Debakel für Genfer Rechtsparteien

GESAMTERNEUERUNG ⋅ In Genf hat einzig Pierre Maudet im ersten Urnengang die Wiederwahl in die Regierung geschafft. Im Parlament legt die FDP zu, die Bürgerbewegung MCG und SVP gehören zu den grossen Verliererinnen.
16. April 2018, 00:00

Pierre Maudet holte bei den ges­trigen Regierungsratswahlen in Genf rund 50000 Stimmen. Der FDP-Politiker übertraf als einziger das absolute Mehr (49000 Stimmen). Die anderen sechs Sitze werden im zweiten Wahlgang verteilt. Am nächsten kam der direkten Bestätigung Mauro Poggia von der Bürgerbewegung Mouvement citoyens genevois MCG (43724), dahinter folgte Serge Dal Busco von der CVP (40834).Auf Platz vier reihte sich Antonio Hodgers für die Grünen (40750) ein, auf Platz fünf Anne Emery-Torracinta von der SP (33347). Da sie im Vorfeld viel Kritik für den Umgang mit der Affäre um den Genfer Islamforscher Tariq Ramadan einstecken musste, zeigte sie sich über den fünften Platz erleichtert.

Auf den Plätzen sechs und sieben lagen die Herausforderer: Thierry Apothéloz von der SP (32980), der einen zweiten Sitz für die Sozialdemokraten gewinnen könnte, und FDP-Kandidatin Nathalie Fontanet (31503), die den Sitz ihres abtretenden Parteikollegen François Longchamp verteidigen will. Zittern um die Wiederwahl muss der amtierende Verkehrsdirektor und zweite CVP-Regierungsrat Luc Barthassat. Mit 27133 Stimme wurde er nur Neunter. Die Rechtsparteien SVP und MCG erlebten ebenfalls einen rabenschwarzen Wahlsonntag beim Kantonsparlament. MCG verlor 9 seiner 20 Sitze. Nach internen Querelen hatten sich in der vergangenen Legislatur fünf Grossräte vom MCG abgespalten. Die im Streit ausgetretene MCG-Galionsfigur Eric Stauffer gründete darauf Geneve en Marche. Die neue Formation holte 4,10 Prozent der Stimmen, verpasste aber die Hürde des Quorums von 7 Prozent deutlich. Überraschenderweise konnte die SVP nicht vom Niedergang des MCG profitieren. Die SVP verlor 3 ihrer 11 Sitze und musste noch um den Wiedereinzug ins Kantonsparlament bangen. Mit 7,32 Prozent übertraf die SVP das Quorum nur knapp.

Die FDP eroberte 4 Sitze und konnte ihre Position als stärkste Partei im Kanton Genf mit 28 Sitzen ausbauen. Ihr Bündnispartner CVP gewann einen Sitz und hat neu 12 Mandate. Auch die Grünen gewannen 5 Sitze und haben neu 15 Sitze, die SP steigert sich um 2 auf 17 Sitze. Im Grossen Rat halten konnte sich das Bündnis Ensemble a Gauche der alternativen Linken, das seine neun Sitze verteidigte.

Im neuen Parlament sind die Linken (41 Sitze) und die Mitte (40 Sitze) deutlich grösser als der Rechtsblock (19 Sitze). (sda)


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