlassen, wenn die Träger von Investoren mindestens 100 Millionen Franken zugesichert bekommen haben, davon muss die Hälfte von Investoren aus der Schweiz stammen. «Mit der Absichtserklärung des Bundesrats können wir nun die Gespräche mit potenziellen Geldgebern aufnehmen», sagte Vorstandsmitglied Daniel Wiener. Bis im Sommer 2017 sollen sieben bis zwölf Investoren präsentiert werden, die für die 100 Millionen Franken garantieren. Die Hälfte des Geldes wird gemäss Wiener für die Baubewilligungen der ersten Teilstrecke benötigt, die von Härkingen SO nach Zürich führen soll. Die Gesamtkosten für die Realisierung dieser ersten Etappe veranschlagen die Promotoren mit rund 3 Milliarden Franken.

Bundesrat schliesst finanzielle Beteiligung aus

Zur Vorbedingung für ein Spezialgesetz hat der Bundesrat zudem das Einverständnis der drei Kantone Zürich, Aargau und Solothurn gemacht, die von der ersten Etappe betroffen wären. Die Gespräche verliefen positiv, hiess es gestern seitens des Fördervereins. Der Zürcher Regierungsrat äusserte aber bereits im April «erhebliche Vorbehalte», ob das unterirdische System neben den Hauptachsen auch die Zentren entlasten würde, wo die Feinverteilung stattfindet.

Im Solothurner Baudepartement begegnet man dem Projekt zwar mit Wohlwollen. «Die bisherigen Diskussionen haben aber sehr viele Fragen aufgeworfen», sagt Departementssekretär Bernardo Albisetti. «So konnten uns die Initianten noch nicht plausibel erklären, wie die oberirdischen Umschlagzentren konzipiert werden sollen, ohne zusätzliche Fläche zu beanspruchen.» Interessantes Projekt – Realisierung höchst ungewiss: Das ist auch der Tenor bei den angefragten Verkehrspolitikern in Bern. «In Anbetracht der Kosten setze ich hinter die Machbarkeit ein dickes Fragezeichen», sagt etwa FDP-Nationalrat Thierry Burkart (Aargau). Die Initianten rechnen mit Gesamtkosten von 33 Milliarden Franken. Eine finanzielle Beteiligung des Bundes hat der Bundesrat ausgeschlossen.

Tobias Bär

www. So funktioniert «Cargo sous terrain»: luzernerzeitung.ch/video

«In Anbetracht der Kosten setze ich hinter die Machbarkeit ein dickes Fragezeichen.»

Thierry Burkart

FDP-Nationalrat (Aargau)

In der Schweiz könnten Waren künftig in einem unterirdischen Tunnelsystem transportiert werden. Der Bundesrat ist bereit, das privatwirtschaftliche Projekt "Cargo sous terrain" mit einem Gesetz zu unterstützen. Eine finanzielle Beteiligung des Bundes schliesst er aus. (Youtube, 24.11.2016)




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