Hörbehinderte warnen vor «No Billag»

30. November 2017, 00:00

Medien Derzeit ist es die Hälfte, bis 2022 wird die SRG 80 Prozent ihres Programms mit Untertiteln versehen. Im September unterzeichnete sie ein entsprechendes Abkommen mit sieben Verbänden für sinnesbehinderte Menschen. Die Kosten für den Ausbau werden von derzeit 9,5 auf 17 Millionen Franken pro Jahr steigen. Andrea Gerfin, Geschäftsführerin des Hörbehindertenverbandes Pro Audito, bezeichnet die Vereinbarung als «Meilenstein». Doch in ihren Augen wird daran kräftig gerüttelt – durch die No Billag-Initiative. «Wir befürchten, dass die SRG ihre Dienstleitungen für Menschen mit einer Sinnesbehinderung nicht im vorhergesehenen Mass erweitert oder die Untertitel ganz dem ­Rotstift zum Opfer fallen», sagt Gerfin. Der Zentralvorstand von Pro Audito hat deshalb bereits die Nein-Parole beschlossen. 250000 bis 300 000 Personen sind in der Schweiz von einer mittleren bis hochgradigen Schwerhörigkeit betroffen. «Wir gehen davon aus, dass Tausende Untertitel benutzen. Mit einem Ja zu ‹No Billag› würden sie vom TV-Angebot ausgeschlossen.»

Für Silvan Amberg, Co-Präsident des No Billag-Initiativkomitees, gibt es derweil keine Anzeichen, dass eine SRG oder Private nach einem Ja zu «No Billag» ihre Programme nicht mehr untertiteln sollten. «Unsere Initiative zielt nicht auf einen Serviceabbau für Hörbehinderte», sagt er.

Initianten: «Man muss Blick auf Chancen richten»

Amberg glaubt nicht, dass die Annahme der Initiative für die SRG Sendeschluss bedeutet. «Die SRG hat einen grossen Startvorteil», sagt er. Sie verfüge über eine hervorragende Infrastruktur, einen guten Namen und fähige Journalisten. Und: «Man muss den Blick auf die Chancen richten, die eine SRG bietet, die aus der Abhängigkeit von Gebührengeldern befreit worden ist.»

Die SRG wittert in der Streichung der Radio- und TV-Gebühren kein Chancenprojekt. «Eine Liquidation der SRG wäre die logische Konsequenz», sagt Sprecher Edi Estermann. Er bestätigt die Befürchtungen der Verbände für sinnesbehinderte Menschen: «Die Leistungen der SRG im Bereich der Untertitelung, der Audiodeskription und der Gebärdensprache für die mehreren hunderttausend Sinnesbehinderten in der Schweiz würden ersatzlos wegfallen.»

Kari Kälin


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