Biometrische Identitätskarte ist vom Tisch

AUSWEIS ⋅ Der Bundesrat wollte auf der neuen ID auch Fingerabdrücke speichern. Nun ist klar: Aus dem Chip für biometrische Daten wird vorerst nichts.
11. April 2018, 00:00

Die Ankündigung kam kurz vor Weihnachten 2011, und angesichts ihrer Tragweite griff der Bundesrat zu markigen Worten: Die Rede war von einer «Rundum-Erneuerung». Auf der Identitätskarte sollten künftig auch biometrische Daten gespeichert werden können, also sensible Merkmale wie Fingerabdrücke und ein automatisch identifizierbares Porträtbild.

Doch mit der «Rundum-Erneuerung» wollte es nicht so recht klappen. Das ursprüngliche Ziel, die neue Identitätskarten 2016 einzuführen, wurde verfehlt. Nun sucht der Bund zwar endlich ­einen Generalunternehmer für die Produktion, doch die neuen Karten kommen voraussichtlich erst Ende 2021 in den Verkehr. Mit biometrischen Daten werden sie auch nicht mehr bestückt, wie das federführenden Bundesamt für Polizei (Fedpol) bestätigt. Der Bund ist somit vollends von seinen ursprünglichen Plänen abgerückt. Warum der Rückzieher? Fedpol-Sprecher Sarbach spricht von grundsätzlichen Überlegungen. Eine Karte mit Chip würde «momentan kaum Mehrwert bieten», sagt er.

Dass in der Ausschreibung trotzdem eine Option für die Entwicklung eines elektronischen Speichersystems aufgeführt wird, hängt mit der Langfristigkeit des Auftrags zusammen. Der Bund will sich offenbar ein Hintertürchen offen halten. Denn gesucht wird ein Generalunternehmer, der mindestens zwölf Jahre lang für die Produktion der Identitätskarten zur Verfügung steht. Sollten etwa aufgrund internationaler Bestimmungen doch einmal biometrische Daten gespeichert werden müssen, will das Fedpol vorbereitet sein.

Der neue Ausweis dürfte nicht teurer werden

Gerade Konsumentenschützer dürften die jüngsten Entwick­lungen zufrieden stimmen. Sie kämpften an vorderster Front gegen die Einführung des biometrischen Passes und stellten sich erst recht gegen Identitätskarten mit Chip. Was sie genauso freuen wird: Die künftige ID soll nicht teurer werden als die aktuelle. Der Ausweis kostet für einen Erwachsenen derzeit 65 Franken.

Für die Produktion der neuen Identitätskarten wird ein «Full-Service»-Anbieter gesucht. Der Generalunternehmer muss sowohl Werkstoffe wie Rohkarten als auch Produktionsmaschinen liefern. Bei der Beschaffung gelten Vorsichtsmassnahmen. Aus Gründen der Vertraulichkeit würden «nicht alle Bestandteile der Ausschreibungsunterlagen öffentlich zugänglich gemacht». Beim Prestige-Auftrag dürfte es um eine schöne Stange Geld gehen. Letzten Zahlen zufolge werden jährlich über 825000 Identitätskarten ausgestellt. Wie viel der Auftragnehmer erhält, zeigt sich erst, wenn der Zuschlag vergeben wird. Die Ausschreibung läuft bis Ende Juli.

Wie die neue Identitätskarte aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Die aktuelle Karte wurde 1994 eingeführt und zuletzt 2003 leicht überarbeitet. Bei Ausweisdokumenten ist es ähnlich wie bei Banknoten: Allein schon aus Sicherheitsgründen müssen sie von Zeit zu Zeit erneuert werden. Der Vorsprung gegenüber Fälschern soll möglichst gross sein.

Sven Altermatt


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