Erstes Schweizer Formel-E-Rennen rückt näher

MOTORSPORT ⋅ Zürich wird im nächsten Juni voraussichtlich Austragungsort des ersten Formel-E-Strassenrennens der Schweiz. Der Stadtrat hat das Gesuch für ein solches Rennen bewilligt – und schickt den Veranstaltern eine lange Liste mit Auflagen.
06. Oktober 2017, 00:00

Für die Veranstalter ist der «Bubentraum» ein grosses Stück nähergerückt: Der Zürcher Stadtrat ist grundsätzlich damit einverstanden, dass im kommenden Juni E-Boliden durch die Innenstadt kurven. Das Rennen soll beim Hafen Enge starten, dem Mythenquai entlang führen und über eine Runde durchs Quartier wieder zurück zum Hafen.

Bevor die Ampel auf Grün geht, müssen die Veranstalter aber noch eine ganze Liste von Auflagen erfüllen. Der Stadtrat führt eine ganze Sammlung von Kriterien auf, welche die Vereine E-Mobil und OK E-Prix einhalten müssen. Verlangt werden ein Sicherheits- und Verkehrskonzept, ein Reinigungskonzept und vieles mehr. Die Veranstalter müssen beispielsweise auch die Tramgleise auffüllen, damit diese nicht beschädigt werden – und diese wieder rechtzeitig freimachen.Der gesamte Aufwand geht zulasten der Veranstalter. Der Anlass dürfe die Stadtkasse nicht belasten, betont der Stadtrat. Die beiden Vereine müssen dem Stadtrat schriftlich zusichern, dass sie sämtliche Kosten tragen. Falls es zu Zwischenfällen kommt, etwa durch einen Unfall, haften ebenfalls die Veranstalter.

Die Veranstalter zeigten sich schon zu einem früheren Zeitpunkt optimistisch, dass sie all diese Auflagen erfüllen können. Die Detailbewilligung sei so gut wie sicher, sagte Roger Tognella, FDP-Gemeinderat und Präsident von E-Mobil, im September.

Volksfest soll über E-Mobilität informieren

Was nun noch fehlt, ist die Einwilligung des Kantons Zürich. Diese dürfte allerdings kein Problem darstellen. Die Regierung hatte sich schon vor geraumer Zeit positiv zu einem solchen Rennen geäussert, weil es zu einer grösseren Ausstrahlung Zürichs beitragen könne. Für die Bewilligung zuständig ist das Strassenverkehrsamt. Sofern die Auflagen erfüllt würden, spreche aus Sicht des Strassenverkehrsamtes nichts dagegen, hiess es dort auf Anfrage. Wann entschieden wird, ist aber noch offen.

Die Organisatoren versprechen, einen «Top-Event mit internationaler Ausstrahlung» durchzuführen. Neben dem eigentlichen Autorennen, das streckenweise am Seebecken vorbeiführt, ist ein Volksfest geplant, an dem über E-Mobilität informiert werden soll. Weniger euphorisch sind die Grünen der Stadt Zürich. In Zürich gebe es schon genügend Grossanlässe, teilten sie gleichentags mit. Die Durchführung eines Autorennens in der Innenstadt sei ein absolut falsches Signal und ein Affront gegenüber der Bevölkerung. Dem Ganzen mit Begleitanlässen ein sauberes Image verleihen zu wollen, sei zudem «schlicht lächerlich». Sie befürchten ausserdem, dass die Stadt am Schluss doch noch auf Kosten sitzenbleibt oder diese nicht in Rechnung stellt.

Das Formel-E-Rennen in Zürich wäre das erste in der Schweiz. Rundstreckenrennen sind hierzulande seit dem Unglück im französischen Le Mans im Jahr 1955 verboten. Damals starben wegen der Kollision zweier Rennautos 84 Menschen, davon waren 83 Zuschauer.

Seit April 2016 macht die Schweiz aber eine Ausnahme: Rennen mit E-Mobilen sind seit diesem Zeitpunkt wieder erlaubt. Eigentlich hätte das erste Rennen bereits 2016 in Lugano stattfinden sollen. Das Projekt im Tessin wurde aber abgesagt, weil das Rennen politisch umstritten war und deshalb der wichtigste Sponsor absprang. (sda)


Leserkommentare

Anzeige: